Ich denke ich bin das schlechteste Beispiel, wie man sich ein Eröffnungrepertoir zusammenbaut, dennoch schreib ich mal paar Worte dazu da auch ich mir damit mehr Mühe gemacht habe als mit Grundlegenden Sachen. Nicht weil es besser oder schlechter fürs Schach war, sondern einfach weil es mir Spaß gemacht hat!

Besser wäre natürlich gewesen Taktik und Endspiel zu üben.
Naja also mein Repertoir habe ich nicht mal eben zusammengebaut sondern ist der Abschnitt eines Prozesses von nun über 5 Jahren, seitdem ich mit dem Vereinsschach angefangen habe.
Berücksichtig habe dabei Bücher, Datenbanken, Geschmack, Trainer und Freunde und natürlich eigene Studien.
Herrausgekommen ist ein Kuddelmuddel von Eröffnungen die nach Lehrbuch zueinander einfach mal gar nicht passen. Ich komme in geschlosse, halb-offene oder offene Spiele rein.
Ich habe Eröffnungen die stark positionell ausgerichtet sind und Eröffnungen die ein taktisches gemetztel pur sind. Alles ist drin.

Allerdings habe ich mich dafür entschieden und weiß dass es so ist. Damit lerne ich die verschiedenesten Stellungstypen spielen zu können.
1.Was ich also raten kann ist erstmal sich die Grundgedanken zu überlegen, welche Stellungstypen mag ich spielen?
2.Die zweite überlegung wäre wie viele verschiedene Stellungstypen will ich spielen?
zu 1. Mag man eher positionelle Kämpfe, oder eher Taktische gefechte, oder soll beides ausgeglichen sein? Liegen mir geschlossen, halb-offene oder offene Spiele und was ist mein Ziel in der Eröffnung?
zu 2. Dann kann man sich überlegen wie stark die Eröffnungen zu einander passen, also wie oft man ähnliche Strukturen bekommt.
Spielt man mit Weiß z.B. Colle Zuckertort, dann bekommt man in 43 von 45 Eröffnungen nachezu die gleiche Stellung aufs Brett. Spielt man 1.e4 kann ich alle möglichen Antworten nicht einmal aufzählen. Die gleichen Eröffnungen haben den starken Vorteil fürs Schach, dass man immer tiefer in die Eröffnung eintaucht und diese schnell lernt gut zu spielen, der nachteil ist dass man auf lange Sicht gefahr läuft ein "eingefahrenes Schach" zu spielen. Man könnte sich z.B. dannach vermutlich schwerer auf eine andere Eröffnung umstellen, was man ja aber im normalfall eh nicht will. Ausserdem sucht man immer nach den bekannten "Motiven" in der Stellung und weniger nach neuen unbekannten Wegen.
Also über die Punkte sollte man sich erst Gedanken machen.
Für viele von meinen Eröffnung braucht man ein Eröffnungswissen was um meilen von dem entfernt liegt, was ich darüber weiß. Aber deswegen auf was umsteigen, was ich nicht spielen mag?
Meine Güte, wie oft kommt es vor, das man in der Eröffnung niedergeschmettert wird? Falls es so mal vorkommen sollte, kann man nur daraus lernen.
Wenn mal aber ein vorbereiteter Spieler kommt, habe ich aber die A-karte. Was im moment aber noch recht schwer ist da meine Partien noch in keiner Datenbank zu finden sind, bis auf die von der Schachkiste.
Eine weitere Frage ist, wie viel Eröffnungsarbeit man reinstecken will.
Ich bin nicht "massenkompatibel", also gehe weder auf Mode noch könnte man meinen auf Hauptvarianten drauf. Ich richte mich zwar nicht nach der "Masse" sondern mache mir meine eigene Gedanken. Auch wenn es natürlich vorkommt, dass sich das manchmal mit der "Masse" überschneidet. Aber ich spiele natürlich dann nicht extra was ganz anderes um "Anders" zu sein. Bin ja kein Gruftie.^^
HV (Hauptvariante) oder nicht?
Ich würde sagen, man sollte kein speziell vorbereite ich nenn sie mal "Trickeröffnungen" spielen, also die Eröffnungen wählen, die nur darauf abgezielt sind dass der Gegner sie nicht kennt. Damit kann man zwar einen Höhenflug erleiden, allerdings aber genauso schnell auf die Nase fallen.
Man muss jetzt aber auch nicht gucken, was wird am häufigsten gespielt und was ist Mode? So ist es z.B. absoluter Schwachsinn Najdorf zu spielen, weil es total in Mode ist. Der klassische Sizilianer ist mitunter genausogut und vielleicht sogar eine Stufe interessanter, da noch nicht so durchforschtet wie die Modevariante und vielleicht findet man neue Ideen schneller? Mode wie man weiß kommt und geht übrigens.
Durch die vielen verschiedenen Eröffnungen hätte ich somit eigentlich sehr viel Theo zu lernen, was mache ich also?
Ganz einfach, nix was ich nicht will.

