Cresspahl hat geschrieben:
Ich mag deine Repliken immer gecko, egla wie lange sie sind.
Es gibt keinen fröhlichen Herzsmilie, der hier angebracht wäre.
1.Sc3 d5 2.e4 d4 ist nach meiner Erfahrung aus gerade mal einer Handvoll Turnierpartien mit van Geet schon attraktiv für Weiß: Schwarz ist oft mit den Ideen nicht vertraut, kennt die kritischen Aufbauten meist nicht (hatte 4...Le6 beispielsweise noch nie auf dem brett) und selbst wenn: Weiß hat auch dort seine Chancen. Als gelegentliche Waffe für die Eröffnungsrunden von Turnieren mag ich 1.Sc3 sehr gerne.
Ja, genau hier kommt ja die grundlegende Problematik zum tragen. Benutze ich 1.Sc3 als Punktekescher im ansonsten vielleicht langatmigem Kampf gegen Erstrundenlutscher? Oder als Überraschungswaffe gegen gestählte Meisteranwärter? Oder als Giftpfeil im Köcher, wenn einem gegnerische Vorbereitung schwant ?
Im ersten Fall ist es leider so, dass das nicht für die Eröffnung spricht: Wenn 1.Sc3 nur gegen schwächere Gegnerschaft gut ist, ist es keine gute Eröffnung im eigentlichen Sinne. Es ist zwar nett, wenn man einem eröffnungstheoretisch auf der Höhe, aber ansonsten recht unbedarft spielendem ~1900er bereits im ersten Zug selbstständiges Denken aufzwingen kann, aber wenn sie gegen gleich starke Gegnerschaft nicht mehr adäquat angewendet werden kann, spricht das nicht für die Eröffnung. Dies wird nur durch die Fülle von Kurzsiegen im 1.Sc3 Buch
unterstrichen, denn einem gegner, der sich ernsthaft auf den weißen takt einzustellen bereit ist, wird das nicht passieren.
Konkret hat Weiß nach 4...le6 ziemliche Probleme und Schwarz bereits ausgeglichen. Weniger konkret hat Schwarz mit Tempogewinn Raumvorteil erhalten (im Gegensatz zu z.B. 1.Sf3 d5 2.c4 d4!?, was ja prinzipiell auch stark, aber mit Gefahren wegen der Tempi verbunden ist) und es ist nicht klar, ob das die Reise Sc3-e2-g3 (von Sb1? mal ganz abgesehen) wert ist, v.a. weil Weiß seine Karten sehr sehr früh aufdeckt:
Der Vorteil von van-Geet ist gleichzeitig auch seine Beschränkung: Es ist eine irrsinnig einseitige Schablone, die Weiß aufzuziehen bereit ist. Er hat ja auch garkeine andere Wahl (!!), denn praktisch alle Alternativideen sind minderwertig (an c3-ideen kann ich nicht glauben, g3-Lg2 erlaubt dem Schwarzen sich so günstig wie möglich auf einen Königsindischen Aufbau einzulassen, frühes f4 ist sehr schlecht) und führen aus schwarzer sicht mindestens zu ausgleich. Dies führt dann zu der obskuren Situation, dass Keilhack in seinem 1.Sc3 Werk manchmal einfach nicht anders kann als hilflos mit den Schultern zu zucken, wenn er Partien zitiert, in denen der Schwarze GM sich "normal" aufbaut und dem Weißspieler erst seine Initiative auslutscht um anschließend seine eigenen Vorteile wertend zu machen. Dies wird dann immer mit realitätsverzerrenden Argumenten wie "GMs können das halt" erklärt, was am Kern der Sache vorbeigeht. Die Tatsache, dass man dem Schwarzen eine gut spielbare Stellung mit einigen Vorteilen in die Hand drückt, ohne nennenswertes dafür zu erhalten, ist eine ernstzunehmende Kritik an den Sc3-Apologeten.
Allerdings ist das auch alles mehr oder weniger objektiv - und der 1.Sc3 Spieler ist der letzte, der sich darum schert (darum sind 1.Sc3 und 1.b3 ideologisch ja auch recht gut vernetzt).
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.