Turnierpartien von LowScore

Hier könnt ihr Eure Partien vorstellen und diskutieren.

Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon LowScore » Do 6. Mai 2010, 11:45

Geck0tierchen hat geschrieben:Hast du das Endspiel nach 64...f4 überblickt?

Nein. Nach 59.Kc6 kann ich wohl nicht mehr gewinnen, aber in der Partie hab ich das ohne langes Nachdenken gezogen (König muss mitspielen, also schnell zur Mitte und den Bauern laufen!). Echte Zweifel an der Gewinnmöglickeit bekam ich erst bei der Antwort 59...e4. Ich zog den Turm dann nach ca. 5 Minuten Überlegung nach f1 und sah die schwarzen Bauern schon als remissichernde Macht an. Bei 64.Kc3 hatte ich mich schon mit Remis abgefunden, war mir aber auch noch keiner Verlustgefahr bewußt. Die Möglichkeit 64...f4 habe ich gar nicht konkret berechnet. Überhaupt gefällt mir meine Bedenkzeitnutzung in der Schlussphase jetzt im Nachhinein betrachtet immer weniger: ich hatte ca. 20 Minuten gegen die 4-5 Minuten des Gegners an Restbedenkzeit, aber ich habe ab Zug 60 keine Varianten mehr gerechnet, sondern nur noch überlegt, ob meine Züge in 3-4 Halbzügen verlieren oder ob ich mit meinem Zug in 3-4 Halbzügen eine Gewinnstellung erreichen kann. :( Das ist eine ziemlich erbärmliche Herangehensweise, umsomehr, da mir Endspiele regelmäßig am meisten Spaß machen (und ich meiner Meinung nach auch im Endspielwissen meine bislang relativ größte schachliche Stärke sehe).
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Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon WilhelmHH » Sa 8. Mai 2010, 12:19

Die Möglichkeit 64...f4 sieht stark aus.

Riddler hat geschrieben:, denke ich, dass Schwarz durch seine Turmmanöver der Bauernlawine im 24. - 33. Zug Vorschub leistet.


Turmtausch für eine aktiven schwarzen König?
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Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon LowScore » Mo 19. Sep 2011, 14:10

Neue Saison, neues Glück...nach längerer Zeit mal eine Partie, bei der ich ab Zug 1 "out of book" bin. Jawohl, ich habe immer noch kein Repertoire gegen 1.d4, und die einzig mir bekannte Eröffnung, das Budapester Gambit, ging hier nicht, weil mir ein Mannschaftskollege direkt vor der Partie mitteilte, dass mein Gegner (ein 1600er) immer 1.d4 2.Sc3 und dann sehr bald Lg5 spielt. Also hab ich zum ersten Mal in meiner Schachkarriere 1...e6 gespielt. Eine echte "Eröffnung" scheint das aber nicht zu sein, oder?

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In der Partie hatte ich nach der Eröffnung das Gefühl, ausgeglichen zu stehen. Nach Ablehnung des 2. Remisangebots kam auf der Suche nach guten Zügen das schlechte 20...c5, wo ich nach 21.dxc5 den Bauern eigentlich mit dem Turm wiedernehmen wollte. Nach dem anschließenden Qualitätsverlust wähnte ich mich auf eher verlorenem Posten. Mein Gegner stellte in dieser Phase zwar die Remisangebote ein, unternahm aber viel zu wenig, um seine materiell vorteilhafte Stellung zu gewinnen. Mit später 2 Bauern + Springer gegen den Turm war ich wieder ernsthaft gewillt, die Partie zu gewinnen, und auch mein Fehler 48...b5 direkt nach dem vierten Remisangebot wurde in der festen Meinung gespielt, dem Sieg näher als der Niederlage zu sein.
Fazit: Lange gekämpft, trotzdem Remis.
Zuletzt geändert von LowScore am Di 20. Sep 2011, 07:52, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Notation korrigiert
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Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon Geck0tierchen » Mo 19. Sep 2011, 17:46

Mir sind beim durchklicken 2-3 Dinge aufgefallen. Das folgende sind nur Anregungen in Form von 'Appetizern', keine rigoros durchdachten Varianten.

1...e6, 2...Lb4 ist im Prinzip eine probate Wahl gegen den weißen Aufbau. Als zukünftige Empfehlung: objektiv ist der Weißaufbau nicht gefährlich, somit gibt es verschiedene sinnvolle schwarze Aufbauten. Allerdings ergibt sich für Weiß in vielen Stellungen die Möglichkeit, halt "seinen Stiefel" zu spielen. Viele Weißspieler wollen genau das, ohne sich um Objektivität zu scheren. Als ich mich vor ein paar Jahren in der Oberliga auf einen derartigen Spieler vorbereitet hab, fand ich für Weiß nichts überzeugendes nach 1.d4 d5 2.Sc3 Lf5!?, wonach der Weiße streng genommen keinen guten Zug hat. Das verschafft dir als 1..Sf6 spieler natürlich ein Repertoireproblem, bei "Insideransagen" vor der Partie kann man es aber natürlich drauf ankommen lassen.