Da es einfach gar nicht lohnen würde die alle zu pauken und ich auch kein Eröffnungbücherwurm bin analysiere ich mir Eröffnungen die ich z.B. gerade mag oder die mich interessieren. Eröffnungen die ich spiele aber mir am A**** vorbeigehen lass ich einfach links liegen. Dadurch dass so viel verschiedenes Spiele und der Gegner eh oft abweicht, macht es auf die Partie nicht den Megaunterschied aus wie tief ich mich mit der eröffnung beschäftigte. So spiele ich in einer Eröffnung die mich nicht interessiert z.B. vielleicht mal eine ander logische Nebenvariatne die einfach viel Theoarbeit aus dem Weg geht und wer weiß ob es wirklich schlechter ist, nur weil nicht in Mode?
Überhaupt ist Eröffnungsarbeit meines Erachtens völlig überbewertet.
Ich denke man sollte es auf Amateurniveau am Besten komplett seinlassen sich vernümpftig entwickeln und dafür nur Schach-Technik lernen. Also positionelle Spiel sowie Taktik und Endspiel bzw Rechenfähigkeit. Das meiste kann man sich dadurch erschließen in der Eröffnung. Jetzt am Sonntag kam ein etwa 2000er gegen mich ans Brett und eröffnet mit Weiß mit
1.d4 2.c4 und 3.a3
Das spricht gegen jede Eröffnungtheorie! Aber ist das deswegen schlecht? Nein, er hat damit einem vielleicht vorbereitetem Spieler alles zunichte gemacht und die Partie einstellen tut der Zug nicht! Ist also meines Erachtens völlig legitim auch wenn sich die Eröffnungpuristen an den Kopf fassen. Im Verlauf der Spiels hat er mich nebenbei völlig damit verdroschen.
Meines Erachtens kannst du ein Schachspiel mit so gut wie allem beginnen das wird das Spiel in den wenigstens fällen entscheiden.
Was das Spiel viel eher entscheiden wird ist das Schachtenechnische können, eine vernümpftige Zeiteinteilung und die psychische und physische Verfassung.
Wenn man aber Spaß dran findet, spricht nichts dagegen sich Eröffnungen durchzustöbern. Schachlich bringt es aber am wenigsten meines Erachtens.
Vorallem: Wenn man sein Spiel zumindest etwas verbessern will dann sollte man beim Eröffnungstraining nicht Züge auswendig lernen, sondern die Strategien und Pläne einer Eröffnung zu verstehen.
Klar wirkt sich die Wahl der Eröffnung komplett auf das Spiel aus und es kann mitunter wirklich Spielentscheidend sein! Es kann sein dass du mit 1.c4 die Partie gewinnen würdest, während du die gleiche Partie mit 1.e4 verlierst. Allerdings ist man als Schachspieler kein Prophet oder kann nicht in die Zukunft blicken. Deswegen reicht es meiner Meinung, wenn man mit irgendwas beginnt. Man hat mit dem einen, wie mit dem anderen Chancen auf den Sieg.
Einen Tip vom GM Jörg Hickl möchte ich allerdings noch auf den Weg geben, und zwar rät er dringend gegen das "Eröffnungsswitching" bzw "Eröffnungshopping". Also zwischen verschiedenen Eröffnungen zu wechseln. Man sollte dies auch nicht tun, wenn man sich gegen einen Spieler vorbereitet. Es bringt einem fürs eigene Schach mehr, die Stellungen zu spielen und zu üben, die man im Reperotoir hat.
Das Buch "Aufbau eines Eröffnungsrepertoirs" von Steve Giddings
kann ich im übrigen
gar nicht empfehlen. Es hat mich mehr durcheinander gebracht, als das es mir was geholfen hat.
Schach ist nunmal nicht so schemenhaft, wie manche es gerne hätten.
"We are more often treacherous through weakness than through calculation." (Francois De La Rochefoucauld)
"To learn something new, take the path that you took yesterday." (John Burroughs)