Hallo, Hier in diesem Thread poste ich, wie der Therad-Titel verrät, Turnierpartien von mir.
Den Anfang machen drei Partien vom Quickstep-Chess-Turnier von Gestern. Für alle, die nicht wissen, was Quickstep-Chess ist: Dort werden an einem Tag drei Turnierpartien mit 30 Zügen in 60 Minuten zuzüglich 30 Minuten für den Rest der Partie gespielt. Die Teilnehmer werden nach DWZ in Vierergruppen eingeteilt. Wobei da die Besonderheit ist, dass man sein Rating für die Gruppeneinteilung auch um 100 Punkte erhöhen oder verringern kann. Ich startete als DWZ-schwächster der Gruppe gegen Gegner mit im Schnitt 40 Punkten mehr. Groß analysiert habe ich die drei Partien bisher aber noch nicht. Hier die Spiele:
Nr. 1: Auf der Suche nach einem Gewinnweg übersah ich bei 17. Dc4, dass Schwarz auf d4 nehmen konnte, kommte die Stellung aber zumindest in der Partiefortsetzung materiell gleich halten, aber die verbliebenen Figuren des Gegners standen dann besser. Im weiteren Verlauf sollte es in etwa ausgeglichen gewesen sein, bis 29... Ld3?? kam.
Nr. 2: Die Partie wurde vom DWZ-stärksten Gegner, der in Runde 1 lange spielte und nur eine sehr kurze Mittagspause hatte, sehr unambitioniert angelegt. So richtig konnte und wollte ich auch kein Gift dagegen finden. Wobei es einen kurzen Schock-Moment für mich gab, nachdem ich 18... Kf7 zog, ging da etwa 19. Se5+ fxe5 20. Sxe5+ - Wohl nicht, hätte man aber besser mal vorher durchrechnen sollen.
Nr.3: Gegen die extravagante Eröffnung des Gegners tat ich mich etwas schwer. Wobei der Abtausch von Figuren mir das Spiel doch etwas erleichterte. Aber besonders viel konnte ich nicht rausholen, auch wenn ich am Ende wohl etwas bessere Figuren hatte. Am Ende reichte das Remis zum Gruppensieg und für ein bisschen DWZ-Steigerung.
"Die Tromp- und Colorado-Quote steigt wieder an, genauso wie die Anzahl der gekauften, aber ungelesenen Schachbücher im Schrank (das Zeichen schlechthin für einen ewigen Verlierer!)" IM Ilja Schneider auf schachzoo.twoday.net
Stratege hat geschrieben:Für alle, die nicht wissen, was Quickstep-Chess ist: Dort werden an einem Tag drei Turnierpartien mit 30 Zügen in 60 Minuten zuzüglich 30 Minuten für den Rest der Partie gespielt.
Ich hab sowas noch nie gespielt. Wie fühlt sich das an? Wie verlängerte Schnellpartien? Oder doch wie normallange Turnierpartien?
Stratege hat geschrieben:Nr.3: Gegen die extravagante Eröffnung des Gegners tat ich mich etwas schwer.
Was genau meinst Du damit? Schwarz spielt doch die ganz normale Leningrader Variante des Holländers.
7.d5 ist an dieser Stelle eher ungewöhnlich. Stattdessen ginge das Spiel nach 7.0-0 De8 in den Mainstream über (Dort könnte Weiß dann immer noch 8.d5 spielen.). Daher erscheint mir 7... De8 (nach 7.d5 und statt 7... h6) mit Einladung zur Zugumstellung auch als gut spielbar für Schwarz.
carpe diem. Horaz Schach ist das Spiel, das die Verrückten gesund hält. Einstein Mangelndes Verständnis und fehlende Toleranz mögen verzeihlich sein, schlechte Umgangsformen sind es nicht. Bunt
Stratege hat geschrieben:Für alle, die nicht wissen, was Quickstep-Chess ist: Dort werden an einem Tag drei Turnierpartien mit 30 Zügen in 60 Minuten zuzüglich 30 Minuten für den Rest der Partie gespielt.
Ich hab sowas noch nie gespielt. Wie fühlt sich das an? Wie verlängerte Schnellpartien? Oder doch wie normallange Turnierpartien?
