Tobi hat geschrieben:Wenn man nichts gegen einen Isolani hat, kann man auch direkt 3...c5 spielen. Das läuft dann vermutlich nach beidseitigen Schlagen auf d5 auf eine Variante des Abtauschfranzosen hinaus.
Möchte man das alles vermeiden, kann man sicherlich auch 3...Sf6 ziehen. Es kann dann aus Sicht des schwarzen Königsspringers eine Art klassischer Franzose entstehen. Hier hat Weiß allerdings keinen Sc3 und kann sein Zentrum mit c3 verteidigen. Dafür hat Schwarz kein c5 gespielt und als interessante Möglichkeit kommt vllt. etwas mit b6+La6 in Frage. Allerdings dürfte Dg4 an Stärke gewinnen, da der Angriff gegen das weiße Zentrum nicht mehr die gleiche Stärke besitzt wie wenn ein Sc3 vorhanden ist.
Ich habe bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften vor zwei Jahren 3...c5 gespielt und würde das wohl wieder machen.
Von beiden Möglichkeiten würde ich abraten, da sich genau hier die Vorteile von Ld3 herausschälen.
Auf 3...c5 ist zumindest 4.exd5 exd5 5.Lb5+!? eine sinnvolle Idee, welche in 1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5?! exd5 4.c4?! Lb4+! übergeht. Jene Variante gilt als vorteilhaft für Schwarz. Auch sonst ist Ld3 sicherlich ein etwas aktiverer Zug als das etwas passivere 3.Sd2, gegen das 3...c5 ja eine Standarderwiderung ist.
Auf 3...Sf6 4.e5 hat Weiß ja durch Einsparung des Sb1-Zuges sowas wie eine Luxusversion eines Franzosen bekommen (in der Vorstoßvariante hat Weiß ja oftmals Probleme damit, seinen Läufer auf das Wunschfeld d3 zu entwickeln). Die typische Entlastung mit b6+La6 ist problematisch, da die aktive Entwicklung nach d3 z.B. De2 erlaubt. Die Verstärkung des Abtauschfeldes a6 durch das standardgemäße Manöver a7-a5 ergibt dann mit a2-a4 + Sb1-a3-b5 die üblichen Probleme.
Soweit ich weiß, zielt die Ld3-Variante auf das Festhalten eines kleinen, aber stabilen Vorteils ab. Man sollte sich hier als Schwarzer vor allem eins vergegenwärtigen: Nach 3.Ld3 ist 3...dxe4 insbesondere aufgrund der vorangeganenen Überlegungen der stärkste Zug. Im wesentlichen begibt man sich hier nun aber auf das Gebiet des Rubinstein-Franzosen! Dieser ist den meisten mir bekannten Französisch-Spielern wegen der grundsätzlich verschiedenen Gangart nicht genehm. Ein klassischer Französischspieler kauft sich zum Preis von positionellen konzessionen mit passivem Lc8 etc eine Reihe klarer Angriffsziele und beständige Gegenangriffe ein, wohingegen ein Rubinsteinspieler eher für das freiwillige Aufnehmen einer leicht passiven und gedrückten, dafür aber auch sehr festen und gerade im späteren Spielverlauf potentiell vorteilsträchtigen Stellung bekannt ist.
Hierzu sei vor allem angemerkt, dass die jüngsten top-gm Begegnungen in Biel vor allem folgendes gezeigt haben. Gegen Pelletier, dessen schwarze Hauptwaffe Französisch-Rubinstein darstellt, zog Carlsen 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 5.g3, und sowohl Vachier-lagrave als auch Shirov taten es ihm in ihren folgenden Begegnungen gegen Pelletier gleich. Auch morozevich zog g3, entwickelte den Läufer dann aber doch typisch unkonventionell für ihn im nächsten Zug nach b5. Es ist klar, dass es keinen so grundsätlichen Unterschied macht, ob der läufer nun auf f3 oder g2 steht.
Scheinbar verliert Weiß nun ein Tempo durch Ld3-Lxe4-Lf3 anstelle von g3+Lg2, allerdings gibt es 2 Faktoren, die dagegen sprechen. Zum einen "zwingt" Weiß den Nachziehenden, wie bereits oben ausgeführt, in eine Rubinsteinartige Stellung, die dieser ansonsten vermutlich garnicht angestrebt hätte. Zum anderen ist es sehr interessant zu sehen, dass Carlsen gegen Pelletier 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 5.g3 Le7 6.Lg2 Sg-f6 7.Sc3!? (entgegen des üblichen Sxf6+) zog, um dem schwarzen Entlastungsmanöver zum Preis eines Tempos zu entgehen. Vergleicht man die Stellung nach 7.Sc3 von Carlsen-Pelletier mit der plausiblen Zugfolge
3.Ld3 dxe4
4.Lxe4 Sf6
5.Lf3 Sb-d7
6.Sc3 Le7
7.O-O
so hat Weiß in der Ld3-Zugfolge die Züge Lf3+O-O gegenüber g3+Lg2. Im höheren Sinne hat er damit also ein Tempo
gewonnen.
Ld3 stellt in meinen Augen insbesondere für Spieler eine interessante Alternative da, die gerne Stellungen mit einem (wie hier) oder keinem Zentrumsbauernpaar spielen und ihren Vorteil hier durch die in solchen Stellungen enorm wichtige höhere Figurenaktivität festmachen. Repertoiretechnisch würde ich es Spielern empfehlen, die gegen Sizilianisch die Alapin-Variante 2.c3 spielen, da es einer ähnlichen Philosophie folgt. Als Schwarzspieler sollte man sich auf jedenfall bewusst sein, dass man es hier mit einer ernsthaften Eröffnunge zu tun hat. Da ich ja immer gern offbeat empfehle, könnte man sich ja z.B. direkt mit 3...b6!? auseinandersetzen, auch 3...Ld7 mit der Idee dxe4 Lxe4 Lc6 im Fort-Knox Stil (nur halt mit Läufertausch) könnte eine Idee sein. Spontan am Computer finde ich auch die Idee 3...Sc6!? 4.c3 dxe4 5.Lxe4 Sf6 6.Lf3 e5!? ganz charismatisch.
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.
However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson