Orang_Utan hat geschrieben:...
Wie wahrscheinlich kann man durch Selbstreflexion eigenständig ein geeignetes Repertoire erstellen? Und ab welchem Niveau (grob geschätzt) haltet ihr das für Erfolg versprechend?
Mein Problem dabei ist, dass ich dies für ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen bis zu einer gewissen Ebene halte. Diese kann ich leider auch nicht näher definieren. Grundsätzlich würde ich sie jedoch oberhalb von 2000 DWZ ansetzen...
Eine Analyse der eigenen Stärken und Schwächen bzw. der eigenen Vorlieben und Abneigungen kann überall in der DWZ-Hierarchie erfolgen - vorausgesetzt es gibt genügend Praxiserfahrungen = Turnierpartien und Erinnerungen daran.
Die einzige Ausnahme stellen vermutlich Spieler dar, die entweder die ganzen Partien über denken, daß sie gut stünden und nicht kapieren, wound warum sie verloren oder die immer denken, daß sie immer schlecht stünden und die Niederlage als logisch bzw. das Remis als Glücksfall ansehen.
Ich denke etliche Spieler haben unabhängig von ihrer Spielstärke (und von der Gegnerstärke) ein Grundgefühl dafür entwickelt, wann sie sich wohl und wann sie sich unwohl in den Stellungen fühlen.
Anhand von Engine-Bewertungen und/oder Vergleichspartien kann man herausfinden, inwieweit dieses Gefühl objektiv gerechtfertigt ist und welcher Geschmack bzw. Vorlieben eine Rolle spielen.
Dies gibt dann Aufschluß über bevorzugte Bauernkonstellationen, Figurenmaterial und Endspielsituationen und das Gegenteil und damit einen Ansatz für das Repertoire.
Orang_Utan hat geschrieben:...
Meist lässt man sich ja bei seiner Eröffnungswahl von absolut subjektiven Kriterien leiten (Schnuffipuff hat das hier letztens gut erklärt) und lässt den objektiven Part dabei schleifen...
Welcher "puff" wo
Orang_Utan hat geschrieben:...
Das kann u.a. den Grund haben, die Objektivität überhaupt nicht erfassen zu können. Man kann also auf Grund mangelnden Wissens das Problem gar nicht eigenständig lösen. Man kann aber auch schlicht auf dem Irrweg sein, in dem die Eigenanalyse ein falsches Ergebnis übermittelt, was einem selbst ja nicht bewusst ist. Natürlich kann aber auch alles wunderbar funktionieren. Im besten Fall heißt dies, ein Experte stimmt der Entscheidung zu...
Weiß nicht. Für mich ist zunächst das Gefühl entscheidend. Wo fühlt man sich wohl und wo nicht.
Das ist auch Änderungen unterworfen. Steigt die Spielstärke an, kann es sein, daß einem mehr und andere Stellungstypen zusagen oder zumindest nicht abstoßen. Entsprechend kann sich das Repertoire erweitern oder verändern.
Orang_Utan hat geschrieben:...
Das Ziel sollte also sein, in Erfahrung zu bringen, welche Mittelspielstrukturen einem liegen und warum das so ist. Dann werden die Eröffnungen diesem Ziel angepasst...
Bauernstruktur im Zentrum scheint mit ein wichtiger Schlüssel/Dietrich zu sein.
Weiterhin: Spielt man gerne mit mehr oder weniger Leichtfiguren? Mag man reine Schwerfigurenstrukturen? Früher Übergang in (mittelspielartige) Endpiele bzw. Mittelspiele ohne Damen?
Wer sich mit oder gegen den Isolani unwohl fühlt, der sollte was vermeiden? Vermutlich eine Reihe von Eröffnungen und Abspielen.
Orang_Utan hat geschrieben:...
Kann jemand aus eigener Erfahrung geeignete Personen zur Problemlösung empfehlen?
Kann ich nicht, Dein Trainergedanke liegt aber nahe oder aber mal das "Repertoiregespräch" (wie kam es, Daß Du ... spielst) mit einem gestandenen Bundesligaspieler suchen.
Meine eigene Erfahrung ist, daß das Weiß-Repertoire wesentlich zeitaufwendiger und baustelliger als das Schwarzrepertoire ist und daß die häufiger auftretenden Lücken leider dazu führen, noch mehr zu springen und zu versuchen als Schritt für Schritt die Lücken systematisch zu verkleinern.
Der (zu große) Repertoireansatz verhindert, daß mehrere kleine Schritte in die richtige Richtung hintereinander erfolgen.
Stattdessen wird unsystematisch da und dort gestochert, aufgerissen und gegraben, dann zugeschüttet und die Schaufel stehengelassen sowie letztendlich die Pausenzeit überzogen und den Arbeitsnachweis nicht erbracht.
Besser dran ist, wem es nichts ausmacht, gegen die eigenen Schwarzsysteme auch mit Weiß zu spielen. Spart viel Zeit und führt zu tieferen Erkenntnissen.