LowScore vs. Fernschach

Hier könnt ihr Eure Partien vorstellen und diskutieren.

Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon JerryCotton » Do 25. Mär 2010, 12:59

LowScore hat geschrieben: Äußerst kritisch war am Schluss Zug 36, wo die Engines über lange Zeit sowohl 36...Qxd6 als auch 36...b2 als ausgeglichen bewerteten, obwohl das zu forciertem Gewinn für Weiß führt. Hier reichte der Rechenhorizont erst, nachdem ich die nächsten von der Engine vorgeschlagenen Züge ausgeführt hatte.


Wenn ich das richtig sehe, entspricht dieses Vorgehen nicht ganz deinen selbst gestellten Bedingungen.
Du erkennst als Mensch hier, dass der Rechenhorizont nicht ausreicht und verlängerst deshalb die Bedenkzeit, bzw. gehst Tiefer in der Variante.
Der Faktor Mensch spielt also eine Rolle!?
Ausserdem schreibst du "die Engines". Welche Engine hat denn im 36. Zug warum gerechnet?

Entscheide dich doch für eine Engine und eine feste Bedenkzeit pro Partie!?
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Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon LowScore » Do 25. Mär 2010, 14:03

JerryCotton hat geschrieben:Wenn ich das richtig sehe, entspricht dieses Vorgehen nicht ganz deinen selbst gestellten Bedingungen.
Du erkennst als Mensch hier, dass der Rechenhorizont nicht ausreicht und verlängerst deshalb die Bedenkzeit, bzw. gehst Tiefer in der Variante.
Der Faktor Mensch spielt also eine Rolle!? Ausserdem schreibst du "die Engines". Welche Engine hat denn im 36. Zug warum gerechnet?

Toga II und Glaurung haben gerechnet, weil das die Engines sind, die ich immer rechnen lasse. RobboLito und Stockfish hatte ich mir ca. bei Zug 25 runtergeladen und installiert, aber nachdem sie eine Nacht lang liefen und Stockfish am nächsten Morgen abgestürzt war (führte einfach keine Berechnungen mehr aus) und RobboLito immer nur eine einzige Variante anzeigt (den aktuell besten Zug), habe ich direkt wieder auf meine alten Engines umgestellt. Bei beiden Engines lasse ich immer die aktuell zwei besten Varianten anzeigen. Bei Zug 36 zeigte Toga nach zwei Tagen Qxd6 und b2 an, Glaurung zeigte Bxd6 und Qxd6 an. Alle Züge hatten fast gleiche Bewertung im Zehntelbauerneinheitenbereich.
Als feste Regel nehme ich immer direkt den Zug der Engines, wenn beide Engines den gleichen Zug favorisieren. Bei Abweichungen zwischen den Engines führe ich immer beide Züge aus und lasse die Engines daran ein paar Stunden rechnen, bevor ich einen Zug wähle. Und nachdem ich Qxd6 ausgeführt hatte, stieg die Rechentiefe deutlich an weil sich viele forcierte Wege ergeben und die Bewertung wurde leicht besser für Weiß. Bei b2 wurde sie auch für Weiß leicht besser und bei Bxd6 war sie eben am wenigsten schlecht für Schwarz, weshalb der Zug gespielt wurde. Dass sowohl b2 als auch Qxd6 forciert verlieren, habe ich erst später gemerkt, als ich aus purem Engine-Interesse die Variantenvorschläge weitergespielt habe, in der Hoffnung, auf einen 6-Steiner zu kommen. Das war also rein wissenschaftliches Interesse und kein Versuch, menschlich in die Fernschachpartie einzugreifen. Ich habe auch die Bxd6-Variante danach noch viel weiter ausgespielt und keinen forcierten Gewinnweg für Weiß gesehen, aber als ich den Zug abschickte, kannte ich das Ergebnis meiner wissenschaftlichen Interessenstudie ja noch gar nicht, sondern habe Bxd6 allein aufgrund der Enginebewertungen nach Ausführung der favorisierten Kandidatenzüge Qxd6,Bxd6, und b2 gespielt.
JerryCotton hat geschrieben:Entscheide dich doch für eine Engine und eine feste Bedenkzeit pro Partie!?

Ich will das Experiment lieber mit zwei Engines laufen lassen, um sowohl Bewertungs- als auch Kandidatenzugdifferenzen zu erkennen. Ich habe 2 Kerne und jede Engine rechnet auf einem Kern. Feste Bedenkzeit ist für mich nicht praktikabel, weil ich meinen PC ja nicht nur für Fernschach nutze. Wenn ich jetzt die feste Turnierzugzeit von durchschnittlich 3 Tagen / Zug nehme, dann muss ich forcierte Züge ewig rechnen lassen und wenn ich dann gerade mal nicht zuhause bin werden evtl. die 3 Tage Bedenkzeit überschritten. Und wenn mein Rechner mal eben nach einem Tag Rechenzeit neu gestartet werden muss, dann verletze ich wieder meine feste Bedenkzeitregel...das kann und will ich nicht. Die Bedenkzeit wird also weiterhin in meinem persönlichen Ermessen bleiben...das ist streng genommen ein menschlicher Eingriff, aber für mich ist das kein schachlicher Mehrgewinn.
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Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon JerryCotton » Do 25. Mär 2010, 14:24

LowScore hat geschrieben:Als feste Regel nehme ich immer direkt den Zug der Engines, wenn beide Engines den gleichen Zug favorisieren. Bei Abweichungen zwischen den Engines führe ich immer beide Züge aus und lasse die Engines daran ein paar Stunden rechnen, bevor ich einen Zug wähle. Und nachdem ich Qxd6 ausgeführt hatte, stieg die Rechentiefe deutlich an weil sich viele forcierte Wege ergeben und die Bewertung wurde leicht besser für Weiß. Bei b2 wurde sie auch für Weiß leicht besser und bei Bxd6 war sie eben am wenigsten schlecht für Schwarz, weshalb der Zug gespielt wurde


Ich will dir ja nix unterstellen, zumal es eh dei eigenes Experiment ist :).
Aber du schreibst, dass du die beiden besten Züge gemäß fester Regel noch weiter rechnen lässt. Das ist ok.
In diesem Fall hast du aber die besten 3 Züge genommen. Ev. weil die Bewertung der anderen zu schnell fiel?

Die Bedenkzeit wird also weiterhin in meinem persönlichen Ermessen bleiben...das ist streng genommen ein menschlicher Eingriff, aber für mich ist das kein schachlicher Mehrgewinn.

Solange du ein Limit setzt, welches du auch bei komplizierten Zügen einhälst ist das verschmerzbar :).

Zu den Engines: Das Stockfish abstürzt ist ärgerlich. Hast du 1.63 verwendet? in der Version wurden angeblich Bugs ausgemerzt.
Bei Robolito bietet sich als Alternative IvanHoe an.
Dass ist glaube auch für Linux kompilierbar und unterstützt den Mehrvariantenmodus. Firebird hatten wir ja damals schon vergeblich nach einer Linuxversion gesucht :).
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Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon LowScore » Fr 21. Jan 2011, 08:47

Soooo...nach einem knappen Jahr gibt es wieder ein Ergebnis zu melden: Remis in Runde 3, mit Schwarz, gegen einen titellosen Fernschachgegner. Da Stockfish seit geraumer Zeit stabil in meiner 64-bit-Linuxumgebung läuft, hat diese Engine die Partie gespielt, mit Toga II als Referenz- und Tiebreaker-Engine (z.B. an den Stellen, wo Stockfish zwei oder drei Kandidatenzügen exakt gleiche Berwertungen gibt).
Die Partie war irgendwie an keiner Stelle vorteilhaft für Schwarz, sondern verlief nach meinem Gefühl nach dem Motto "Der Anziehende hat den Anzugsvorteil, und der Nachziehende ist bestrebt, völlig auszugleichen."
In der Schlussstellung zeigt die Engine bei 4 Kandidatenzügen +0.00 an, daher habe ich das Remisangebot mangels Aussicht angenommen.
Dank zügiger Antworten und recht geringer Gesamtzugzahl ging die gesamte Partie in 3 Monaten über die Bühne. Die restlichen Partien der Runde laufen noch, so dass die nächste Runde wohl kaum vor Herbst 2011 starten wird. Insgesamt sind 5 Runden zu spielen, meine Engines haben jetzt 2/3 (Auftaktsieg mit Weiß, 2x Remis mit Schwarz).
Viel Spaß beim Durchklicken!
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Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon LowScore » Fr 19. Aug 2011, 13:08

Die vierte Partie ist beendet...diesmal hatte der Rechner Weiß und stand seiner Meinung nach die ganze Zeit gut. Kleine Ungenauigkeiten von Schwarz verbesserten ganz langsam die Stellungsbewertung bis auf mehr als +2 bei der Aufgabe des Gegners. Ob (und wie) man das aus der Endstellung mit Weiß gewinnt, vermag ich nicht zu sagen...aber Stockfish wird schon wissen wie's geht. :) Die Partie ist ein Solowerk von Stockfish in der SCID-GUI auf meinem 64-bit Linux. Die Hardware ist immer noch identisch mit der aus der ersten Runde von 2009. Aktuell laufen noch zwei Partien der vierten Runde, danach startet die Schlussrunde, so dass mein Experiment aller Voraussicht nach 2012 abgeschlossen wird.
Von sechzehn Spielern sind elf noch aktiv. Mein Rechner liegt vor der letzten Runde mit 3 aus 4 Punkten zusammen mit drei weiteren Spielern direkt hinter dem Führenden, der 3,5 Punkte hat.

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Re: LowScore vs. Fernschach

Beitragvon LowScore » Di 3. Jan 2012, 21:46

Meine letzte Fernschachpartie in diesem Turnier ging unerwartet recht nichtschachlich zu Ende, mein Gegner gab nach nur zwei Monaten wegen Nichtverfügbarkeit auf. Immerhin wurden 13 Züge gespielt, die ersten fünf davon stammen aus dem Eröffnungsbuch und danach spielte Stockfish mit den schwarzen Steinen.

Damit ist das Turnier für mich mit 4 aus 5 Punkten beendet. Die Partie des bisher Führenden (3,5 aus 4 Punkten) läuft noch, je nach Ausgang werde ich in der Endtabelle geteilter Erster oder alleiniger Zweiter von noch 11 aktiven Teilnehmern (Startteilnehmerzahl: 16).

Damit ist das Experiment für mich nach gut zweieinhalb Jahren beendet, mit dem Ergebnis, dass eine starke Engine auf halbwegs aktueller Hardware im ernsthaften Fernschach komplett ohne menschliche Hilfe bestehen kann. Man sollte aber viel Rechenzeit mitbringen und (jahre-)lang durchhalten.
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