Ich will euch hin und wieder ein interessantes Endspiel aus meinen Fernpartien beim BdF bzw. ICCF zeigen. Es geht nicht darum ob ich besonders toll gespielt habe und auch nicht unbedingt um Partieanalysen zur Klärung, was der entscheidende Fehler war und was besser gewesen wäre. Eher möchte ich gewisse Einblicke in die Fernschachpraxis gewähren wie sie vermutlich die meisten von euch nicht kennen, quasi einen Blick über die Schulter erlauben.
Bei diesen Partien waren alle Hilfsmittel erlaubt, die Bedenkzeit betrug mindestens 30 Tage / 10 Züge, gespielt wurde per Post, E-Mail und zuletzt auch auf dem ICCF-Webserver.
Okay, genug der Vorrede, hier nun das erste Endspiel. Es stammt aus meinem zweiten Turnier, das ich 1993/94 beim BdF spielte. Ich hatte Weiß.
44. Kf2 Ke4 45. h4 Kf4 46. g5 Kg4 47. g6 Te8 48. g7 Tg8 49. Se6 Kxh4 50. Kf3 Kh5 51. Ke4 Kg6 52. c4 Kf7 53. Kd5 Ke7 54. c5 Kd7 55. c6+ Ke7 56. Sd4 1-0
Schlussstellung:
Die Aufgabe kam etwas überraschend. Allerdings war dem Kommentar meines Gegners nach der Partie zu entnehmen, dass er ziemlichen Respekt vor der Tatsache hatte, dass ich mich auch mit Schachproblemen sowohl als Löser wie auch als Komponist beschäftige. Es war also zum Teil wohl auch ein psychologischer Sieg. Auch das gibt es nicht selten im Fernschach, wenngleich man es nicht für möglich halten mag.
Seinerzeit standen mir u.a. Fritz 4 und Chess Genius 3 zur Verfügung, der Rechner war mit einem Intel 486 DX2-50 Prozessor und 8 MB RAM ausgestattet. Es wäre natürlich interessant zu sehen, was die heutigen Engines aus der Diagrammstellung machen. Das zu untersuchen habe ich aber keine Zeit und Lust. So ganz überzeugt war ich jedenfalls bereits damals schon nicht, dass das Endspiel wirklich gewonnen ist.
Bis demnächst!
Bernoulli
