Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Der Patzer » So 16. Jan 2011, 05:48

Liebe Schachfreunde!

Nach längerer Pause will ich mich nun wieder dem königlichen Spiel zuwenden und mir bei dieser Gelegenheit auch gleich ein neues Eröffnungsrepertoire zulegen. Wie gehe ich da am besten vor?

Da mich das neue Repertoire für den Rest meines Schachlebens begleiten soll, kommen nur beste Züge in Frage. Aber wie findet man die? :?

Um nicht missverstanden zu werden: ich will keine konkreten Vorschläge, welche Züge ich spielen soll, sondern möchte nur wissen, wie ich sie mir methodisch erarbeiten kann. Dabei interessieren mich besonders folgende Themen:

Literatur: Ist es empfehlenswert, sich eine Gesamtdarstellung der Schacheröffnungen (z.B.: Konikowski, Schnellkurs der Schacheröffnungen -Theorie-) zuzulegen? Oder ist das entbehrlich? Und wie arbeite ich ggf. am besten mit so einem Buch im Zusammenhang mit dem Aufbau (m)eines Repertoires?
Nicht anschaffen werde ich mir Monographien zu einzelnen Eröffnungen, denn das macht bei meiner Spielstärke (Hobbyspieler) keinen Sinn. Von sogenannten Repertoirebüchern halte ich ebenfalls nichts, denn ich mag nichts Vorgekautes!

Schachprogramme: Wie kann ich bei der Arbeit am Repertoire Schachprogramme bzw. Datenbanken sinnvoll einsetzen? Mit wie vielen Partien muss eine Stellung im Eröffnungsbuch des Programms vertreten sein, damit sie noch als relevant gelten kann (der Arbeitsaufwand muss zu bewältigen sein, andererseits darf nichts wichtiges fehlen)?
Und worauf muss ich bei der Wahl meines 'Antwortzuges' achten? Ist der (in GM-Partien) häufigste Zug der beste oder der mit höchsten Erfolgsquote?
Soll ich vielleicht lieber ganz auf die Statistik pfeifen und stattdessen dem 'unbestechlichen' Urteil der Engine folgen (und wenn ja: ab welcher Suchtiefe sind da brauchbare Ergebnisse zu erwarten)? Oder ist das Quatsch?

Gibt es sonst noch etwas Wichtiges, das ich unbedingt beachten muss?

Auf eure hilfreichen Tipps und lustigen Erfahrungsberichte bin ich gespannt!

LG
Der Patzer
Der Patzer
Kiebitz
 
Beiträge: 4
Registriert: Sa 15. Jan 2011, 05:49

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Jupp53 » So 16. Jan 2011, 11:53

Wenn du Englisch halbwegs flüssig liest, dann ist diese Diskussion aus einem anderen Forum voller Anregungen zu Deiner Frage:

http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1254154718

Der Aufbau eines Eröffnungsrepertoires ist eine Lebensaufgabe und m.E. bei weitem nicht das Wichtigste. Taktik und Endspiele bringen mehr.

Beleg:

Über die Weihnachtstage habe ich an einer Variante in meinem Repertoire gearbeitet, mit Schwarz: 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sc3 Sc6 4.Lb4 Sd4 (Rubinstein-Variante im VierSpringerSpiel) 5.Lc4



Das war die Ausgangsstellung, die mir ein starker Spieler in einer enginefreien Fernpartie vorsetzte. Mein Entschluss, mich in die Rubinstein-Variante einzuarbeiten, ist erst ein halbes Jahr alt und das war meine erste Partie damit. Meine Literatur dazu war Emms 1.e4 e5! und eine gut kommentierte GM-Partie mit Hinweisen auf weitere Partien. Insgesamt habe ich netto 10 Stunden in die Vorbereitung der nächsten Züge gesteckt. Es gab eine Menge Material. Danach spielte ich

5. - Lc5 (hier sind 5. - Sxf3 und 5. - d6 von Großmeistern gespielt worden. Die Stellungen erschienen mir allerdings zu passiv.)
6. Sxe5 De7
7. Sf3 (Einschläge auf f7 sind gut für Schwarz. Das muss aber erst einmal überprüft werden und kostete ein paar der 10 Stunden.)
7. - d5 (Das war der Zug, der mir 5. - Lc5 attraktiv machte. Leider ...)
8. Lxd5 Sxd5 (... hatte ich in dieser Stellung ...)



(... den im Buch und den Anmerkungen nicht vorkommenden natürlichen Zug ...)
9. Sxd4! (... glatt verschlafen.) :o
9. - Sxc3
10. dxc3 Dxe4 11. De2 Dx2 12. Kxe2 ( ist die weitere Fortsetzung und wohl noch das Beste für Schwarz. Jetzt kann ich also mit Läuferpaar gegen Doppel-Mehrbauern den Rest der Partie beginnend mit 12. - Ld7 nebst 0-0-0 ums Remis kämpfen.)



9. Sxd4 kommt in meiner 4 Mio. Partien Datenbank nicht vor, ist vielleicht eine Neuerung und liegt doch klar auf der Hand. Weiß spielt auf 2 Ergebnisse (Sieg und Remis) und all die schönen Gambitvarianten nach 7. - d5 lösen sich in Luft auf. Gründlichere Überprüfung und besseres taktisches Gespür hätten mir das erspart. :oops:

Die Beschäftigung mit den Partien war sicher sinnvoll und lehrreich - aber die Überlegungen zu dem Teil des Repertoires sind wohl noch lange nicht abgeschlossen. :roll:
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

Fußball ist nicht nur Dong. Es ist Ding-Dang-Dong. (G. Trappatoni)
Benutzeravatar
Jupp53
Schachprofi
 
Beiträge: 886
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 17:16
Wertungszahl: Deine Zahl Minus 300

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Der Patzer » So 16. Jan 2011, 22:34

@ Jupp53:

Danke für den interessanten Link. auch wenn der dortige Thread wohl nur halb zum Thema passt!

Ich bin übrigens ebenfalls der Meinung, dass Taktik und Endspiele wichtiger sind. Ganz vernachlässigen möchte ich aber auch die Eröffnung nicht.
Der Patzer
Kiebitz
 
Beiträge: 4
Registriert: Sa 15. Jan 2011, 05:49

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon JerryCotton » So 16. Jan 2011, 23:02

Ich beschreibe mal grob das Vorgehen, dass ich für Sinnvoll halte:
1. Findungsphase: Durch Analyse von Partien und Spielversuche ohne Theoriewissen, eine gefällige Eröffnung finden.
2. Trainingsmaterial: Ein passendes Buch lesen die Varianten in einer DB speichern.
Diese Datenbank anschließend mit einem Programm wie dem kostenlosen htp://www.chesspositiontrainer.com trainieren.
3. Antesten im Blitz: Mit dem gewonnenen Wissen eine Zeit blitzen um zu ermitteln, wo das Repertoire häufiger auftauchende Lücken hat.
4. Diese Lücken mit Hilfe von Datenbanken, Engines und Engineeröffnungsbüchern stopfen.
5. Praktische Anwendung OTB.
"So ist Fussball, manchmal gewinnt der bessere." (dürfte auch fürs Schach gelten :))
Lukas Podolski
JerryCotton
Schachprofi
 
Beiträge: 725
Registriert: Fr 26. Dez 2008, 20:40

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Stratege » So 16. Jan 2011, 23:05

Ich verstehe deinen Anspruch ans Repertoire nicht. Du willst dir mit Datenbank und Eröffnungsbuch des Schachprogramms ein Repertoire aus "besten" Zügen erarbeiten, hälst dich aber zu schwach für Bücher zu einzelnen Eröffnungen?

