Lektion:missglückte Phillidor-Verteidigung im Turmendspiel

Moderator: Jupp53

Lektion:missglückte Phillidor-Verteidigung im Turmendspiel

Beitragvon TheKillerGrob » Sa 20. Mär 2010, 20:20

Eine der bekanntesten Stellungen im Turmendspiel ist die Phillidorstellung, die es der verteidigenden Seite erlaubt, auch mit Minus-Bauer ein Remis zu erreichen. Aber was ist, wenn die verteidigende Seite ihr übliches Verteidigungsmanöver "dominiere die Reihe und verhindere ein Vorrücken des gegnerischen Königs" nicht anwenden kann?

Beginnen wir mit folgender Stellung:

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Wäre Schwarz nun am Zug, könnte er mit 1...Th6 eine Philidor-Stellung erreichen, und Weiss könnte keinen Fortschritt erzielen. Aber hier soll Weiss am Zug sein; mit 1.Tg6! verhindert Weiss den Schlüsselverteidigungszug 1...Th6.
Also muss Schwarz einen Plan B anwenden; dabei muss er allerding über die Phillidor-Stellung, die Lucena-Stellung,Schachdistanz und kurze/lange Seite des Brettes Bescheid wissen. Wenn man mit diesen Begriffen nichts anfangen kann, wird man dieses Endspiel mit Sicherheit verlieren.
1...Kd7 Schwarz ist unbeindruckt; steht der König nicht sicher? 2.Th6! Nein! Die Drohung Ta7 erfordert eine Reaktion. Th1 das Beste.

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Erinnerung: Wenn man den gegnerischen König schachen will, sollte man soviel Distanz zwischen ihm und dem eigenen Turm bringen wie möglich -> Schachdistanz Wir werden noch sehen, warum dies nützlich ist.

3.Ta7+ Ke8 4.Kd6!

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Eine Schlüsselstellung. Verfehlt wäre nun 4...Th6+ wegen 5.e6 und der weisse König nutzt seinen Bauer als Schild.
4...Td1+ hingegen wäre nicht besser: 5.Ke6 (droht Matt mit Ta8) Kf8 6.Ta8+ Kg7 7.Ke7

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Und Weiss ist auf dem Besten Wege zu einer Lucena-Stellung, welche den Gewinn bedeuten würde.

Auch das passive Ausharren mit 5...Td8 hilft nicht :6.Th7 und Weiss gewinnt
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Schwarz muss nun einen Multi-"Fragen"-Test absolvieren: die erste Frage lautete 4.Kd6!

Antwort:4...Te1!
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Damit möchte Schwarz den Vormarsch des Bauern erschweren, wie wir in einigen Augenblicken sehen werden.
5.Ta8+ Kf7 Nun wird die Idee hinter 4...Te1 ersichtlich: Weiss kann nicht 6.e6+ spielen wegen 6...Txe6+.
Schwarz droht nun Td1+ und Weiss müsste seinen Bauern verlassen, was zu einer Remisstellung führen würde; deshalb hat Weiss nichts besseres als wieder in die vorherige Stellung zurückzugehen.

6.Ta7+ Ke8 7.Ke6 Weiss stellt nun die "zweite Frage" . Ta8 droht.

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Kf8! Zweite Frage korrekt beantwortet. Dies ist auch bekannt als "zur kurzen Seite gehen". Die Idee dahinter ist es, für den Turm auf der linken Seite ("lange Seite") mehr Platz zu machen für spätere Seitenschachs, so dass der eigene König nicht im Weg steht. Der Turm braucht Schachdistanz!

8.Ta8 Kg7 9.Kd6 Die "dritte Frage".
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9...Kf7! Korrekt beantwortet. Wieder zeigt sich die Stärke von 4...Te1: der e-Bauer kommt immer noch nicht vorwärts und Td1+ droht wieder. 9...Td1+ wäre fatal: 10.Ke7 und Weiss kommt einer Lucena-Stellung gefährlich nahe.

10.Ta7 Weiss wiederholt die Stellung abermals und stellt den finalen Test.
10...Ke8 11.Ke6 Kf8 12. Ta8+ Kg7 Die gleiche Stellung wie schon zuvor. Nun spielt Weiss seinen letzten Trumpf:
13.Te8

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"Passen" würde jetzt nichts bringen: 13...Te2 14.Kd7, wenn dann 14...Kf7 am einfachen an 15.e6 scheitert.
14...Td2+ 15.Ke7 und Weiss hat weiter Fortschritte im Hinblick auf eine Lucena-Stellung erreicht.
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Schwarz allerdings kontert richtig mit: Ta1!

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Nun sehen wir Lang-Distanz-Schachen bei der Arbeit. Schwarz droht eine Phillidor-Stellung zu erreichen mit 14...Ta6+ 15.Kf5 Kf7.

14.Td8 Weiss hofft nun auf 14...Ta6+ Td6 Aber Schwarz muss nicht so zuvorkommend sein.
14...Te1! Zurück zu unserer Hauptidee! Weiss kann keinen Fortschritt mehr machen und weil Schwarz gezeigt hat, dass er dieses Endspiel versteht, kann man hier Remis vereinbaren.

So, ich hoffe, euch hat es gefallen und ihr habt etwas dazugelernt.
TheKillerGrob
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Re: Lektion:missglückte Phillidor-Verteidigung im Turmendspiel

Beitragvon Jupp53 » Sa 20. Mär 2010, 21:33

Prima aufbereitet.
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