Repertoirelücken

Repertoirelücken

Beitragvon Gast » Mo 30. Nov 2009, 17:57

Ich bin gerade dabei meine Lücken im Repertoire auszufüllen und bei manchen Sachen find ich einfach nichts was mir gefällt. Hat vllt. jemand Vorschläge?
In der Regel spiele ich scharfe Sachen, wobei ich auch vor Theorieaufwand keine Angst habe. Hier mal das aktuelle Repertoire:

Weiß:
-gegen Französisch Sc3 und hierbei gegen so ziemlich alles auch dann die absoluten HVs ( basierend auf " A opening Repertoire according to Anand")
- gegen Sizilianisch das "Experten vs. Sizilianisch" Repertoire ( Lg5 Najdorf, Dd2 Drachen, Rauzer)
- gegen e5 Königsgambit
- gegen Pirc/Modern 150-Attack (Le3;Dd2)

es wird noch etwas gebraucht gegen:
-Caro-Kann (Hier wurden Panov und die HV mit Sc3 ausprobiert)
-Aljechin ( Abtausch wurde bis jetzt mit sehr schlechtem Erfolg ausprobiert (0.5/4))
-Skandinavisch

Schwarz:

- gegen e4 spiele ich derzeit Hecht-Reefschläger Französisch (3. ...Sc6) und bin bis jetzt auch ganz zufrieden damit
-gegen d4 Botvinnik-Halbslawisch und Meraner mit frühem a6

es fehlt:

-etwas gegen 1.c4/1.Sf3 ( Was universelles wär schon schön, muss aber nicht), wobei mir Slawischaufbauten nicht gefallen. Das doofe ist, dass jeder gegen mich sowas zu spielen scheint :D

Wär echt gut wenn jemand hier Vorschläge hätte.
Gast
 

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Jupp53 » Mo 30. Nov 2009, 20:09

@Slawisch:

Klassische Hauptvariante 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dc4: 5.a4 Lf5 oder halbslawische Aufbauten 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6? Für die Hauptvariante ist Vigus, Play the Slav (gibt es auf Deutsch) eine sehr gute Einführung.

@Alternative dazu:

Die Tarrasch Verteidigung des Damengambits ist mehr ein Aufbau, als eine Variante. Sie kann gegen alle weißen Aufbauten von London bis Reti versucht werden.

Persönlich würde ich eine Mischung empfehlen, da es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt und je nach Aufbau der Gegners mit beiden Systemen jeweils die wirksamere Antwort gespielt werden kann.
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

Fußball ist nicht nur Dong. Es ist Ding-Dang-Dong. (G. Trappatoni)
Benutzeravatar
Jupp53
Schachprofi
 
Beiträge: 697
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 17:16
Wertungszahl: Deine Zahl Minus 300

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Peloton » Mo 30. Nov 2009, 21:24

Warum nicht beide Problem verbinden
Gast hat geschrieben:-etwas gegen 1.c4/1.Sf3

Gast hat geschrieben:Caro-Kann (Hier wurden Panov und die HV mit Sc3 ausprobiert)


und auf 1. c4 c6 spielen. Dann gibt's entweder Slawisch oder Panow-Angriff und den hattest Du schon in Deinem Weiß-Repertoire.
I love the team as much as the next gullible, masochistic Englishman, but since that day they have specialized in finding new ways to torture a nation. :D, irgendein englischer Journalist in der New York Times
Benutzeravatar
Peloton
Schachenthusiast
 
Beiträge: 198
Registriert: So 30. Aug 2009, 16:32
Wertungszahl: seit geraumer Zeit konstant 2000 +/- 30

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Gast » Mo 30. Nov 2009, 21:32

@ Peloton:Wie kann Schwarz sich den nach c4 c6 aufbauen, ohne zum Aufbau mit Lf5,d5,e6,c6 0-0 Sbd7 aufzubauen?


