Endspiele im Fernschach (1)

Moderator: Jupp53

Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon Bernoulli » Fr 26. Dez 2008, 12:32

Hallo!

Ich will euch hin und wieder ein interessantes Endspiel aus meinen Fernpartien beim BdF bzw. ICCF zeigen. Es geht nicht darum ob ich besonders toll gespielt habe und auch nicht unbedingt um Partieanalysen zur Klärung, was der entscheidende Fehler war und was besser gewesen wäre. Eher möchte ich gewisse Einblicke in die Fernschachpraxis gewähren wie sie vermutlich die meisten von euch nicht kennen, quasi einen Blick über die Schulter erlauben.

Bei diesen Partien waren alle Hilfsmittel erlaubt, die Bedenkzeit betrug mindestens 30 Tage / 10 Züge, gespielt wurde per Post, E-Mail und zuletzt auch auf dem ICCF-Webserver.

Okay, genug der Vorrede, hier nun das erste Endspiel. Es stammt aus meinem zweiten Turnier, das ich 1993/94 beim BdF spielte. Ich hatte Weiß.

Bild

44. Kf2 Ke4 45. h4 Kf4 46. g5 Kg4 47. g6 Te8 48. g7 Tg8 49. Se6 Kxh4 50. Kf3 Kh5 51. Ke4 Kg6 52. c4 Kf7 53. Kd5 Ke7 54. c5 Kd7 55. c6+ Ke7 56. Sd4 1-0

Schlussstellung:

Bild

Die Aufgabe kam etwas überraschend. Allerdings war dem Kommentar meines Gegners nach der Partie zu entnehmen, dass er ziemlichen Respekt vor der Tatsache hatte, dass ich mich auch mit Schachproblemen sowohl als Löser wie auch als Komponist beschäftige. Es war also zum Teil wohl auch ein psychologischer Sieg. Auch das gibt es nicht selten im Fernschach, wenngleich man es nicht für möglich halten mag.

Seinerzeit standen mir u.a. Fritz 4 und Chess Genius 3 zur Verfügung, der Rechner war mit einem Intel 486 DX2-50 Prozessor und 8 MB RAM ausgestattet. Es wäre natürlich interessant zu sehen, was die heutigen Engines aus der Diagrammstellung machen. Das zu untersuchen habe ich aber keine Zeit und Lust. So ganz überzeugt war ich jedenfalls bereits damals schon nicht, dass das Endspiel wirklich gewonnen ist.

Bis demnächst!
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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon elvis » So 28. Dez 2008, 01:19

Im Vergleich der beiden Diagramme hat Weiß einen enormen Fortschritt gemacht. Einen Bauern geopfert, dafür zwei andere und den König weit nach vorn gebracht, den schwarzen König zurückgedrängt und den schwarzen Turm in eine rein defensive Position gezwungen.
Die Schlussstellung ist für Weiß klar gewonnen. Es droht c7 und Se6, der weiße König unterstützt gegebenenfalls den c-Bauern, Schwarz muss früher oder später den Turm für den die g- und c-Bauern geben, der Rest ist trivial.

Wenn Schwarz überhaupt eine Chance hatte, dann musste er deutlich früher einen anderen Weg gehen. 45...Ta5 nebst 46...Txa3 verleiht dem Turm mehr Beweglichkeit und droht seitlich Schach zu geben, aber auch dann dürften die weißen Bauern zu schnell sein.
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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon Bernoulli » So 28. Dez 2008, 13:02

Danke für das Feedback!

Okay, die Stellung ist wirklich klar gewonnen. Die Drohung besteht in Sf5+ nebst Kd6 oder Sd6, je nach Fortsetzung von Schwarz.

Das ist auch das Schöne im Fernschach, dass man sich für solche ungewöhnlichen Kräfteverhältnisse die Zeit nehmen kann, den Gehalt zu ergründen. Dabei ist es nicht mal so wichtig, ob eine Engine mithilft oder nicht. Alleine schon das Fehlen der ganzen (negativen) Begleitumstände einer Nahschachpartie kann enorm förderlich sein, mehr aus der Partie herauszuholen.

Ciao,
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Endspiele im Fernschach (2)

Beitragvon Bernoulli » So 28. Dez 2008, 14:00

Hier schon der Nachschlag aus dem gleichen Turnier wie zuvor. Diesmal bringe ich gleich die ganze Partie, da das Endspiel quasi mitten in der Eröffnung schon beginnt. Diese Variante der Russischen Verteidigung kennt der eine oder andere sicher auch.

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 Sxe4 4.Ld3 d5 5.Sxe5 Ld6 6.O-O O-O 7.c4 Lxe5 8.dxe5 Sc6 9.cxd5 Dxd5 10.Dc2 Sb4 11.Lxe4 Sxc2 12.Lxd5 Lf5 13.g4 Lxg4 14.Le4 Sxa1 15.Lf4 f5 16.Ld5+ Kh8 17.Tc1 c6 18.Lg2 Tfd8 19.Sc3 Td4 20.Le3 Tb4 21.Txa1 Txb2

Bild

An dieser Stelle bin ich, die weißen Steine führend, von bekannten Vorbildern abgewichen.

