Gast hat geschrieben:Dieser h4 scheint eine Betrachtung wert zu sein, wobei sich mir zwei Fragen stellen:
1. Mit welchen Ideen soll die Schwäche des d4 bzw. des Feldes d5 in der h4 h5 c4 Varainte kompensiert werden?
2. Ist das wirklich spielbar, die Ld7 Variaten, in denen der König über f2 nach g2 läuft sahen doch schon recht gewöhnungsbedürftig aus

Zu 1) Nun ja, wie schon erwähnt erhält Weiß trotz allem Raum am Königsflügel, bezeichnend ist das Feld g5, das wichtiger ist, als es zu sein scheint.
Der d4-Bauer kann schwer belagert werden, und eine auf d5 auftauchende Figur wird sogleich rausgetauscht.
Beispiel:
1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h5 5.c4 e6 6.Sc3 dxc4!? 7.Lxc4
Auf den ersten Blick scheint der relativ starke Läufer f5 und der rückständige d-Bauer schwarz einen gewissen Vorteil zu bescheren.
Aber die schwarzen Felder und der Raumnachteil, besonders die von Weiß kontrollierten Felder e5 und g5 sichern Weiß genügend Kompensation.
Weitergehende Gedanken:
*Das Feld e4 wird langfristig ein zentrales Sprungbrett für die weißen Springer werden. Sge2-g3-e4 (e4-d6, e4-g5, e4-c5)
*Ein Läufer auf g5 zwingt Schwarz zu unangenehmen Entscheidungen:
-f6 zu spielen (exf6, gxf6 und eine etwas untypische, aber für Weiß ordentliche Isolaniestellung entsteht)
-Se7 zu spielen, und eine unangenehme Fesselung eingehen.
-Le7 zu spielen, wobei nach Dd2 ein Abtausch auf g5 nichts einbringt und ggfs. Weiß einfach nur die h-Linie öffnet.
-die Dame weg zu spielen, und den Läufer zu ignorieren.
*Wenn der schwarze einen Läufer auf g5 mit Le7 tauscht, ist das Feld d6 sehr anfällig für die weißen Rosse.
Dies sind unter anderem Gründe, wieso Schwarz generell darauf verzichtet auf c4 zu nehmen. Er lässt sich lieber auf d5 nehmen, wobei Weiß damit keine Probleme hat.
Beispiel-Varianten, die wohl am ehesten die weißen Ideen herausfordert:
1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h5 5.c4 e6 6.Sc3 dxc4 7.Lxc4 Sd7 8.Lg5! Se7 9.Sge2 f6 10.exf6 gxf6 11.Le3 Sb6 12.Lb3 Sbd5 13.Sg3 Lg4 14.Dd3 Sf5 15.Sxd5 cxd5
Weiß hat ein angenehmes Spiel.
Zu 2) Am Anfang war ich auch skeptisch gegenüber dem spontanen Königsmarsch nach g3. Aber was soll dem König dort passieren? Ich mein, nach Ld7 wird erst h5 gespielt, was das Feld g6 unter Kontrolle nimmt, und ein Läufer auf d3 verhindert dann vorerst, dass irgendwas auf dem Königsflügel passiert.
Der Turm h1 verhindert, dass Schwarz seine Königsbauern mit g6 nebst h5 oder so was opfert, um die h-Linie zu öffnen, oder nimmt der Idee zumindest jegliche Berechtigung.
Um nicht Verwirrung zu stiften:
1.d4 c6 2.e4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h6 5.g4 Ld7 6.h5 c5 7.c3 e6 8.f4 Db6 9.Sf3 Sc6 10.Kf2 f6 11.Kg3 0-0-0 12.a3 c4 13.Sbd2 Kb8 14.b3 cxb3 15.Sxb3 Dc7 16.Ld3 Lc8
DIE Theorie gibt's meistens sowieso nicht, denn das System ist ja eher eine Nebenvariante. Aber zumindest in der genannten Variante nach 16...Lc8 hat Weiß einen guten Vorteil.