@jupp: Da ich bereits Botvinnik und Meraner ausgearbeitet habe würde es glaube ich keinen Sinn machen auf Tarrasch umzusteigen, da das wohl etwas viel wäre , nur um etwas gegen c4/Sf3 zu haben (bitte korrigieren falls diese Annahme falsch ist).
Gast
 

Re: Repertoirelücken

Beitragvon DerSiedler » Mo 30. Nov 2009, 21:49

Ich schlag mal das vor, was zur Beschreibung mehr oder weniger passt:

Gegen Caro-Kann spiel ich mit gutem Erfolg die Vorstoßvariante mit h4:

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4!?

4...h5 5.c4 e6 6.Sc3 und die eingeschobenen Züge h4 h5 kommen eher Weiß zu Gute, das Feld g5 ist wirklich kritisch für Schwarz.
4...h6 5.g4 Lh7 (bzw. 5...Lg6 6.h5 Lh7 7.e6!) 6.e6! und Schwarz bekommt Probleme am Königsflügel.
4...e6?? 5.g4 gewinnt die Figur.

Probleme könnte: 4...h6 5.g4 Ld7! bereiten, was zwar nicht oft auf's Brett kommt, aber stark ist. Danach muss Weiß die Bauernzüge am Königsflügel rechtfertigen können (was ihm bei genauem Spiel auch gelingt, denn der Raumvorteil am Königsflügel ist tatsächlich eher von Vorteil).

Aljechin Hauptvarianten mit 4.Sf3 ist doch eigentlich wunderbar. Schwarz kommt nie zum Ausgleich, und Weiß hat in meinen Augen den ganzen Spaß. Die Stellungen werden auch schnell sehr scharf und in einigen Varianten schlägt dann auch mal fix ein Springer auf f7 ein.
Theorie lernen ist eben unabdingbar, wenn man HV spielt.

Gegen 1.c4/1.Sf3 ist sowohl Königsindisch wie auch Benoni eine Überlegung wert. KI muss einem aber schon gefallen.


Das sind meine Vorschläge aus meinem Repertoire, vielleicht konnte ich dir ja weiterhelfen.
DerSiedler
Schachfan
 
Beiträge: 79
Registriert: Do 25. Dez 2008, 15:52

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Gast » Di 1. Dez 2009, 15:50

Dieser h4 scheint eine Betrachtung wert zu sein, wobei sich mir zwei Fragen stellen:

1. Mit welchen Ideen soll die Schwäche des d4 bzw. des Feldes d5 in der h4 h5 c4 Varainte kompensiert werden?
2. Ist das wirklich spielbar, die Ld7 Variaten, in denen der König über f2 nach g2 läuft sahen doch schon recht gewöhnungsbedürftig aus :mrgreen:
Gast
 

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Thossk » Mi 2. Dez 2009, 03:39

Gast hat geschrieben:@ Peloton:Wie kann Schwarz sich den nach c4 c6 aufbauen, ohne zum Aufbau mit Lf5,d5,e6,c6 0-0 Sbd7 aufzubauen?

Du kannst ja auch ohne ...Lf5 auskommen (bzw. ohne ...Lg4). Einfach sofort ...e6; das müsste dir als Vollblut-Halbslawisch-Spieler doch einigermaßen entsprechen?!
Zugfolge also etwa: 1.Sf3 Sf6 2.c4 c6 3.g3 d5 4.Lg2 e6 usw. Schwarz muss dabei auch bereit sein, auf c4 zu nehmen natürlich. ;)
Alternativ kann Schwarz auch sowas wie 4...dxc4 spielen.

Zu Caro-Kann als Weißer:
Mir fällt spontan folgende Variante ein: 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sc3 e6 5.g4 Lg6 6.Sge2 mit scharfem Spiel - versprochen. :lol:

Zu Aljechin als Weißer:
Schon mal an Vierbauernangriff gedacht? Das ist durchaus theorieintensiv (einige forcierte Varianten) und verspricht taktisch verwickelte Stellungen.


