Turmendspiel mit einigen Patzern

Schulung der Endspieltechnik.

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Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon Stratege » So 21. Jun 2009, 20:15

Hallo Trainer, Hallo interessierte Forennutzer,

Folgende Stellung erreichte ich vorhin in der Teamleague-Partie. Ich führte die Schwarzen Steine und war am Zug:
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Frage 1: War der Abtausch ins Turmendspiel mit 23... Txe3 24. Dxe3 Dxe3 25. fxe3 Te8 richtig?
Frage 2: Wo waren die Fehler im weiteren Verlauf der Partie? (komplette Partie im Anhang)


Zwei Dinge, die JerryCotton schon entdeckt hat. Damit ihr auch euren Spaß habt, als Aufgaben:

Stellung nach 63. Kd4:
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Schwarz hätte Remis halten können. Wie?

Stellung nach 67... Kb1:
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Weiß hätte gewinnen können, wie?
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Re: Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon JerryCotton » So 21. Jun 2009, 20:28

Zunächst zur Ausgangsfrage, ob der Abtausch gut war.
Ich denke die Frage ist unnötig. Wenn du nicht abtauscht überlässt du Weiß die einzige offene Linie und stehst schlechter.
Den weiteren Kommentar und die Lösung der Aufgaben überlasse ich den Endspielexperten.
Ich habe mich beim Entdecken auf das beobachten von Craftys bewertungsfunktion beschränkt ;)
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Re: Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon elvis » So 21. Jun 2009, 21:19

Zum 23. Zug / @ JerryCotton:
Ich denke, es gab die Alternative 23... Te7. Danach muss Weiß entscheiden, ob er Damen und Türme abtauschen und ins reine Bauernendspiel übergehen will, oder die Spannung auf der e-Linie offen halten.
Was besser ist, kann ich auf die Schnelle nicht sagen.

Dafür zwei Kurzschüsse zu den "Aufgaben":
63.Kd4 a4 64.Txa4 Kc2 und dann falls 65.Tc4+ Kd2!
67...Kb1 68.Tb4! Kc1 69.Ka2 bzw. 68... Ka1 69.Kc2
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Re: Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon JerryCotton » Mo 22. Jun 2009, 03:27

Zu Te7: Stimmt elvis. Für mich steht jedenfalls fest das objektiv beides Remis ist. Aber vielleicht gibt es kleine Nuancen die es in der einen Variante leichter machen oder umgekehrt.
Zu deinen Lösungen: Beides ist richtig ;) nur hättest du dir bei Tb4 das ! schenken können.
Es gibt neben diesem Zug noch die Züge Tc5,Tc6 Tc7 Tc8 die wahrscheinlich schneller sind als dein Vorschlag.
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Re: Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon stoppelhoppler » Mo 22. Jun 2009, 10:05

Zu Diagramm 2: Themennachtrag "shouldering" gemäß Elvis Variante
Zu Diagramm 3: Von den möglichen Turmzügen gewinnen wohl nur Tc2 und Tc3 nicht.
Ich hätte wohl die weiträumige Lösung 68. Th4 Ka1, 69. Ta4+ Kb1, 70. Ta2 +- gewählt.

Der Abtausch im 23. Zug führt imo zu einem gleichstehenden Turmendspiel. Den Ausdruck remisig wähle ich sicherheitshalber seltener, weil er das Ergebnis irgendwie impliziert, aber auf dem Weg dahin doch noch einiges passieren kann.

Zur Partie als Einwürfe:

Vor dem 23.Zug: In einer Turnierpartie mit ausreichend Bedenkzeit hätte ich mir als Schwarzer ernsthafte Gedanken gemacht, ob ich meinen weißfeldrigen Läufer gegen den Springer abtausche.
Jedenfalls hätte ich daran "gearbeitet", ob ich diesen auf der langen Diagonalen im Einsatz gegen die schon leicht luftige weiße Königsstellung behalten kann.
Wahrscheinlich plant weiß 22. c4 mit Abdrängen des Läufers (21... b5, 22. b3 schiebt es nur hinaus). Nicht ganz einfach - hier müssen wirklich größere Meister des Positionspiels ran - 21. ... f5 mit Einsteigen auf e4 siehr sehr verpflichtend aus, weil f2-f3 durch Weiß doch mal spielbar erscheint. Vielleicht war sogar 20. ... Ld5 zu früh. Auf e3 steht der Springer zwar optisch sehr schön, doch versperrt er dann die e-Linie, so daß Schwarz sie eventuell in Besitz nehmen kann.

Weitere Folge:

Um das remis sicherzustellen denke ich an 53. ... Kc5, 54. Txd3 b5 (53. ... Kc6 bleibt noch hinten kleben!).
Auch 56. ... Kc5 (bzw. Kd5! wehrt ebenfalls Te6+-g6 ab), 57. Te5+ Kd4 scheint mir für diesen Fall konsequenter.
58. ... Kd5 ("shouldering" sieht auf jeden Fall besser aus als Kb5)
62. ... Kb2 - ieser Gewinnversuch wäre mir bei wenig Zeit zu heiß, 62. ... Kd2 sieht nach einfachem remis aus

63. ... Kb1?(?) siehe Diagramm 2 und die Rettung

Offen bleibt jetzt noch bei mir, wo der Schwarze in gewissen Nachteil geriet.
Jupps Hinweis ist sicherlich berechtigt: Der Turm ist als simpler Blockeur auf e4 zu schade und gerät außer Spiel.
Für Weiß ist auch das Festlegen mit 34. h5 eine Option, weil danach b7, d5, f5, g7 für mich schwächer als a2, e3, g3, h5 aussehen.

39. ... Te7 - Warum nicht 39. ... g4+?
An dieser Stelle stellt sich für mich die Frage an Strat: Spielst Du jetzt und in der Folge auf Lavieren mit der Hoffnung auf Gewinnmöglichkeiten oder willst Du sicher zunächst ein remis abfedern? Ich bin mir da unschlüssig, was Deine Absichten für den Spielverlauf waren.
Zuletzt geändert von stoppelhoppler am Mo 22. Jun 2009, 12:14, insgesamt 5-mal geändert.
Der Chat, der Chat hat nicht immer Recht.
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Re: Turmendspiel mit einigen Patzern

Beitragvon Jupp53 » Mo 22. Jun 2009, 10:29

Das Turmendspiel ist für mich erschöpfend behandelt.

Zum Übergang - die Stellung ist ausgeglichen mit einer weißen Schwäche auf f3. Wenn Du jetzt d5 und f5 spielst, brauchst Du den Turm nicht nach e4 zu ziehen. 25. - f5 wäre eine Alternative.

Bild

Diese Stellung ergibt sich z.B. nach 25...f5 26.Kf3 d5 27.Kf4 g6 28.Kg5 Kg7 29.h4 h6+ 30.Kf4 Kf6. Die Variante soll nur belegen, dass Schwarz hier Zeit hat, seinen König zu aktivieren, wenn Weiß kein aktives Gegenspiel mit Öffnen einer Linie sucht. 25. - f5! erscheint mit also besser. Bei 25. - d5 geht 26.Tc1 Te8 27.Kf3 nebst 28.c4 (dafür Tc1).

Als Idee also 25. - f5 26.Tf1 g6 und jetzt Te8 nebst Kf7-f6 und evtl Öffnung einer Linie duch Schwarz, um die Schaffung einer zweiten Schwäche bei Weiß anzustreben.
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