Die Eröffnungen gingen da in allen Partien recht flott, so dass die Partien dann fast im "normalem" Tempo (3 Minuten je Zug) gespielt werden konnten. Bei sehr scharfen Gambits oder Offbeat-Zeugs oder bei Partien, die länger offen bleiben, wird man sicherlich mehr Probleme haben.
lovo hat geschrieben:
Stratege hat geschrieben:Nr.3: Gegen die extravagante Eröffnung des Gegners tat ich mich etwas schwer.
Was genau meinst Du damit? Schwarz spielt doch die ganz normale Leningrader Variante des Holländers.
7.d5 ist an dieser Stelle eher ungewöhnlich. Stattdessen ginge das Spiel nach 7.0-0 De8 in den Mainstream über (Dort könnte Weiß dann immer noch 8.d5 spielen.). Daher erscheint mir 7... De8 (nach 7.d5 und statt 7... h6) mit Einladung zur Zugumstellung auch als gut spielbar für Schwarz.
Leningrader finde ich auf meinem Level schon extravagant. 7. d5 hatte ich gezogen, weil ich da auch keine Zugfolge genau kannte und d4-d5 in allen Aufbauten, die ich mir angeschaut hatte, früh kam. Okay, hab da auch schon kurz in die Datenbank geschaut und gesehen, dass 7.0-0 schon deutlich öfter gespielt wird. 7. d5 war also eher ein kleines Versehen. Wobei 7. d5 auch schon ein paar mal auf 2600+-Level gespielt wurde. Vermeidet immerhin die Variante 7. 0-0 Sc6 8. d5 Se5.
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Falls Dir nochmal der Leningrader unter die Finger kommt, ist es auch eine Überlegung wert, auf Sc3 zu verzichten und stattdessen Sbd2 zu spielen. Das harmoniert dann sehr gut mit dem Fiancchetto des anderen Läufers (b3+Lb2). Dabei kann Weiß sogar auf c2-c4 verzichten oder zumindest noch etwas hinauszögern, um zu sehen, was der Schwarze so vorhat.
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Zu 1. d4 f5 2. g3 Sf6 3. Lg2 g6 4. Sf3 Lg7 5. 0-0 0-0 6. Sbd2 gibt es in "Nunn's Chess Openings" auch zwei Tabellenzeilen und ein paar Fußnoten, aber natürlich keine Erklärungen. Spezialliteratur kann ich mir auch nicht für jedes Spezialsystem zulegen. Die Varianten der Nebenvariante habe ich gerade mal kurz durchgespielt, sieht so aus, als ob sich Weiß passiv hinten rein stellt und darauf wartet, dass Schwarz den weißen König abschlachtet.
Aber verstehe gerade nicht, was an oder nach der Eröffnung in Partie 3 so katastrophal gelaufen sein soll, dass man bei der nächsten Partie überlegen sollte, was anderes zu spielen?
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Stratege hat geschrieben:7.d5 ist an dieser Stelle eher ungewöhnlich. Stattdessen ginge das Spiel nach 7.0-0 De8 in den Mainstream über (Dort könnte Weiß dann immer noch 8.d5 spielen.). Daher erscheint mir 7... De8 (nach 7.d5 und statt 7... h6) mit Einladung zur Zugumstellung auch als gut spielbar für Schwarz. Leningrader finde ich auf meinem Level schon extravagant. 7. d5 hatte ich gezogen, weil ich da auch keine Zugfolge genau kannte und d4-d5 in allen Aufbauten, die ich mir angeschaut hatte, früh kam. Okay, hab da auch schon kurz in die Datenbank geschaut und gesehen, dass 7.0-0 schon deutlich öfter gespielt wird. 7. d5 war also eher ein kleines Versehen. Wobei 7. d5 auch schon ein paar mal auf 2600+-Level gespielt wurde. Vermeidet immerhin die Variante 7. 0-0 Sc6 8. d5 Se5.
7.d5 läßt Schwarz alle Optionen offen , selbst jetzt kann er Sbd7 und Se5 spielen , daneben ist vieles möglich , 7..h6 , 7.. a5 ( Plan Sa6-c5 ), 7..c6 , 7 ..e5 etc. pi pa po . 7.. e5 ist direkt und nimmt den Kampf ums Zentrum auf , z.B. 8.dex Lxe6 ( oder Sa6 nebst Sc5 , c6 , xe6 ) 9.Db3 ( c4 hängt ) Sa6 10.Sd4 ( 10. Db7x Sc5 11. Db4 Tb8 12 Da3 und c4 fällt über kurz oder lang ) Sc5 11. Sxe6 Sxb3 12. Sxd8 Sxa1 13. Se6 Tf7 14. Lxb7 Tb8 15. Lg2 Sc2+ 16. Kd1 Sb4 ist auch lustig ^^ . 9. Sg5 Lxc4 10. Lxb7 Sbd7 11. Lxa8 Dxa8 12. 0-0 mit etwas Kompensation ..
