Die Umgehung ist ein einfaches, aber nützliches Werkzeug, welches man kennen sollte. Mit ihm kann man in Stellungen eindringen, in die man es anders nicht schaffen würde.
Zuerst einmal eine Definition des Begriffs Umgehung:
Die Umgehung ist ein Manöver, wo der König der angreifenden Seite eine Linie zwischen sich und den gegnerischen König bringt (manchmal gibt dies sogar die Opposition auf!). Dies erlaubt dem umgehenden König sich näher an ein Ziel heranzubringen, ohne dass es dem gegnerischen König erlaubt wird vor den angreifenden König zu treten und direkte Opposition einzunehmen.
Jetzt ein Diagramm:
Weiss ist nun am Zug und hat die Aufgabe eines der Felder f8,g8 oder h8 zu erreichen; Weiss kann dies forciert in maximal 18 Zügen erreichen! Schwarz wird das permanent zu unterbinden versuchen, mit Hilfe der Opposition.
Ihr könnt diese Stellung ja mal verschiedenen Schachspielern zeigen, aber nur wenige werden es lösen können, und viele werden übberrascht sein, das ein König stärker sein kann als der andere.
Der erste Schritt in die richtige Richtung ist : 1.Ka2!
Das ist der einzige Weg ,die Opposition zu erhalten. Der direktere Weg mit Kb2 scheitert: 1.Kb2?? Kb8! (danach ist es für Weiss schon unmöglich die Zielzone zu erreichen) 2.Kc3 Kc7 3.Kd4 Kd6 4.Ke4 Ke6 ; Weiss kommt nicht näher
1.Kb2 Weiss begibt sich zur Ziel-Seite
2...Kc8 minimiert die weissen Optionen auf ein Minimum; das scheinbar aktivere 2...Kc7 3.Kc3 würde nur dem Weissen helfen.
3.Kc2 Weiss begibt sich weiter zum Königsflügel; Weiss könnte Schwarz hier zwar schon mit 3.Ka3 umgehen, würde aber im Moment scheitern
Dadurch dass Weiss nun eine Linie zwischen sich und den schwarzen König gebracht hat, verhindert er, dass Schwarz die direkte Opposition einnehmen kann (Umgehung). Schwarz kann zwar jetzt indirekte Opposition einnehmen mit 3...Kc7 (formt ein Rechteck mit den Punkten c7,c3,a3,a7 ,wobei die Eckfelder gleicher Farbe sind), aber Weiss kann sich forwärts bewegen: 4.Ka4 Kc6 5.Ka5 Kc5 6.Ka6 Kc6
Weiss hat es geschafft in die schwarze Stellung einzudringen, aber er wird nie mehr die Zielzone erreichen können.
Nun zurück zur Stellung nach 3.Kc2
Um dieses Problem zu lösen, muss sich Weiss erst zu der Seite begeben, wo sich die Zielzone befindet (Königsflügel) und erst dort die Umgehung anwenden. Die Logik dahinter ist einfach zu verstehen: jede Vorwärtsbewegung wird Weiss erlauben, den Zielpunkten näher zu kommen.
3...Kd8 4.Kd2 Ke8 5.Ke2 Kf8 6.Kf2 Kg8 7.Kg2
Weiss befindet sich nun auf der optimalen Linie, da sein König genau in der Mitte der Zielfelder liegt.
7...Kh8 (Auf 7...Kf8 folgt analog 8.Kh3!)
8.Kf3! Umgehung!
8...Kg7 Schwarz könnte jetzt auch die Opposition einnehmen mit 8...Kh7, aber nach 9.Kf4 Kh6 10.Kf5 Kh5 11.Kf6 wird Weiss das Zielfeld f8 erreichen; Die Aufgabe der Opposition, um ein höheres Ziel zu erreichen, ist ein Hauptmerkmal der Umgehung!
Zurück nach 8.Kf3 Kg7 9.Kg3! Zufrieden damit,dass er eine Reihe höher gekommen ist, nimmt Weiss die Opposition ein; Fehler würden sein: 9.Kf4? Kf6! und 9.Kg4? Kg6 In beiden Fällen würde Weiss sein Ziel nicht mehr erreichen.
9...Kf7 9...Kh7 10.Kf4 führt analog dazu auch zum Ziel
10.Kh4! Ein weiteres Umgehungs-Manöver! Weiss bietet Schwarz wieder die Möglichkeit, die Opposition einzunehmen.
10...Kg6 Und Schwarz lehnt sie wieder ab! Nach 10...Kf6 11.Kh5 Kf5 würde Schwarz klar die Opposition besitzen, aber Weiss würde 12.Kh6 spielen und das Zielfeld h8 sein Eigen nennen.
11.Kg4 Weiss nimmt wieder die Opposition ein.
11...Kh6 oder 11.Kf7 12.Kf5 Kg7 13.Kg5 Kh7 14.Kf6
Zurück nach 11...Kh6
12.Kf5 Kg7 13.Kg5 Kf7 14.Kh6 Kg8 15.Kg6 Kf8 16.Kh7
Und Weiss kann nicht mehr daran gehindert werden, sein Ziel mit 17.Kh8 zu erreichen. Q.E.D.