Sicherlich wird es Bücher geben, die man höchstens genauso gut versteht wie eine Datenbank mit nackten Zügen, aber in vielen Büchern bekommt man gute Erläuterungen, WARUM ein Zug gut oder schlecht ist.

So wie du es hier schreibst baust du dir wohl ein Repertoire eines Spitzengroßmeisters zusammen, das du so gut wie gar nicht verstehst.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
Stratege
Administrator
 
Beiträge: 946
Registriert: Do 18. Dez 2008, 03:02
Wohnort: Münsterland
Wertungszahl: > 1600 DWZ

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Andrzej » Mo 17. Jan 2011, 13:18

Ich denke ich bin das schlechteste Beispiel, wie man sich ein Eröffnungrepertoir zusammenbaut, dennoch schreib ich mal paar Worte dazu da auch ich mir damit mehr Mühe gemacht habe als mit Grundlegenden Sachen. Nicht weil es besser oder schlechter fürs Schach war, sondern einfach weil es mir Spaß gemacht hat! :-)
Besser wäre natürlich gewesen Taktik und Endspiel zu üben.

Naja also mein Repertoir habe ich nicht mal eben zusammengebaut sondern ist der Abschnitt eines Prozesses von nun über 5 Jahren, seitdem ich mit dem Vereinsschach angefangen habe.
Berücksichtig habe dabei Bücher, Datenbanken, Geschmack, Trainer und Freunde und natürlich eigene Studien.

Herrausgekommen ist ein Kuddelmuddel von Eröffnungen die nach Lehrbuch zueinander einfach mal gar nicht passen. Ich komme in geschlosse, halb-offene oder offene Spiele rein.
Ich habe Eröffnungen die stark positionell ausgerichtet sind und Eröffnungen die ein taktisches gemetztel pur sind. Alles ist drin. :)
Allerdings habe ich mich dafür entschieden und weiß dass es so ist. Damit lerne ich die verschiedenesten Stellungstypen spielen zu können.

1.Was ich also raten kann ist erstmal sich die Grundgedanken zu überlegen, welche Stellungstypen mag ich spielen?
2.Die zweite überlegung wäre wie viele verschiedene Stellungstypen will ich spielen?
zu 1. Mag man eher positionelle Kämpfe, oder eher Taktische gefechte, oder soll beides ausgeglichen sein? Liegen mir geschlossen, halb-offene oder offene Spiele und was ist mein Ziel in der Eröffnung?
zu 2. Dann kann man sich überlegen wie stark die Eröffnungen zu einander passen, also wie oft man ähnliche Strukturen bekommt.
Spielt man mit Weiß z.B. Colle Zuckertort, dann bekommt man in 43 von 45 Eröffnungen nachezu die gleiche Stellung aufs Brett. Spielt man 1.e4 kann ich alle möglichen Antworten nicht einmal aufzählen. Die gleichen Eröffnungen haben den starken Vorteil fürs Schach, dass man immer tiefer in die Eröffnung eintaucht und diese schnell lernt gut zu spielen, der nachteil ist dass man auf lange Sicht gefahr läuft ein "eingefahrenes Schach" zu spielen. Man könnte sich z.B. dannach vermutlich schwerer auf eine andere Eröffnung umstellen, was man ja aber im normalfall eh nicht will. Ausserdem sucht man immer nach den bekannten "Motiven" in der Stellung und weniger nach neuen unbekannten Wegen.

Also über die Punkte sollte man sich erst Gedanken machen.