"Who is your opponent tonight?" "Tonight I am playing against the Black pieces"- Akiba Rubinstein
Stratege hat geschrieben:Aber verstehe gerade nicht, was an oder nach der Eröffnung in Partie 3 so katastrophal gelaufen sein soll, dass man bei der nächsten Partie überlegen sollte, was anderes zu spielen?
An der Eröffnung gibt's nix zu meckern. Ich wollte nur ne Anregung geben, wie man es auch noch anders spielen könnte.
Zur Partie: Eine Idee von d4-d5 ist es ja, mit e2-e4 die e-Linie zu öffnen, um dann darauf Druck gegen e7 ausüben zu können. Und um das schnell zu erreichen, sieht 9.Sh4 gut aus, zum Beispiel 9... Kh7 10.e4. In der Partie hingegen ist Weiß einen Zug zu langsam, und Schwarz kann e2-e4 mechanisch verhindern. Allerdings gibt er danach freiwillig wieder die Kontrolle über den Punkt e4 auf. Und so kommt Weiß doch in Vorteil.
18.exf5 bringt den fianchettierten Springer wieder ins Spiel. 17.e5 oder 18.e5 würde in Kombination mit Tad1 ein Druckspiel im Zentrum ergeben.
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zu 9. Sh4: Springer am Rand sieht immer so komisch aus, da hab ich gleich Vorurteile. Aber scheint gut spielbar zu sein.
zu 17. / 18. e5: Es erschien mir in der Partie logisch, zu versuchen, den geschwächten Königsflügel anzugreifen. An das Zentrum dachte ich da nicht so. Aber der Plan wird klar wo du es schreibst.
Mal zu Partie Nr. 2: Was spielt man auf 4. c4, wenn man keinen Slaven auf dem Brett haben will?
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Stratege hat geschrieben:Mal zu Partie Nr. 2: Was spielt man auf 4. c4, wenn man keinen Slaven auf dem Brett haben will?
Zu meinen Colle-Zeiten habe ich auf ein frühzeitiges schwarzes Lf5 immer mit c4 reagiert - und bin gut dabei gefahren. Und mit nachfolgendem Sc3 und vor allem Db3 legt Weiß genau den Finger in die Wunde: b7. Dann muß Schwarz schon zu Tricks greifen, um nicht in Nachteil zu geraten; z.B. den b-Bauern opfern und mit Sb8-c6-b4 Gegenspiel aufbauen. Allerdings kommt es sehr auf das Timing an, denn diese Idee klappt nicht immer.
Konkret scheint mir 4... e6 in Ordnung zu sein, obwohl es den Läufer endgültig vom Damenflügel abklemmt. Trotzdem gefällt mir die weiße Stellung nach den genannten Ideen besser. Wäre ja auch zu schön, wenn man mit ... Lf5 dem Anziehenden einfach seinen geliebten Colle versauen könnte.
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Zu lovos Kommentar nach 1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.e3 Lf5 4.c4!? schließe ich mich an. !? meinen die Theoriehaie schon lange. Mit Schwarz möchte ich gerne Slawisch spielen und Weiß weicht ja auf meinem Niveau häufig c4 aus. Da verzichte ich dann bei Lf4 ohne c4 - Aufbauten auf c7-c6 und spiele auf Lf4 im zweiten, dritten oder vierten Zug c7-c5. Dazu gibt es dann nur eine Handvoll Meisterpartien, die gute Chancen zeigen.
Das ist gerade eine aktuelle Fernpartie. Das Qualitätsopfer geht, was schon einiges aussagt. Wie dann die Partie ausgeht, steht auf einem anderen Blatt.
Nachtrag: Das schwarze Lf5 ist hier völlig anders einzuschätzen, als das weiße Lf4. Der Lf4 hindert schließen keinen Turm an der Besetzung einer offenen Linie mit Angriff.