Die Idee mit frühem Ld7-c6 ist interessant und gefällt mir gut. Ich hätte diesen nach 10.Sd2 aber umbedingt gegen den Lg2 getauscht! Danach scheint mir der Weiße einfach schlecht zu stehen. Für Schwarz bieten sich sowohl Spielarten mit e6-e5 als auch mit d6-d5 an. Durch Unterlassen des Abtausches wird sein Fianchetto-Läufer potentiell gefährlich, während dein Lc6 recht passiv verbleibt. Sowieso ist in solchen Stellungen doch so, dass der Lc6 nur eine einzige Funktion inne hat: Das neutralisieren seines potentiell gefährlichen Gegenspielers auf g2.

Auch das Manöver Sb6-a4 gefällt mir nicht. Der Lb2 ist nicht mehr als ein halbes Hemd und mit Sicherheit die schwächste Figur auf dem Brett. Warum tauschen?

Nach 28.Td8+ hätte ich auch alle Pferde auf dich gesetzt - LowScore Endspielpower!

zum Turmtausch: In solchen Stellungen ist es tendenziell gefährlich, ein Turmpaar zu tauschen. Im wesentlichen gilt: Je 'breiter' die Stellung, desto gefährlicher, weil eine extrem langreichweitige Figur gegen eine kurzreichweitig operierende Figur kämpft. Für den Weißen hätte ich vermutlich empfohlen, mit 34.Tb4 anstelle von 34.f4 sofort zu versuchen, seinen Turm zu aktivieren. Desweiteren sieht 36.g4! deutlich stärker als das von ihm gespielte Kf3 aus, wonach du dich mit h7-h5 strategisch korrekt aufstellst. Nach g4 kann der Weiße entweder mit g4-g5 nebst h4-h5 den Kriegsschauplatz um die h-Linie erweitern (das allein könnte schon sehr haarig sein) oder direkt mit h4-h5 ähnliche Ideen angehen. Sein h2-h4 ?? ist jedenfalls strategisch fatal, denn er verunmöglicht es sich somit, mit h3-g4 zu den oben genannten h-Linien Ideen überzugehen.

Im weiteren Spielverlauf weiß der Anziehende zumindest nichts mit seinem Turm anzufangen, wodurch auf jeden Fall optisch der Eindruck entsteht, dass nur du auf Sieg spielst.

Die kritische Stellung entsteht nach 46.a5: Nach Kxa5? Ta2+ Sa4 Te2 ist es für Schwarz viel zu heiß, den e6 zu geben und weiterzuspielen, meines Erachtens kommt er dann doch recht schnell unter die Räder (der wK steht dafür einfach viel zu nah am DF). In der partiestellung ist z.B. (nach b5 Txe6 b4) 50.f5!? eine Idee wert, mit der Idee, sich einen entfernten Freibauern auf der h-Linie zu schaffen. Randbauern sind bekanntermaßen sehr effektiv gegen Springer, und nach gxf5 Txf6 b3 Txf5+ Kb4 würde die plausible Fortsetzung Tf1 b2 g4 hxg4 h5 leicht gewinnen. Auch das direkte 50.Txf6 erscheint mir vorteilhaft, wenn auch deutlich riskanter.

Interessant finde ich hingegen 46...bxa5!? mit der Idee einer schnellen Promotion. Die schwarzen steine harmonieren hier hervorragend, so hat der sK den weißen im Bodycheck, während der schwarze Springer d3 abklemmt sowie über b3 - mit schach! - die b-linie gegen ein turmschach verstopft UND noch das umwandlungsfeld überdeckt. ich glaube eigentlich nicht daran, dass weiß es sich hier erlauben kann, irgendwie Tempi zu verlieren. Da Ideen mit g4 oder f5 einfach nicht funktionieren und Tb2+ wie gesagt in Sb3+ Kd3 a4 läuft (man denke daran, dass jetzt a3 mit Angriff des Turms und direkt danach a2 droht, da der Springer nun den d3 und a1 gabelt). Weiß kann Kc2 spielen, sperrt damit aber natürlich auch seinen Turm aus. Aus diesen gesammelten Gründen tut Weiß am besten daran, sofort 47.Tc2 zu spielen, um Gegenspiel zu organisieren. Ich analysier das demnächst mal mit Brett, scheint mir aber recht aussichtsreich. Zumindest gehts nach vorne!


EDIT: Ich hab vorhin auf dem Fahrrad noch mal drüber nachgedacht, als mir eine Idee kam. Conclusio: Wenn Schwarz die Züge umdreht und zunächst 46...Sb3+! spielt, ist das Feld d4 wegen Sc1+ für den weißen König tabu. Er muss somit auf die e-Linie gehen, womit er erstens dem Turm die Sicht auf e6 versperrt und zweitens weiter weg vom Damenflügel getrieben wird, an dem er aber bitter nötig gebraucht wird. Nach 47.Ke3/e4 bxa5 steht Schwarz auf Gewinn, denn der Bauer ist nur unter Turmopfer aufzuhalten.. und dann kommt ja der nächste!
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Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon Thossk » Mo 19. Sep 2011, 22:53

Geck0tierchen hat geschrieben:Die Idee mit frühem Ld7-c6 ist interessant und gefällt mir gut. Ich hätte diesen nach 10.Sd2 aber umbedingt gegen den Lg2 getauscht! Danach scheint mir der Weiße einfach schlecht zu stehen. Für Schwarz bieten sich sowohl Spielarten mit e6-e5 als auch mit d6-d5 an. Durch Unterlassen des Abtausches wird sein Fianchetto-Läufer potentiell gefährlich, während dein Lc6 recht passiv verbleibt. Sowieso ist in solchen Stellungen doch so, dass der Lc6 nur eine einzige Funktion inne hat: Das neutralisieren seines potentiell gefährlichen Gegenspielers auf g2.

Die Läufer hätte ich wohl auch getauscht. Das ist üblicherweise der Sinn der zeitraubenden Aktion ...Lc8-d7-c6.

Darüber hinaus fiel mir beim Durchklicken der Partie eine Alternative in der Stellung nach 11.e4 ein: Warum nicht direkt mit 11...e5 antworten?! Sofern Weiß das Zentrum mittels 12.d5 schließen will, folgt 12...Ld7 oder sogar 12...Lb5. In der entstandenen Stellung ist es nun eher Weiß, der ein Interesse am Tausch der weißfeldrigen Läufer haben sollte. So nebenbei bemerkt: Es ist nicht selten, dass Schwarz in Stellungen ohne eigenen schwarzfeldrigen Läufer mit ...d6 + ...e5 agiert. :)
Der Zug ...e5 gefällt mir besser als der andere Vorstoß (13...d5) und hätte auch noch im 12. oder 13. Zug gespielt werden können. Es fühlt sich für mich falsch an, die Bauern im Zentrum auf weiße Felder (d5/e6) zu stellen, wenn man nur noch über einen weißfeldrigen Läufer verfügt. Konkret gesprochen hätte mir während der Partie die Variante 13...d5 14.cxd5!? exd5 15.e5 nicht zugesagt dank eines traurigen Lc6 nach 15...Sd7, der wenn überhaupt nur über b5 eine Perspektive hätte.

P.S.: Mir fällt es schwer nachzuvollziehen, wieso jemand mehr als zweimal in der Partie Remis anbietet. Wenn ich eine Remisofferte ablehne, wissen meine Gegner, dass die Partie ausgespielt wird oder dass sie zumindest darauf warten dürfen, dass ich selbst anbiete.
"Pirc ist zu facettenreich und komplex, um damit schachlich wirklich weiterzukommen."
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Re: Turnierpartien von LowScore

Beitragvon LowScore » Di 20. Sep 2011, 08:09

Erstmal danke fürs schnelle Feedback! Solange die Partie noch halbwegs frisch in meinem Kopf ist, bin ich am ehesten motiviert, daraus zu lernen. :)

Geck0tierchen hat geschrieben:Die Idee mit frühem Ld7-c6 ist interessant und gefällt mir gut. Ich hätte diesen nach 10.Sd2 aber umbedingt gegen den Lg2 getauscht!

Das hätte ich in der Tat tun sollen. Mir war einfach nicht klar, dass das Unterlassen des Abtauschens eher für Schwarz schlecht ist als für Weiß. Meinen Sb6-a4 Plan fand ich ganz toll, weil ich irgendwie generell denke, dass fianchettierte Läufer "Riesen" sind bzw. unmittelbar werden. Die Stärke des Lb2 habe ich also nicht konkret durchdacht.
Geck0tierchen hat geschrieben:Interessant finde ich hingegen 46...bxa5!? mit der Idee einer schnellen Promotion.

Ich muss mich wirklich entschuldigen, weil ich die Notation gestern aus dem Gedächtnis eingetippt habe und natürlich waren dadurch Fehler drin. Ich habe die Notation jetzt mithilfe meines Mitschriebs korrigiert und man sieht nun, dass 46...bxa5 nicht geht, weil der Springer bereits von T + K angegriffen wird. Trotzdem sind die von Dir skizzierten Pläne und Gedanken für mich wertvoll, weil ich (wie Du sicher weißt) die Endspielphase am liebsten analysiere und je mehr Ideen man kriegt, umso besser!
Thossks Gedanken zu e5 gegenüber d5 zeigen mir wieder einmal deutlich, wie wenig Überlegungen in meine Züge fließen. :) Ich erfasse einfach die verschiedenen Aspekte auf dem Brett nicht umfangreich genug. Ich glaub' die Gedanken eines schwächeren Spielers zu den einzelnen Zügen sehen für einen stärkeren Spieler wie eine Art "Tunnelblick" auf das Spielgeschehen aus.
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