22.Te1 Tc2 23.Tc1 Txc1+ 24.Lxc1 Td8 25.Lf1 Lh5 26.Le3 b6 27.h4 Lf7 28.Kg2 b5 29.a3 a5 30.Lc5 Td2 31.Se2 Ld5+ 32.Kg1 Tc2 33.Le3 b4 34.axb4 axb4 35.Sd4 Ta2 36.e6 Kg8 37.Lg2 Lxg2 38.Kxg2

Bild

38.- c5 39.Sb5 b3 40.Sc7 Ta4 41.f3 Tb4 42.e7 Tb8 43.Lc1 Kf7 44.e8=D+ Txe8 45.Sxe8 Kxe8

Bild

46.Lb2 Kf7 47.Kg3 Kg6 48.Kf4 c4 49.Lc3 Kh5 50.Lxg7 Kxh4 51.Le5 h5 52.Kxf5 c3 53.Lxc3 Kg3 54.Ke4 h4 55.Le5+ Kg2 56.Kd3 Kxf3 57.Kc3 1/2-1/2

Eine spannende Partie.

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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon Jupp53 » So 28. Dez 2008, 23:24

Die Ausgangsstellung sollte für Weiß klar gewonnen sein. Schwarz hat m.E. nur eine Chance, den a-Bauern. 45. - Kf4 bringt nichts, wie Du mit der Partiefortsetzung gezeigt hast. 45.- Ta5 ist eher ein Versuch, aus der Partie noch einen Punkt zu holen. Idee: a und c angreifen und evtl. erobern oder den K über e5 zu den wBn am K-Flügel zu führen.Der Turm kann dann von den Reihen 1-3 versuchen zu stören.
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Re: Endspiele im Fernschach

Beitragvon Jupp53 » Mo 24. Aug 2009, 10:22

Hallo Bernoulli,

Deine beiden Threads habe ich mal zusammengefügt und mache gleich weiter mit einem aktuell laufenden Endspiel.
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Endspiele im Fernschach (3)

Beitragvon Jupp53 » Mo 24. Aug 2009, 10:33

Bild

Das ist eine Stellung aus einer laufenden Fernpartie. Fritz 11 und Rybka 3 empfehlen nun 32.Th7-f7. Das verstehe ich nicht. :? (Varianten kann ich posten, wenn Bedarf besteht.) Meine Zugkandidaten axb6 und Sd2 kommen in den Varianten der Engines häufig vor, aber erst später. Kann mich ein Forenmitglied erleuchten?
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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon elvis » Mo 24. Aug 2009, 17:22

Ich möchte nicht behaupten, dass ich die Stellung verstehe, aber meine Grundüberlegung wäre in etwa:
Der Turm hat auf h7 keine besondere Funktion. Tf7 dient zunächst dazu, die freie Reihe zu besetzen. Also Prophylaxe. (Was mir deshalb in den Sinn kommt, weil ich gestern in einer Turnierpartie ein ähnliches Manöver gespielt habe. Die Partie habe ich später gewonnen, auch wegen der unzulänglichen Verteidigung meines Gegners; meine Bewertung dieses Zugs ist dadurch vielleicht subjektiv gefärbt.)
Die e-Reihe ist weniger brisant, weil Läufer und Springer vorläufig das Eindringen der gegnerischen Türme auf e1, e2, e3 verhindern.
axb6 würde bxa5 verhindern, womit Schwarz zwar einen Bauern bekommt, sich aber dafür einen isolierten Randdoppelbauern einfängt.
Sd2 sehe ich nicht. Meinst du Sd3 oder Se2, letzteres um c3 zu decken?
Falls Schwarz c3 schlagen will, verliert er im Gegenzug a7 und muss auch b6 abtauschen. Die 3 verbundenen schwarzen Bauern sind trotzdem eine nicht zu unterschätzende Macht.
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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon Jupp53 » Mo 24. Aug 2009, 18:54

Danke erstmal.

Die Stellung selber bleibt wegen der verbundenen Freibauern spannend. Die f-Linie erhöht die Beweglichkeit des Turmes. Soweit d'accord. Bloß 'denkt' ein Rechner nicht so.

Am Mittwoch melde ich mich wieder.
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Re: Endspiele im Fernschach (1)

Beitragvon stoppelhoppler » Di 25. Aug 2009, 02:06

elvis hat geschrieben:Ich möchte nicht behaupten, dass ich die Stellung verstehe...


dito - weiße Mehrfigur, die aber nicht richtig wirkt, Bauernklumpen von Schwarz - puuhh.

Planfindungsthread sagt... :?: :? :arrow: :idea: :?:

Angriffsziele für Weiß: a7 bzw. nach Abtausch b6?!
Teilplan Vormarsch eigener FReibauer sieht noch sehr weit weg aus.

:idea: von Tf7 :?: Vielleicht Tf7-f1, Sd2(e3), Tfb1 mit Druck gegen Sb5, b6

Der Sb5 stört mich als Weißer am meisten, doch wie beseitigen?
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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