Ansonsten schon mal Kompliment. In letzter Zeit habe ich nur selten so ein theorieintensives wie taktisches Repertoire entdecken dürfen (Halbslawisch/Botvinnik für Schwarz, Königsgambit, off. Sizilianer, Franz. HV etc). Da gibts anfangs bestimmt einige Klatschen gegen die Spezialisten.
Übung macht (glücklicherweise) den Meister. ;)
Thossk
Schachfreund
 
Beiträge: 31
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 19:17
Wertungszahl: < 2300

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Gast » Mi 2. Dez 2009, 15:01

Du kannst ja auch ohne ...Lf5 auskommen (bzw. ohne ...Lg4). Einfach sofort ...e6; das müsste dir als Vollblut-Halbslawisch-Spieler doch einigermaßen entsprechen?!


Könntest du hierzu vllt. ein oder zwei Beispielpartien angeben? Wär echt nett.

Caro-Kann Vorstoß mit g4 werd ich mir mal angucken, sieht ganz interessant aus.

An Vierbauernangriff hatte ich auch schon gedacht, allerdings schien es mir Schwarz einfach " sein Spiel" zu geben und scheint bei gewissen Kentnissen auch Schwarz gutes Spiel zu geben - zumindest enden alle Partien die ich im Vierbauernangriff kenne (meist kommen diese allerdings aus Partiensammlungen und Lehrbüchern, welche einen Angriff gegen das Zentrum demonstrieren sollen und könnten demensprechend einfach unter der Auswahl leiden) mit 0-1 :D Insgesamt schien mir die ganze Sache also mehr kritisch für Weiß als für Schwarz - oder täusche ich mich da?
Gast
 

Re: Repertoirelücken

Beitragvon DerSiedler » Mi 2. Dez 2009, 22:39

Gast hat geschrieben:Dieser h4 scheint eine Betrachtung wert zu sein, wobei sich mir zwei Fragen stellen:

1. Mit welchen Ideen soll die Schwäche des d4 bzw. des Feldes d5 in der h4 h5 c4 Varainte kompensiert werden?
2. Ist das wirklich spielbar, die Ld7 Variaten, in denen der König über f2 nach g2 läuft sahen doch schon recht gewöhnungsbedürftig aus :mrgreen:


Zu 1) Nun ja, wie schon erwähnt erhält Weiß trotz allem Raum am Königsflügel, bezeichnend ist das Feld g5, das wichtiger ist, als es zu sein scheint.
Der d4-Bauer kann schwer belagert werden, und eine auf d5 auftauchende Figur wird sogleich rausgetauscht.

Beispiel:

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h5 5.c4 e6 6.Sc3 dxc4!? 7.Lxc4

Auf den ersten Blick scheint der relativ starke Läufer f5 und der rückständige d-Bauer schwarz einen gewissen Vorteil zu bescheren.
Aber die schwarzen Felder und der Raumnachteil, besonders die von Weiß kontrollierten Felder e5 und g5 sichern Weiß genügend Kompensation.

Weitergehende Gedanken:

*Das Feld e4 wird langfristig ein zentrales Sprungbrett für die weißen Springer werden. Sge2-g3-e4 (e4-d6, e4-g5, e4-c5)
*Ein Läufer auf g5 zwingt Schwarz zu unangenehmen Entscheidungen:
-f6 zu spielen (exf6, gxf6 und eine etwas untypische, aber für Weiß ordentliche Isolaniestellung entsteht)
-Se7 zu spielen, und eine unangenehme Fesselung eingehen.
-Le7 zu spielen, wobei nach Dd2 ein Abtausch auf g5 nichts einbringt und ggfs. Weiß einfach nur die h-Linie öffnet.
-die Dame weg zu spielen, und den Läufer zu ignorieren.
*Wenn der schwarze einen Läufer auf g5 mit Le7 tauscht, ist das Feld d6 sehr anfällig für die weißen Rosse.

Dies sind unter anderem Gründe, wieso Schwarz generell darauf verzichtet auf c4 zu nehmen. Er lässt sich lieber auf d5 nehmen, wobei Weiß damit keine Probleme hat.

Beispiel-Varianten, die wohl am ehesten die weißen Ideen herausfordert:

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h5 5.c4 e6 6.Sc3 dxc4 7.Lxc4 Sd7 8.Lg5! Se7 9.Sge2 f6 10.exf6 gxf6 11.Le3 Sb6 12.Lb3 Sbd5 13.Sg3 Lg4 14.Dd3 Sf5 15.Sxd5 cxd5

Weiß hat ein angenehmes Spiel.