Für viele von meinen Eröffnung braucht man ein Eröffnungswissen was um meilen von dem entfernt liegt, was ich darüber weiß. Aber deswegen auf was umsteigen, was ich nicht spielen mag?
Meine Güte, wie oft kommt es vor, das man in der Eröffnung niedergeschmettert wird? Falls es so mal vorkommen sollte, kann man nur daraus lernen.
Wenn mal aber ein vorbereiteter Spieler kommt, habe ich aber die A-karte. Was im moment aber noch recht schwer ist da meine Partien noch in keiner Datenbank zu finden sind, bis auf die von der Schachkiste.
Eine weitere Frage ist, wie viel Eröffnungsarbeit man reinstecken will.
Ich bin nicht "massenkompatibel", also gehe weder auf Mode noch könnte man meinen auf Hauptvarianten drauf. Ich richte mich zwar nicht nach der "Masse" sondern mache mir meine eigene Gedanken. Auch wenn es natürlich vorkommt, dass sich das manchmal mit der "Masse" überschneidet. Aber ich spiele natürlich dann nicht extra was ganz anderes um "Anders" zu sein. Bin ja kein Gruftie.^^

HV (Hauptvariante) oder nicht?

Ich würde sagen, man sollte kein speziell vorbereite ich nenn sie mal "Trickeröffnungen" spielen, also die Eröffnungen wählen, die nur darauf abgezielt sind dass der Gegner sie nicht kennt. Damit kann man zwar einen Höhenflug erleiden, allerdings aber genauso schnell auf die Nase fallen.
Man muss jetzt aber auch nicht gucken, was wird am häufigsten gespielt und was ist Mode? So ist es z.B. absoluter Schwachsinn Najdorf zu spielen, weil es total in Mode ist. Der klassische Sizilianer ist mitunter genausogut und vielleicht sogar eine Stufe interessanter, da noch nicht so durchforschtet wie die Modevariante und vielleicht findet man neue Ideen schneller? Mode wie man weiß kommt und geht übrigens.

Durch die vielen verschiedenen Eröffnungen hätte ich somit eigentlich sehr viel Theo zu lernen, was mache ich also?
Ganz einfach, nix was ich nicht will. :-) Da es einfach gar nicht lohnen würde die alle zu pauken und ich auch kein Eröffnungbücherwurm bin analysiere ich mir Eröffnungen die ich z.B. gerade mag oder die mich interessieren. Eröffnungen die ich spiele aber mir am A**** vorbeigehen lass ich einfach links liegen. Dadurch dass so viel verschiedenes Spiele und der Gegner eh oft abweicht, macht es auf die Partie nicht den Megaunterschied aus wie tief ich mich mit der eröffnung beschäftigte. So spiele ich in einer Eröffnung die mich nicht interessiert z.B. vielleicht mal eine ander logische Nebenvariatne die einfach viel Theoarbeit aus dem Weg geht und wer weiß ob es wirklich schlechter ist, nur weil nicht in Mode?

Überhaupt ist Eröffnungsarbeit meines Erachtens völlig überbewertet.
Ich denke man sollte es auf Amateurniveau am Besten komplett seinlassen sich vernümpftig entwickeln und dafür nur Schach-Technik lernen. Also positionelle Spiel sowie Taktik und Endspiel bzw Rechenfähigkeit. Das meiste kann man sich dadurch erschließen in der Eröffnung. Jetzt am Sonntag kam ein etwa 2000er gegen mich ans Brett und eröffnet mit Weiß mit
1.d4 2.c4 und 3.a3
Das spricht gegen jede Eröffnungtheorie! Aber ist das deswegen schlecht? Nein, er hat damit einem vielleicht vorbereitetem Spieler alles zunichte gemacht und die Partie einstellen tut der Zug nicht! Ist also meines Erachtens völlig legitim auch wenn sich die Eröffnungpuristen an den Kopf fassen. Im Verlauf der Spiels hat er mich nebenbei völlig damit verdroschen.
Meines Erachtens kannst du ein Schachspiel mit so gut wie allem beginnen das wird das Spiel in den wenigstens fällen entscheiden.
Was das Spiel viel eher entscheiden wird ist das Schachtenechnische können, eine vernümpftige Zeiteinteilung und die psychische und physische Verfassung.

Wenn man aber Spaß dran findet, spricht nichts dagegen sich Eröffnungen durchzustöbern. Schachlich bringt es aber am wenigsten meines Erachtens.
Vorallem: Wenn man sein Spiel zumindest etwas verbessern will dann sollte man beim Eröffnungstraining nicht Züge auswendig lernen, sondern die Strategien und Pläne einer Eröffnung zu verstehen.
Klar wirkt sich die Wahl der Eröffnung komplett auf das Spiel aus und es kann mitunter wirklich Spielentscheidend sein! Es kann sein dass du mit 1.c4 die Partie gewinnen würdest, während du die gleiche Partie mit 1.e4 verlierst. Allerdings ist man als Schachspieler kein Prophet oder kann nicht in die Zukunft blicken. Deswegen reicht es meiner Meinung, wenn man mit irgendwas beginnt. Man hat mit dem einen, wie mit dem anderen Chancen auf den Sieg.

Einen Tip vom GM Jörg Hickl möchte ich allerdings noch auf den Weg geben, und zwar rät er dringend gegen das "Eröffnungsswitching" bzw "Eröffnungshopping". Also zwischen verschiedenen Eröffnungen zu wechseln. Man sollte dies auch nicht tun, wenn man sich gegen einen Spieler vorbereitet. Es bringt einem fürs eigene Schach mehr, die Stellungen zu spielen und zu üben, die man im Reperotoir hat.

Das Buch "Aufbau eines Eröffnungsrepertoirs" von Steve Giddings
kann ich im übrigen gar nicht empfehlen. Es hat mich mehr durcheinander gebracht, als das es mir was geholfen hat.
Schach ist nunmal nicht so schemenhaft, wie manche es gerne hätten.
"We are more often treacherous through weakness than through calculation." (Francois De La Rochefoucauld)

"To learn something new, take the path that you took yesterday." (John Burroughs)
Benutzeravatar
Andrzej
Schachexperte
 
Beiträge: 213
Registriert: Di 25. Aug 2009, 14:02
Wohnort: Rheinland-Westfalen
Wertungszahl: Nicht nur irgendeine!

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Lestat » Mo 17. Jan 2011, 15:27

Ich verstehe nicht genau was gegen ein repertoir-buch spricht. Das schöne daran ist, dass sich der autor seine gedanken darüber gemacht hat und es von daher in sich stimmig ist. Solche repertoir-bücher werden übrigens auch von titelträger benutzt, IM Greg Shahade (curtains aus chessvideos.tv) basiert sein schwarz-repertoir auf Dzindzi's buch (beschl. drachen + Nimzo + Bogo indisch), und als er einmal auf 1.e4 e5 umsteigen wollte, hat er sich das repertoir-buch von marin gekauft.

Ich habe die erfahrung gemacht dass die kombination video + buch für mich ideal ist. So spiele ich gegen 1.d4 die tarrasch-verteidigung, ich habe die chessbase-dvd von Nigel Davies dazu und Keilhack's Tarrasch-"Bibel", um die ideen der eröffnung zu verstehen habe ich mir die partien per video angeschaut, falls ich was von der theorie nachschlagen will benutze ich keilhack's buch und/oder eine datenbank.

Spielt man mit Weiß z.B. Colle Zuckertort, dann bekommt man in 43 von 45 Eröffnungen nachezu die gleiche Stellung aufs Brett.

Dem kann ich nicht zustimmen. natürlich gibt es spieler, die spielen 1.d4 2.Nf3 3.e3, 4.Bd3, 5.b3, 6.0-0, 7.Bb2, 8.Nbd2 gegen alles, aber genauso gibt es 1.e4-spieler, die gegen jeden sizilianer 1.e4 2.Nf3 3.d4 4.Nxd4 5.Nc3 6.Be3 7.f3 8.Qd2 9.0-0-0 spielen. Dass sowas nicht sonderlich gut ist, liegt auf der hand, aber da kommt es wirklich nicht auf die eröffnung drauf an. Die meisten C-Z spieler besitzen aber wohl summerscale's oder palliser's buch, und beide sind da schon viel differenzierter. Ich als C-Z spieler kann dir sagen dass ich mehr 150-angriff-pircs auf dem brett habe als colle zukertorts, und mindestens gleich viele e3-slaven wie C-Z. der C-Z aufbau spiele ich nur, falls schwarz d5, Nf6 und e6 spielt ohne seinen läufer ausserhalb der bauernkette hinzustellen.
e^(i*pi) + 1 = 0

What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
Benutzeravatar
Lestat
Moderator
 
Beiträge: 460
Registriert: Do 18. Dez 2008, 12:01
Wohnort: Lausanne
Wertungszahl: CH-ELO 1878, FIDE-ELO 1893

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Andrzej » Mo 17. Jan 2011, 16:11

Lestat hat geschrieben:Ich verstehe nicht genau was gegen ein repertoir-buch spricht. Das schöne daran ist, dass sich der autor seine gedanken darüber gemacht hat und es von daher in sich stimmig ist. [...]


In dem Buch von Steve Giddings stellt der Autor kein Repertoire zusammen, sondern geht auf Ideen ein die zu beachten sind, wenn man sich ein Repertoir zusammenbaut.
Mit hat es jedoch nicht geholfen.
Im Caro-Kann spiele ich großteils auch nach dem Buch von Jovanka Houska, spreche mich also gar nicht gegen die Repertoirbücher aus.
Denke jeder kann sein Rep so zusammenbauen, wie er lust hat. Allerdings könnte es ebenso Spaß machen ein eigenes Repertoir zusammenzustellen und nach neuen Wegen zu suchen, anstatt ein Vorhandenes zu adaptieren. Muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Hilfsmittel er benutzen will und welche nicht.


zum thema C-Z:
Als C-Z Spieler weißt du sicherlich mehr über die Eröffnung als ich. Ich habe dies jedoch nur als Beispiel genommen um meine Aussage zu veranschaulichen. Dabei habe ich mich auf die Aussage eines guten Amateur-C-Z Spielers gestütz, der über seine Gründe gesprochen hat, diese Eröffnung gewählt zu haben.
"We are more often treacherous through weakness than through calculation." (Francois De La Rochefoucauld)

"To learn something new, take the path that you took yesterday." (John Burroughs)
Benutzeravatar
Andrzej
Schachexperte
 
Beiträge: 213
Registriert: Di 25. Aug 2009, 14:02
Wohnort: Rheinland-Westfalen
Wertungszahl: Nicht nur irgendeine!

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Jupp53 » Mo 17. Jan 2011, 17:20

Ein Repertoire-Buch hat den Vorteil: Man kann Nachschlagen.

Andrzeijs Erfahrung mit Steve Giddins Buch und meine gegenteilige gute Erfahrung lassen sich wahrscheinlich mit einem Spielstärkeunterschied erklären - unter 1600 und über 1600. Giddins' Buch gibt keine Eröffnungstipps, es gibt Methoden an, wie man sich an ein Repertoire anpirscht. Dabei sind eher Spieler mit 2000+ angesprochen. Die Frage hier wird - wenn ich das richtig verstanden habe - von einem über die Anfangsgründe herausgekommenen Spieler gestellt, der vom Vereinsschnitt noch ein Stück entfernt ist. Da stellt sich die Frage völlig anders, als in dem erwähnten Buch.

Zuerst einmal zwei Prämissen:
"Stil? Ich habe keinen Stil." A. Karpow
"Lernen muss Freude machen." (Da hätte ich fast Spaß geschrieben. :oops: Man beachte bitte den feinen, aber enorm wichtigen Unterschied!)

Die erste Prämisse weist darauf hin, dass Können und Wissen zuerst kommen. Die zweite weist darauf hin, dass die hier Postenden (und Lesenden) in der Regel keine GMs werden. Es geht also um Freude bei einem Hobby. Und da darf man die persönlichen Vorlieben nicht vergessen.

Daraus abgeleitet ein paar Überlegungen:

- Will man sich schachlich weiterentwickeln?

Wenn ja, dann sollte man 1.e4 und 1.e4 e5 spielen. Offene Stellungen können sich aus halboffenen und geschlossenen Stellungen entwickeln und sind damit das A und O des Positions- und Kombinationsspiels, bis eine gewisse Spielstärke erreicht ist. Auf 1.d4 sind dann mehrere Antworten denkbar. {Eine kleine Anekdote: in "Meine 100 besten Partien 1908-1923" schreibt Aljechin, dass er in der Partie Moskau 1914 gegen Em. Lasker noch nicht weit genug entwickelt fühlte, um gegen den großen alten Mann 1.d4 zu spielen.}

Stimmt man dieser Überlegung zu, dann sollte sich der Lernende zwei Bücher anschaffen: Eine Einführung in die Eröffnungen, wie Fundamental Chess Openings oder ausführlicher die passenden Bände aus dem vierbändigen Werk von Watson. Hat man hieraus die Prinzipien des Eröffnungsspiels gelernt, dann sollte ein einbändiges Übersichtswerk mit Tabellen zum Nachschlagen folgen, um das Repertoire zu vertiefen.

- Will man auf dem vorhandenen Niveau Spass mit Freunden/Bekannten am Spiel haben und ansonsten seine Ruhe?

Dann sollte man sich irgendetwas Passendes mit Weiß und Schwarz suchen, das universell spielbar ist. Da ist die Auswahl groß: 1.b4 - Zuckertort - London - Bird und mit Schwarz Fianchetto-Aufbauten gegen Alles.

Über eins sollte man sich unbedingt klar sein: Gegen Spieler unter 1600 trifft man nicht auf die führenden Theoretiker. Eher sollte man wissen, wie man 1.e4 f6? beantwortet, als sich mit irgendwelchen Neuerungen im 13.Zug irgendeines Sizilianers herumzuschlagen. Das kommt dann beim Kampf um die FM-Normen auf einen zu (oder im Fernschach ab 1800+).
Mein Schachblog: http://patzer53.wordpress.com

Fußball ist nicht nur Dong. Es ist Ding-Dang-Dong. (G. Trappatoni)
Benutzeravatar
Jupp53
Schachprofi
 
Beiträge: 886
Registriert: Fr 19. Dez 2008, 17:16
Wertungszahl: Deine Zahl Minus 300

Re: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Beitragvon Riddler » Di 18. Jan 2011, 01:13

Wenn ja, dann sollte man 1.e4 und 1.e4 e5 spielen. Offene Stellungen können sich aus halboffenen und geschlossenen Stellungen entwickeln und sind damit das A und O des Positions- und Kombinationsspiels, bis eine gewisse Spielstärke erreicht ist. Auf 1.d4 sind dann mehrere Antworten denkbar.


Hmpf!
Ich spiele zwar 1. e4, aber niemals 1. e4 e5. Bin ich ein hoffnungsloser Fall? :D

Nee, mal ernsthaft:
Der Satz klingt ziemlich kategorisch. Ohne jetzt zu sehr ins offtopic rutschen oder den thread hijacken zu wollen: ist das Deine persönliche Einschätzung, oder stützt Du dich da auf irgendeine "Schule" oder allgemeine Lehrmeinung? Vielleicht wäre diese Frage eher eine eigenen thread wert. Falls sich also ein Mod bemüßigt fühlt, die Themen auseinander zu reißen, um dem armen threadstarter nicht seinen thread zu versauen, dann nur zu! :)
Wake up the Dying
Don´t wake up the Dead
Change what you´re saying
Don´t change what you said

~Eels~
Benutzeravatar
Riddler
Schachexperte
 
Beiträge: 239
Registriert: Sa 8. Aug 2009, 10:34
Wohnort: aix la chapelle

Nächste

Zurück zu Eröffnung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste