T+2B vs L + 2B

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T+2B vs L + 2B

Beitragvon Lestat » Do 6. Dez 2012, 14:37


In dieser stellung spielte ich (schwarz):
Rxa2+ 32.Rxa2 Rxa2+ 33.Kb1 Ra6 34.Bc5 Bxc5 35.Rxa6 Bxf2
und erreichte folgendes endspiel:

ist das haltbar mit schwarz? Bei mir ging es so weiter:

36.Kc2 Kf7 37.Kd3 Bh4 38.Ke4 Bf6 39.Kf4 Bd8 40.g4 Bc7+ 41.Kf5 Bxh2
42.Ra7+ Kg8 43.Ke6 h6 44.Ra8+ Kh7 45.Kf7 Bf4 46.Ra6 Bg5 47.Rg6 Bf6 48.Rxf6 gxf6
49.Kxf6 h5 50.gxh5 1/2-1/2
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon Orang_Utan » Do 6. Dez 2012, 14:51

Da ja selbst die Formation f5+g6+h5 mit beliebigem L vs. f4+g3+h4 plus T verloren scheint (g4+f5/h5, Musterpartie müsste dem Vater Pribyl sein), halte ich 3B+L vs. 3B+T für fast immer verloren. Es sind einfach noch zu viele Bauern da, um auf etwas ala Khenkin-Bartel (L vs. T+Randbauer) zu hoffen. In ähnlicher Form würde ich das auch für das Endspiel mit je 2B vermuten.

In deiner Partie ergibt sich zusätzlich das Problem des falschen Läufers. Du könntest gar nicht in eine Stellung Khenkin-Bartel kommen. Weiß sollte hier v.a. den Turm auf der 7. Reihe lassen, um deinen König einzusperren. Ihn mittels Kf8, Le7, Kf7 zu "aktivieren" kostet Zeit und ergibt eine unangenehme Fesselung. Kh7-g6 erfordert einen Bauernzug, was für Weiß wünschenswert ist. Selbst sollte der Anziehende die eigenen Bauern erstmal soweit hinten wie möglich lassen, denn Bauern und Zähne kommen bekanntlich nicht zurück, und den König aktivieren. Bauerntausch ist für Weiß möglichst zu vermeiden, wie es bei Materialvorteil üblich ist.
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon stoppelhoppler » Do 6. Dez 2012, 18:15

Dworetsky gibt in der Endspieluni Auskunft.
Awerbach in Lehrbuch der Endspiele Bd.2 (4. Auflage: #513)

Schwarze Bauernformation g6-h5, Läufer bewacht die schwarzen Felder. "Festung". Auflösung trotz falschem L remis.

Der gute "Läufer" soll die Stellung dagegen nicht halten. (Awerbach #514 = Fine 1941)

Zur Partie: Weiß gewinnt danach mit 36. g4 und Schwarz sollte 37. ... h5 zum Aufbau der Bauernstruktur spielen.
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon Geck0tierchen » Do 6. Dez 2012, 22:35

Genau wie in Turmendspielen baut sich die unterlegene Seite hier immer im g3-h4 / g6-h5 Stil auf. So führen gegnerische Bauernvormärsche entweder zum Abtausch oder zur Fixierung der Struktur (g3-h4 vs. g6-h5 = triviales Remis). Der "falsche" Läufer ist hier ja v.a. ein "guter", da er die von den Bauern hinterlassenen Löcher stopft, wohin ein "richtiger" Läufer nur zu Leukopenie/Melanpenie führt und am Ende durch das Qualitätsrückopfer praktisch immer baden geht. Insbesondere dessen wäre ich mit diesem Läufer eigtl. sehr zufrieden.

In dem Sinne stimme ich stoppelhoppler zu. Weiß sollte umbedingt (übrigens wieder genau wie im Turmendspiel) g4 spielen und Schwarz es umbedingt mit h5 vermeiden.
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon Orang_Utan » Fr 7. Dez 2012, 10:32

Geck0tierchen hat geschrieben:...


stoppelhoppler hat geschrieben:...


Danke für die Infos. Da habe ich mich ja komplett geirrt. Vielleicht sollte ich doch mal Endspiele studieren. :(
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon stoppelhoppler » Fr 7. Dez 2012, 12:59

Orang_Utan hat geschrieben:...Danke für die Infos. Da habe ich mich ja komplett geirrt. Vielleicht sollte ich doch mal Endspiele studieren. :(


"Studium" ist hier wohl die richtige Bezeichnung.

Ich hatte mir mal die Materialverteilung T+B vs. L (+B) (grob) (angeregt von MK-Partien und Kramnik-Ponomariov Tal-Memorial 2009) angesehen und war schnell erschlagen vom Material, das insbesondere Herr Cheron angibt.
Hängengeblieben sind allenfalls (unsichere) Fragmente, wie zuerst mit dem K Platz schaffen, dann Bauern nachrücken.
Die Unterscheidung, welcher Läufer, welcher Bauer auf schon welchem Feld ist schon eine Gedächtnisübung, was das reine Wissen um die Bewertung der Stellung angeht. Die exakte Ausführung ist noch ein ganz anderes Thema, an der auch Meister trotz Wissen scheitern.

Die Endspielrubrik von CB (Hecht, Müller) führte über die Jahre eine Beispiele zum Thema an.
Ein Fall, wo die Verteidigung trotz theoretischem Wissen scheiterte, ist Tischbierek-Gutman 1995.

Es gibt auch eine Remisfestung mit dem "Nicht-Eckfeld-Läufer". Hier sollen die Bauern dann in der Art h3, g4 - also anders, aber auch auf der Nicht-Läufer-Farbe aufgebaut werden. Auch diese Festung wurde schon geknackt, so daß allein das Wissen um die Bauernaufstellung noch nicht für ein Remis ausreicht.

Ich habe mir das noch nie angesehen.

Aus praktischer Sicht halte ich das Wissen um Theorie und Praxis derartiger Endpiele aber für recht "einträglich" und manche Lücke muß nicht mit 3-4 Seiten Cheron gestopft werden. Manchmal geht es auch kürzer.

Remistyp 1:



Remis trotz abgeschnittenem König, der wL bewacht e4, g4. Ein falscher Läuferzug und die Festung stürzt wohl ein.

Remistyp 2:



Soll auch remis sein - ich habe keine Ahnung, wie man das spielt.

In der Praxis dürfte das reine Wissen nur halb hilfreich sein, man muß es wohl auch "studiert" haben. ;)
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Re: T+2B vs L + 2B

Beitragvon Geck0tierchen » Sa 8. Dez 2012, 01:56

Orang_Utan hat geschrieben:
Geck0tierchen hat geschrieben:...


stoppelhoppler hat geschrieben:...


Danke für die Infos. Da habe ich mich ja komplett geirrt. Vielleicht sollte ich doch mal Endspiele studieren. :(


ich habe 2006 (da hatte ich so 2096 dwz) in dieser Stellung hier in Travemünde:



als Schwarzer Ke6 gezogen - und wurde danach von unserem Betreuer dafür gescholten, der mir dann erklärte dass die Stellung nach Sxe3 Txe3 remis sei, wenn man die bauern nach h4 und h5 stellt. Mehr wusste und weiß ich darüber auch nicht. :)
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