Zu 2) Am Anfang war ich auch skeptisch gegenüber dem spontanen Königsmarsch nach g3. Aber was soll dem König dort passieren? Ich mein, nach Ld7 wird erst h5 gespielt, was das Feld g6 unter Kontrolle nimmt, und ein Läufer auf d3 verhindert dann vorerst, dass irgendwas auf dem Königsflügel passiert.
Der Turm h1 verhindert, dass Schwarz seine Königsbauern mit g6 nebst h5 oder so was opfert, um die h-Linie zu öffnen, oder nimmt der Idee zumindest jegliche Berechtigung.

Um nicht Verwirrung zu stiften:
1.d4 c6 2.e4 d5 3.e5 Lf5 4.h4 h6 5.g4 Ld7 6.h5 c5 7.c3 e6 8.f4 Db6 9.Sf3 Sc6 10.Kf2 f6 11.Kg3 0-0-0 12.a3 c4 13.Sbd2 Kb8 14.b3 cxb3 15.Sxb3 Dc7 16.Ld3 Lc8

DIE Theorie gibt's meistens sowieso nicht, denn das System ist ja eher eine Nebenvariante. Aber zumindest in der genannten Variante nach 16...Lc8 hat Weiß einen guten Vorteil.
DerSiedler
Schachfan
 
Beiträge: 79
Registriert: Do 25. Dez 2008, 15:52

Re: Repertoirelücken

Beitragvon Thossk » Do 3. Dez 2009, 01:08

Gast hat geschrieben:
Du kannst ja auch ohne ...Lf5 auskommen (bzw. ohne ...Lg4). Einfach sofort ...e6; das müsste dir als Vollblut-Halbslawisch-Spieler doch einigermaßen entsprechen?!


Könntest du hierzu vllt. ein oder zwei Beispielpartien angeben? Wär echt nett.


Hier zwei Beispiele, in denen Schwarz recht früh mit ...a5 vorgeht.
Spielt Schwarz hingegen Sachen wie 5...Sbd7, 6...Ld6, 7...0-0 und späterem ...b6, landet er oft in katalanisch-typischen Stellungen, die nicht jedem liegen.









Gast hat geschrieben:An Vierbauernangriff hatte ich auch schon gedacht, allerdings schien es mir Schwarz einfach " sein Spiel" zu geben und scheint bei gewissen Kentnissen auch Schwarz gutes Spiel zu geben - zumindest enden alle Partien die ich im Vierbauernangriff kenne (meist kommen diese allerdings aus Partiensammlungen und Lehrbüchern, welche einen Angriff gegen das Zentrum demonstrieren sollen und könnten demensprechend einfach unter der Auswahl leiden) mit 0-1 :D Insgesamt schien mir die ganze Sache also mehr kritisch für Weiß als für Schwarz - oder täusche ich mich da?

Falls du Interesse hast, schau dir unbedingt Partien von Lenier Dominguez (vielleicht auch noch von David Howell) an.
Die Variante ist ultra-scharf. Hier ein Unter-Abspiel inkl. Opfer:
1.e4 Sf6 2.e5 Sd5 3.d4 d6 4.c4 Sb6 5.f4 dxe5 6.fxe5 Sc6 7.Le3 Lf5 8.Sc3 e6 9.Sf3 Le7 10.d5 exd5 11.cxd5 Sb4 12.Sd4 Ld7 13.e6!? fxe6 14.dxe6 Lc6 15.Dg4 Lh4+ 16.g3 Lxh1 mit unklarer Stellung.

13.Df3 hingegen ist eher für die ruhigen Gemüter und wurde schon von Dominguez bevorzugt. :lol:

Die wenigen Momente, in denen es mal entspannter zugeht, sind nich gerade zahlreich.
Cheparinov-Grunberg, Antalya 2004 ergibt ebenfalls eine lehrreiche Musterpartie aus weißer Sicht.
Thossk
Schachfreund
 
Beiträge: 31
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 19:17
Wertungszahl: < 2300

Nächste

Zurück zu Eröffnung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast