Frage zum Linksspringer

Frage zum Linksspringer

Beitragvon Stratege » Mo 25. Mai 2009, 13:04

Hallo,

Ich überlege gerade mal wieder, wie man den Linksspringer-Spieler in für Schwarz passable Varianten locken kann:

1... d5 scheint nicht so der Bringer zu sein, da Weiß nach 2. e4 d4 seine Stellung erreicht und 2... dxe4 ähnlich passiv wir Französisch Rubinstein aussieht.

1... Sc6 2. e4 e5 wäre okay, aber nach 2. d4 steht der Springer auf c6 verkehrt: 2... d5 3. e4 sieht nicht nicht gerade toll für Schwarz aus.

1... c5 wäre wegen 2. e4 eine grobe Repertorie-Sünde.

1... e5 2. Sf3 Sc6 wird wohl leider mit 3. d4 gekontert, womit Weiß wieder sein Linksspringer-"Kraut" auf dem Brett hat. Oder muss er irgendwann e2-e4 spielen womit sich ein Schotte ergeben würde?

1... Sf6 scheint das Beste zu sein. Wobei 2. e4 e5 3. f4 noch so ein Problemchen wäre. Lieber wäre mir da 1... Sf6 2. e4 Sc6 3. d4 e5, nach 4. Sf3 hätten wir ein schottisches Vierspringerspiel, was okay wäre. 4. e5 und 4. dxe5 gingen ja auch. Das große Problem ist da aber sicherlich schon die Möglichkeit 3. e5, ist ja dann irgend so eine Variante der Aljechin-Verteidigung.

Hat da wer was vernünftiges für Schwarz, was die Weißen "zum kotzen" finden?
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Lestat » Mo 25. Mai 2009, 13:50

1.Nc3 d5 2.e4 d4 3.Ne2 e5 4.Ng3 Be6 und der weisse läufer hat kein gescheites feld, einfach weder Nc6 noch c5 spielen, ansonsten wird der läufer per Bb5(+) "entsorgt"

1.Nc3 d5 2.e4 dxe4 3.Nxe4 Nd7 ist ein gemisch zwischen rubinstein-franzosen ohne e6 (e7-e5 kommt ohne tempoverlust, läufer ist nicht versperrt) und petrosjan-caro-kann ohne c6 (c7-c5 kommt ohne tempoverlust)

1.Nc3 Nf6 und weiss ist schon fast im verlegung, nach 2.d4 kommt veresov, nach 2.e4 kommt wiener partie, beides nicht die UEBER-eröffnungen, aber auch beides nicht zu unterschätzen!
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Stratege » Mo 25. Mai 2009, 14:02

Ja, diese 2...d4-Varianten sind okay. Wobei ich halt öfters mal sehe, wie Linksspringer-"Kenner" laufend sehr gute Resultate in der "Standard"-Stellung erreichen. Stimmt mich nicht gerade optimistisch.

Rubinstein und Caro-Kann ist auch nicht gerade, was ich unbedingt auf dem Brett haben will, auch wenn es vielleicht verbessert ist.

Lestat hat geschrieben:1.Nc3 Nf6 und weiss ist schon fast im verlegung, nach 2.d4 kommt veresov, nach 2.e4 kommt wiener partie, beides nicht die UEBER-eröffnungen, aber auch beides nicht zu unterschätzen!

Das Problem bei der Wiener Partie ist, dass Schwarz hier der Variante 1. e4 e5 2. Sc3 Sf6 3. f4 d5 gar nicht ausweichen kann. Wenn man das nicht auch sowieso im Programm hat, ist es zu viel Aufwand.

Aber okay, ich suche wahrscheinlich eh wieder die eierlegende Wollmilchsau. Dass Schwarz den Weißen immer in sein System gegen 1. e4 locken kann, scheint wohl doch nicht so ganz zu stimmen? :roll:
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Tobi » Mo 25. Mai 2009, 18:17

Musste dir denn 1. e4 e5 2. Sc3 Sf6 3. f4 d5 nicht so oder so als 1...e5-Spieler ansehen ?!
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Stratege » Mo 25. Mai 2009, 18:55

Nein. 2... d6, 2... Sc6 und 2... Lc5 sind auch spielbar, nur nach 2... Sf6 3. f4 hat Schwarz gar keine Alternative.
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon elvis » Mo 25. Mai 2009, 23:24

Der vorbereitungstechnische Vorteil von 1...Sf6 ist, dass Keilhack nicht viel dazu schreibt; "Linksspringer" sind damit früh out of book.

Stratege hat geschrieben:1... Sf6 scheint das Beste zu sein. Wobei 2. e4 e5 3. f4 noch so ein Problemchen wäre. Lieber wäre mir da 1... Sf6 2. e4 Sc6 3. d4 e5 ... Das große Problem ist da aber sicherlich schon die Möglichkeit 3. e5, ist ja dann irgend so eine Variante der Aljechin-Verteidigung.

???
1.Sc3 Sf6 2.e4 Sc6 3.e5?! Sxe5 würde mich mit Schwarz nicht schrecken.

1.Sc3 g6 (mit der Idee d6, Sf6, Lg7 usw.) ist auch spielbar.
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Jupp53 » Di 26. Mai 2009, 14:42

1.Sc3 c6

und die weite Welt von Caro-Kann und Pirc stehen offen.
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

Fußball ist nicht nur Dong. Es ist Ding-Dang-Dong. (G. Trappatoni)
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Stratege » Mi 27. Mai 2009, 11:11

Schön und gut für Pirc- und Caro-Kann-Spieler. Extra die Verteidigung gegen 1. e4 umstellen, weil man im Linksspringer nichts Ideales findet, kann es aber nicht sein.

Eine Geheimwaffe scheint es nicht zu geben, die Variante mit 1... Sf6 und 2... Sc6, der "Schotte ohne e4" oder doch 1... d5 mit folgendem dxe4 sind da wohl die Alternativen. Werde ich mir mal weiter anschauen.
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Tobi » Do 28. Mai 2009, 15:18

Der Schotte ohne e4 hat aber keinen guten Ruf!
Wenn du was einfaches möchtest, spiel 2...dxe4, das mögen die Weißen auch nicht, gibt da einen SOS-Artikel zu
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Re: Frage zum Linksspringer

Beitragvon Geck0tierchen » Di 2. Jun 2009, 12:18

Stratege hat geschrieben:Nein. 2... d6, 2... Sc6 und 2... Lc5 sind auch spielbar, nur nach 2... Sf6 3. f4 hat Schwarz gar keine Alternative.


gar keine Alternative?

3.f4 d5
4.fxe5 Sxe4
5.Sf3 (Df3; 5.d3?!)

A.5...Le7
B.5...Lc5!?
C.5...Lg4 (etwas flexibler als Sc6 [kein Lb5] und dennoch mit langrochadigen Ideen verbunden)
D.5...Sc6 (mit kurzer oder langer Rochade)

Das sind jetzt schonmal 4 Alternativzüge, jeweils mit unterschiedlichen Plänen und Klangfärbung und allesamt gesunde Varianten, in denen Schwarz keine Angst haben muss.

Zur Ausgangsfrage:

Wenn man "prinzipiell" den Weißspieler bestrafen möchte, sollte man zu 1...d5! greifen.

Das gibt nach 2.d4 (aber wer spielt das schon) im Gegensatz zu 1...Sf6 2.d4 d5 3.Lg5 die Zusatzmöglichkeit 2...Lf5!? (was spielt Weiß hier jetzt überhaupt?).

Nach 2.e4 muss man sich bei 2...dxe4 eine Variante zurechtlegen, die man recht sicher kann. 2..dxe4 3.Sxe4 Sd7 4.Lc4 5.Sg-f6 6.Lxf7+!?! darf zumindest nicht überraschend kommen (steht auch im Linksspringerbuch). Um gerade diese Linksspringer auflaufen zu lassen, ist 5...e6!? (die Idee, wenn auch nicht sonderlich spektakulär, kam mir beim Zähneputzen) sicherlich eine interessante Idee. Man spart gegenüber den caro-kann-varianten mit Lc4 das c6-tempo und wenn Weiß nicht versucht, rasch auf den weißfeldrigen e6-f7 Komplex loszugehen (Sg5 etc., kennt man ja aus C-K), steht der Lc4 vermutlich nicht ideal.

einfacher (und vermutlich stärker) ist das bereits von Lestat erwähnte 2...d4 3.Se2 e5 4.Sg3 Le6. Schwarz hat hier exzellente Chancen darauf, den Nachzugsvorteil festzuhalten :)

1.Sc3 Sf6 ist aus praktischer Sicht der nervigste Zug für die Weißspieler, weswegen diese ab und an zu Schrottzugideen (2.b3?!, 2.g4?!) greifen, denn das "geliebte" 2.e4 steht nach 2...e5! ziemlich blöd da. Auf 2.d4 kommen indess nur die wenigsten (macht ja auch viel weniger Spaß) - Veresov ist nun aber auch nicht zu fürchten.



Zu guter letzt: Wer nun "umbedingt" 1...e5 spielen will, kann das gerne tun. Die meisten Sc3-Fetischisten kennen sich aber gerade hier etwas besser im Bezug auf konkrete Varianten aus (im Vergleich zum Schablonen-van-Geet, bei dem sie "ihren Aufbau" runternudeln wollen und dann doch ziemlich schnell bedenklich stehen), so dass man zumindest ein paar Varianten können sollte.

Empfehlen kann ich hier:

A) 1.Sc3 e5 2.Sf3 d5!?! (3.Sxe5 d4 4.Sb1 Dd5)

kurioserweise konnte Keilhack dies in seinem Linksspringer-Buch nicht widerlegen. Eine nähere Analyse zeigt indess, dass dies garnicht so leicht ist. Für Analysefreaks sicherlich eine gute Empfehlung.

B) 1.Sc3 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Sf6! 5.Lg5 (5.e4 Lb4=)

B.1) 5...Lb4 6.Sxc6 bxc6 (nicht 6...Lxc3?) 7.Dd4 Le7 (der weiße Aufbau ist nunmehr nicht so spektakulär) nebst baldigem d6 / d5 und akzeptabler 1.e4 Stellung für Schwarz

B.2) 5...Lc5!? (4..Lc5 5.Sf5!? ist nervig, wird hier aber umgangen) 6.e3 (6.Sf5? Lxf2+! -+, das gleiche bei jedem anderen Springerzug) und jetzt nicht auf d4 schlagen so wie im Keilhack-Buch beschrieben sondern einfach 6...O-O!, denn 7.Sd5? Lxd4! 8.exd4 De8+! ist gut für Schwarz.

Bei der letzten Variante spreche ich aus der Erinnerung, die mich hoffentlich nicht trügt. Alle Variantenangaben wie immer ohne konkreten Blick aufs Brett. Über Hinweise auf Fehler bin ich dankbar.
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.

However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson
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