warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Lestat » Mo 8. Jun 2009, 10:00

Der titel ist etwas komisch, aber ich weiss nicht wie ich es besser formulieren soll. Es geht um folgendes:
viele spieler, sowohl GMs wie auch normalsterbliche, identifizieren sich mit ihrere verteidigung gegen 1.e4. ein paar beispiele:
Uhlmann: gegen 1.e4 spielt er französisch. gegen 1.d4? ich weiss es nicht mal
Kramnik: gegen 1.e4 spielt er petroff. gegen 1.d4? alles mögliche nach 1. ...d5
kasparov: gegen 1.e4 spielte er sizilianisch (meistens scheveningen, wenn auch über najdorf-zugfolge). gegen 1.d4? alles!
carlson: gegen 1.e4 spielt er den sizilianischen drachen

bei normalsterblichen ist es nicht viel anders:
man spielt französisch, sveshnikov, najdorf, beschl. drachen, caro-kann, alles eröffnungen gegen 1.e4. auf die frage, was gegen 1.d4 gespielt wird kommt dann meistens so als antwort "ich habe schon viel versucht und bin immer noch nicht glücklich".

die einzige ausnahme, sowohl auf GM-level wie auch normalsterblichen-level scheint königsindisch zu sein.
Radjabov ist der einzige top-GM der mir einfällt welcher durch seine verteidigung gegen 1.d4 identifiziert wird, königsindisch. auch auf clublevel ists ähnlich, spieler, welche königsindisch spielen, identifizieren sich auch gerne dadurch.

aber abgesehen von dieser "ausnahme" ist es eindeutig die antwort gegen 1.e4, mit welcher man sich identifiziert. woran liegt das?

ich bin übrigens auch nicht anders:
gegen 1.e4 spiele ich seit längerem nur französisch, wenn auch nicht immer das selbe (je nachdem klassisch oder rubinstein), gegen 1.d4, naja, da habe ich schon QGA, QGD, semi-slavisch, stonewall-holländer, etc ausprobiert. das einzige was diese zusammenhält ist, dass es alles weissfeldrige komplexe sind...
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon project_chaos » Mo 8. Jun 2009, 10:23

kann ich dir zustimmen, auf d4 spiele ich nur königsindisch.

auf 1.e4 e5 hat weiss viele möglichkeiten, italenisch, ponziani, spanisch, nordisch, königsgambit usw...

und ich denke das ist ein grund warum viele GMs dann zu franz,sizi, caro kann, petroff aussweichen als hauptwaffen.
weils sie damit als schwarz mehr das eröffnungsgebiet eingrenzen können.
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Jupp53 » Mo 8. Jun 2009, 11:31

Bobby Fischer wird mit 1.e4 identifiziert. Botwinnik mit guter Eröffnungsvorbereitung ....

Es geht wohl eher um die Suche nach Vorbildern/Mustern. Der Durchschnittsspieler identifiziert sich mit Meistern, von deren Repertoire er lernen kann, die Meister vertiefen sich in Stellungen, die sie als passend für sich erkannt haben und kommen so zu einem Repertoire.

Es ist wohl eher eine Geschichte der Wahrnehmung, die regelmäßig vereinfacht.
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Tobi » Mo 8. Jun 2009, 19:28

Ich finde den Threadtitel gerade deswegen so treffend :mrgreen:
Ich selber, habe in meinem jungen Leben schon fast alles gegen 1.e4 ausprobiert und bin immer wieder zu Französisch zurückgekommen.
Seit 2-3 Jahren wechsel ich nichtmehr, was auch daran liegt, dass ich nicht mehr vor Gespenstern Angst habe (Abtaischvariante = Remis ,etc...).
Anders ist es da bei 1.d4, hier gefällt mir momentan nichts so richtig und ich wechsel viel zu häufig :(
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Stratege » Mo 8. Jun 2009, 22:16

Ich denke, dass man nach 1. e4 vermeintlich sehr schnell die verschiedensten Schachspieler-Typen erkennt. Der Positionsspieler wird Freude an seinem Caro-Kann haben, der Angriffsspieler nimmt wahrscheinlich den Drachen, der Theoriehai wählt Najdorf, der Remis-Schieber Russisch (warum spiele ich das eigentlich nicht? :lol: ), usw.

Wüsste selber aber nicht, was für ein Typ ich bin und warum ich meine Verteidigung gegen 1. e4 so spiele. Bin hauptsächlich Patzer, aber was spielen Patzer so normalerweise? :?
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon project_chaos » Di 9. Jun 2009, 11:18

Stratege hat geschrieben: Bin hauptsächlich Patzer, aber was spielen Patzer so normalerweise? :?


französisch :mrgreen: *duckundweg*
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Tobi » Di 9. Jun 2009, 16:43

Stratege hat geschrieben:. Der Positionsspieler wird Freude an seinem Caro-Kann haben...


Mit Larry Christiansen ("Erstürmung der Barrikaden") hat ein sehr berühmter Angriffsspieler selbst Caro-Kann im Repertoire gehabt. ;)
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon Lestat » Di 9. Jun 2009, 17:01

caro-kann mit kurzer rochade in der Bf5-variante ist auch eher scharf...

ich denke positionsspieler spielen eher so sachen wie tschigorin-spanier...
elvis: Ich hab einmal gegen Kiffing OTB gespielt und glatt gewonnen
elvis: Er hat ziemlich nach Schablone gespielt, nur passte die Schablone zufällig nicht zur Stellung
elvis: Wenn seine Schablone zufällig zur Stellung passt, ist er nicht so schlecht
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon elvis » Di 9. Jun 2009, 17:18

Ich denke nicht, dass man so generell sagen kann, dass Spieler sich mit ihrer Antwort auf 1.e4 identifizieren.

Auf der einen Seite sind alle diejenigen, die mit 1...e5 antworten und damit die Wahl, wie es weitergeht, wieder an Weiß delegieren. (Okay, Philidor passt nicht in dieses Muster.)

Auf der anderen Seite gibt es außer Königsindisch auch andere geschlossene Eröffnungen mit "Identifikations-Faktor", z.B. Stonewall, Leningrader ...
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Re: warum identifiziert man sich mit der antwort auf 1.e4?

Beitragvon JoelH » Di 5. Jan 2010, 12:04

Ich denke man kann das so generell nicht sagen.

Ich denke, dass gerade bei Spitzenspielern die Eröffnungswechsel sehr viel häufiger stattfinden, vom "Publikum" aber nur wahrgenommen werden wenn dabei spektakuläre Ergebnisse erzeilt werden.

zB. ist zwar Kramnik für Russisch bekannt, aber wer erinnert sich nicht an die Berliner Mauer, die er 2000 gegen Kasparov auspackte?

Gerade Spitzenspieler müssen auf theoretische Entwicklungen viel häufiger reagieren als Amateure die ihr Lebenlang dasselbe spielen.
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