Danke.
Ich denke, die Diagnose ist korrekt.
Dazu ergänzen kann ich, was mir selbst als Manko auffällt:
i) Kandidatenzüge: Ich ziehe meistens nur wenige Kandidatenzüge ernsthaft in Betracht. Varianten berechne ich meistens nur für zwei bis drei "Kandidaten". Im weiteren Verlauf des Variantenbaums beschränke ich mich wiederum auf wenige Verzweigungen. Sowohl bei den eigenen als auch bei den gegnerischen Zügen.
Generell gehe ich beim Variantenbaum lieber in die Tiefe als in die Breite.
Wenn mich eine Stellung interessiert und/oder ich mit dem Erreichten nicht zufrieden bin, suche ich relativ unsystematisch in verschiedenen Tiefen der Varianten nach anderen Kandidatenzügen.
In Stellungen oder Varianten, die ich für kritisch halte, wiederhole ich mögliche Zugfolgen im Kopf 5-10 mal, und schaue dabei, ob mir interessante Abweichungen (also bisher nicht beachtete "Kandidaten" im tieferen Verlauf einer Variante) auffallen. Auch das relativ unsystematisch. - Natürlich bedeutet das einen hohen Zeitaufwand und ist nicht sehr effizient. Aber in der Praxis ist es trotzdem hilfreich, wenn ich wichtige Züge erst beim 5. oder 6. Versuch sehe...
ii) Rechentiefe: Sehr unterschiedlich. Manchmal eindeutig nicht ausreichend. Es kommt vor, dass ich die Berechnung einer Variante zu früh abbreche, weil ich entweder einen kritischen Zug im weiteren Verlauf einer Variante nicht sehe, oder das Potential einer Stellung falsch bewerte.
iii) Pläne und Ziele: Damit bin ich oft ähnlich "sparsam" wie mit den Kandidatenzügen.
Ein Beispiel: In der oben gezeigten Stellung
Stellung nach 32... Lxe5war es für mich überhaupt kein Ziel, eine weiße Schwerfigur auf die 7. Reihe zu bringen. OK, hier ging ich davon aus, dass die Stellung praktisch gewonnen ist, und wollte jetzt vereinfachen und das Ding mit wenig Rechenaufwand nach Hause schaukeln. Aber einen ähnlichen Mangel an konkreten Zielen bemerke ich auch in weniger eindeutigen Stellungen.
Training:
Derzeit hauptsächlich Taktik (auch ein Bereich, den ich jahrelang vernachlässigt habe), häufig leichte und schnell lösbare Aufgaben, a) um mir Muster einzuprägen, b) manchmal als Konzentrationsübung, c) aus Spass.
Wobei ich den Eindruck habe, dass intensives Taktiktraining auf der Kehrseite dazu führen kann, die Auswahl von Kandidatenzügen schematisch zu verengen.
Variantenberechnung wäre definitiv interessant, aber ich habe keinen Plan, wie ich da trainieren kann. Den angesprochenen Kotov habe ich mir vor längerer Zeit angesehen und schnell wieder weggelegt, der hat mir überhaupt nicht zugesagt.