von Geck0tierchen » Mo 19. Sep 2011, 17:46
Mir sind beim durchklicken 2-3 Dinge aufgefallen. Das folgende sind nur Anregungen in Form von 'Appetizern', keine rigoros durchdachten Varianten.
1...e6, 2...Lb4 ist im Prinzip eine probate Wahl gegen den weißen Aufbau. Als zukünftige Empfehlung: objektiv ist der Weißaufbau nicht gefährlich, somit gibt es verschiedene sinnvolle schwarze Aufbauten. Allerdings ergibt sich für Weiß in vielen Stellungen die Möglichkeit, halt "seinen Stiefel" zu spielen. Viele Weißspieler wollen genau das, ohne sich um Objektivität zu scheren. Als ich mich vor ein paar Jahren in der Oberliga auf einen derartigen Spieler vorbereitet hab, fand ich für Weiß nichts überzeugendes nach 1.d4 d5 2.Sc3 Lf5!?, wonach der Weiße streng genommen keinen guten Zug hat. Das verschafft dir als 1..Sf6 spieler natürlich ein Repertoireproblem, bei "Insideransagen" vor der Partie kann man es aber natürlich drauf ankommen lassen.
Die Idee mit frühem Ld7-c6 ist interessant und gefällt mir gut. Ich hätte diesen nach 10.Sd2 aber umbedingt gegen den Lg2 getauscht! Danach scheint mir der Weiße einfach schlecht zu stehen. Für Schwarz bieten sich sowohl Spielarten mit e6-e5 als auch mit d6-d5 an. Durch Unterlassen des Abtausches wird sein Fianchetto-Läufer potentiell gefährlich, während dein Lc6 recht passiv verbleibt. Sowieso ist in solchen Stellungen doch so, dass der Lc6 nur eine einzige Funktion inne hat: Das neutralisieren seines potentiell gefährlichen Gegenspielers auf g2.
Auch das Manöver Sb6-a4 gefällt mir nicht. Der Lb2 ist nicht mehr als ein halbes Hemd und mit Sicherheit die schwächste Figur auf dem Brett. Warum tauschen?
Nach 28.Td8+ hätte ich auch alle Pferde auf dich gesetzt - LowScore Endspielpower!
zum Turmtausch: In solchen Stellungen ist es tendenziell gefährlich, ein Turmpaar zu tauschen. Im wesentlichen gilt: Je 'breiter' die Stellung, desto gefährlicher, weil eine extrem langreichweitige Figur gegen eine kurzreichweitig operierende Figur kämpft. Für den Weißen hätte ich vermutlich empfohlen, mit 34.Tb4 anstelle von 34.f4 sofort zu versuchen, seinen Turm zu aktivieren. Desweiteren sieht 36.g4! deutlich stärker als das von ihm gespielte Kf3 aus, wonach du dich mit h7-h5 strategisch korrekt aufstellst. Nach g4 kann der Weiße entweder mit g4-g5 nebst h4-h5 den Kriegsschauplatz um die h-Linie erweitern (das allein könnte schon sehr haarig sein) oder direkt mit h4-h5 ähnliche Ideen angehen. Sein h2-h4 ?? ist jedenfalls strategisch fatal, denn er verunmöglicht es sich somit, mit h3-g4 zu den oben genannten h-Linien Ideen überzugehen.
Im weiteren Spielverlauf weiß der Anziehende zumindest nichts mit seinem Turm anzufangen, wodurch auf jeden Fall optisch der Eindruck entsteht, dass nur du auf Sieg spielst.
Die kritische Stellung entsteht nach 46.a5: Nach Kxa5? Ta2+ Sa4 Te2 ist es für Schwarz viel zu heiß, den e6 zu geben und weiterzuspielen, meines Erachtens kommt er dann doch recht schnell unter die Räder (der wK steht dafür einfach viel zu nah am DF). In der partiestellung ist z.B. (nach b5 Txe6 b4) 50.f5!? eine Idee wert, mit der Idee, sich einen entfernten Freibauern auf der h-Linie zu schaffen. Randbauern sind bekanntermaßen sehr effektiv gegen Springer, und nach gxf5 Txf6 b3 Txf5+ Kb4 würde die plausible Fortsetzung Tf1 b2 g4 hxg4 h5 leicht gewinnen. Auch das direkte 50.Txf6 erscheint mir vorteilhaft, wenn auch deutlich riskanter.
Interessant finde ich hingegen 46...bxa5!? mit der Idee einer schnellen Promotion. Die schwarzen steine harmonieren hier hervorragend, so hat der sK den weißen im Bodycheck, während der schwarze Springer d3 abklemmt sowie über b3 - mit schach! - die b-linie gegen ein turmschach verstopft UND noch das umwandlungsfeld überdeckt. ich glaube eigentlich nicht daran, dass weiß es sich hier erlauben kann, irgendwie Tempi zu verlieren. Da Ideen mit g4 oder f5 einfach nicht funktionieren und Tb2+ wie gesagt in Sb3+ Kd3 a4 läuft (man denke daran, dass jetzt a3 mit Angriff des Turms und direkt danach a2 droht, da der Springer nun den d3 und a1 gabelt). Weiß kann Kc2 spielen, sperrt damit aber natürlich auch seinen Turm aus. Aus diesen gesammelten Gründen tut Weiß am besten daran, sofort 47.Tc2 zu spielen, um Gegenspiel zu organisieren. Ich analysier das demnächst mal mit Brett, scheint mir aber recht aussichtsreich. Zumindest gehts nach vorne!
EDIT: Ich hab vorhin auf dem Fahrrad noch mal drüber nachgedacht, als mir eine Idee kam. Conclusio: Wenn Schwarz die Züge umdreht und zunächst 46...Sb3+! spielt, ist das Feld d4 wegen Sc1+ für den weißen König tabu. Er muss somit auf die e-Linie gehen, womit er erstens dem Turm die Sicht auf e6 versperrt und zweitens weiter weg vom Damenflügel getrieben wird, an dem er aber bitter nötig gebraucht wird. Nach 47.Ke3/e4 bxa5 steht Schwarz auf Gewinn, denn der Bauer ist nur unter Turmopfer aufzuhalten.. und dann kommt ja der nächste!
She gets upset and lashes out at him for letting himself be crushed by the weight of the world and wasting away his own life worrying about things beyond his control.
However, this is what chess should be like: rich and difficult.
- Tiger H. Persson