patzer78 hat geschrieben:Ok ich hab festgestellt, dass es keinen Sinn macht alle Partien zu zeigen, dafür ist zu viel reines Kraut der Gegner dabei

Ja.
patzer78 hat geschrieben:Zweite Partie: Schachlich nicht besonders interessant,
Ja.
patzer78 hat geschrieben:Was sagt mir das?
Allgemein:
Du hältst in der Eröffnung schon den 4. Zug von Schwarz für einen Fehler, nach dem 6. Zug meinst du dass Weiß besser steht und weißt im 7. Zug nicht weiter.
Was sagt mir das? Auf normalem Amateur-Niveau wird manchmal schon in der Eröffnung ziemlich seltsames Zeugs gespielt. Und auf normalem Amateur-Niveau ist kaum einer in der Lage, das ohne Vorbereitung "am Brett" zu widerlegen. Schon gar nicht im Schnellschach.
Bessere Spieler als du und ich können vielleicht erkennen, welche Schwächen durch einen "seltsamen" Zug entstehen, und wie man die ausnutzen kann. Und besser vorbereitete Spieler kennen vielleicht die Widerlegung.
Für unsereinen bleibt da nur die Empfehlung: Spiel vernünftiges Schach - und versuche nicht zwanghaft innerhalb von wenigen Zügen zu gewinnen.
Konkret (1) - Stellung und Stellungsbewertung:
patzer78 hat geschrieben:Nach dem 6. Zug steht Weiß besser.
Warum steht Weiß besser? Und warum hältst du 4...De7 für einen Fehler?
Ich kenne die Theorie nicht so gut, also befrage ich die Datenbank. In meiner Arbeitsdatenbank (ca. 100.000 Partien auf allen Niveaus, vom Anfänger bis zum Weltmeister) kommt die Stellung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 insgesamt 971 mal vor. In 438 Partien spielt Weiß dann 4.c3, und in nur 15 Partien antwortet Schwarz mit 4...De7. Das sind zu wenige Partien für eine Statistik; aber mir fällt auf, dass es vorwiegend Spieler im gehobenen Amateurbereich sind, von der Oberliga bis zu den hinteren Brettern der Bundesliga, und nur ein einziger Anfänger dabei ist, dem ein solcher Zug vielleicht "passiert", weil er sich nicht auskennt oder nicht darüber nachdenkt.
Also suche ich weiter in einer größeren Datenbank. Der Zug 4...De7 findet sich schon im "Urtext" der Italienischen Eröffnung, dem Buch von Greco, und im 20. Jahrhundert bei den großen "Klassikern": Aljechin gegen Tarrasch, Euwe gegen Sämisch, Spielmann gegen Tartakower, Rubinstein, Smyslow, usw. In den letzten 50 Jahren taucht dieser Zug auf Top-Niveau nicht mehr auf, aber im Amateurbereich ist er immer noch zu sehen und anscheinend gut spielbar, die Ergebnisse sind einigermaßen normal verteilt.
Dies gilt übrigens auch für die Stellung nach dem 6. Zug.
In neueren Partien ist dann der häufigste 7. Zug von Weiß h3, in Verbindung mit Te1, a4, eventuell Lg5 (aber nicht Sg5), und Weiß sucht Spiel im Zentrum. Wenn Weiß mit d5 das Zentrum abriegelt, marschiert Schwarz oft am Königsflügel auf, mit h6, g5 usw. Weiß bekommt Raum am Damenflügel, aber der schwarze Angriff ist gefährlich.
(Anekdotisch erwähnt: "Deine" Partie taucht in der Datenbank auch einmal auf, Kemp - McCarthy, GB-Meisterschaft 1975.)
Konkret (2) - Gedanken und Pläne:
patzer78 hat geschrieben:Ersteinmal habe länger drüber nachgedacht ob schon konkret was drin ist, bzw. schon drüber nachgedacht ob ein Mattangriff geführt werden kann!
Verfrühter Optimismus.
patzer78 hat geschrieben:Sg5 war der erste Gedanke. Wahrscheinlich ganz gut, der Springer wird nach h6 gezwungen wo er nichts macht und Weiß steht sehr aktiv.
Das bringt anscheinend nichts ein, wenn Weiß seinen Angriff nicht nachdrücklich verstärken kann.
patzer78 hat geschrieben:Die Begründung während der Partie war allerdings, dass ich von einem Angriff mit f4?? träumte und ich brauchte relativ lange um den Zug zu verwerfen, obwohl exd4 offensichtlich sehr gut für Schwarz ist. (Der Zug wurde auch als erster gesehen, aber irgendwie konnte ich mich nicht von dem Wunsch trennen so zu spielen?!)
Wunschdenken im Schach ist ein Problem, oder eine schlechte Angewohnheit. Man bekommt damit wenige spektakuläre Siege und mehr unspektakuläre Niederlagen.
patzer78 hat geschrieben:Damit gelangte ich zu a4, der wahrscheinlich auch ganz gut ist, allerdings nur mit der Idee die Falle Sf6?? zu haben ...
Schon wieder dieses Wunschdenken ...
patzer78 hat geschrieben:... und vagen Ideen dass ich irgendwie Raum gewinne, nach a5 hätten meine schwachsinnigen Überlegungen wieder von vorne angefangen.
Dann sind die "schwachsinnigen" Überlegungen der Ansatzpunkt, wo du etwas tun solltest, um dein Spiel zu stärken.
Nochmal: Spiel vernünftiges Schach. Auch wenn dein Gegner "komische" Züge macht, auch wenn du optisch besser stehst, ist es normalerweise nicht drin, den Gegner schon in der Eröffnung zu "überrennen". Es lohnt sich normalerweise nicht, viel Zeit zu investieren, um nach einer unwahrscheinlichen Möglichkeit zu suchen.
Entwickele dich, suche gute Felder für deine Figuren, und wenn es möglich ist, beschränke die Bewegungsfreiheit der gegnerischen Figuren. Damit hast du schon eine Menge erreicht.
Nebenbei, der "offensichtliche" Zug exd4 ging auch nach 7.a4 (üblicherweise spielt Schwarz aber a6). Ist dir das vor lauter Wunschdenken nicht in den Sinn gekommen?