JerryCotton hat geschrieben:Wenn ich das richtig sehe, entspricht dieses Vorgehen nicht ganz deinen selbst gestellten Bedingungen.
Du erkennst als Mensch hier, dass der Rechenhorizont nicht ausreicht und verlängerst deshalb die Bedenkzeit, bzw. gehst Tiefer in der Variante.
Der Faktor Mensch spielt also eine Rolle!? Ausserdem schreibst du "die Engines". Welche Engine hat denn im 36. Zug warum gerechnet?
Toga II und Glaurung haben gerechnet, weil das die Engines sind, die ich immer rechnen lasse. RobboLito und Stockfish hatte ich mir ca. bei Zug 25 runtergeladen und installiert, aber nachdem sie eine Nacht lang liefen und Stockfish am nächsten Morgen abgestürzt war (führte einfach keine Berechnungen mehr aus) und RobboLito immer nur eine einzige Variante anzeigt (den aktuell besten Zug), habe ich direkt wieder auf meine alten Engines umgestellt. Bei beiden Engines lasse ich immer die aktuell zwei besten Varianten anzeigen. Bei Zug 36 zeigte Toga nach zwei Tagen Qxd6 und b2 an, Glaurung zeigte Bxd6 und Qxd6 an. Alle Züge hatten fast gleiche Bewertung im Zehntelbauerneinheitenbereich.
Als feste Regel nehme ich immer direkt den Zug der Engines, wenn beide Engines den gleichen Zug favorisieren. Bei Abweichungen zwischen den Engines führe ich immer beide Züge aus und lasse die Engines daran ein paar Stunden rechnen, bevor ich einen Zug wähle. Und nachdem ich Qxd6 ausgeführt hatte, stieg die Rechentiefe deutlich an weil sich viele forcierte Wege ergeben und die Bewertung wurde leicht besser für Weiß. Bei b2 wurde sie auch für Weiß leicht besser und bei Bxd6 war sie eben am wenigsten schlecht für Schwarz, weshalb der Zug gespielt wurde. Dass sowohl b2 als auch Qxd6 forciert verlieren, habe ich erst später gemerkt, als ich aus purem Engine-Interesse die Variantenvorschläge weitergespielt habe, in der Hoffnung, auf einen 6-Steiner zu kommen. Das war also rein wissenschaftliches Interesse und kein Versuch, menschlich in die Fernschachpartie einzugreifen. Ich habe auch die Bxd6-Variante danach noch viel weiter ausgespielt und keinen forcierten Gewinnweg für Weiß gesehen, aber als ich den Zug abschickte, kannte ich das Ergebnis meiner wissenschaftlichen Interessenstudie ja noch gar nicht, sondern habe Bxd6 allein aufgrund der Enginebewertungen nach Ausführung der favorisierten Kandidatenzüge Qxd6,Bxd6, und b2 gespielt.
JerryCotton hat geschrieben:Entscheide dich doch für eine Engine und eine feste Bedenkzeit pro Partie!?
Ich will das Experiment lieber mit zwei Engines laufen lassen, um sowohl Bewertungs- als auch Kandidatenzugdifferenzen zu erkennen. Ich habe 2 Kerne und jede Engine rechnet auf einem Kern. Feste Bedenkzeit ist für mich nicht praktikabel, weil ich meinen PC ja nicht nur für Fernschach nutze. Wenn ich jetzt die feste Turnierzugzeit von durchschnittlich 3 Tagen / Zug nehme, dann muss ich forcierte Züge ewig rechnen lassen und wenn ich dann gerade mal nicht zuhause bin werden evtl. die 3 Tage Bedenkzeit überschritten. Und wenn mein Rechner mal eben nach einem Tag Rechenzeit neu gestartet werden muss, dann verletze ich wieder meine feste Bedenkzeitregel...das kann und will ich nicht. Die Bedenkzeit wird also weiterhin in meinem persönlichen Ermessen bleiben...das ist streng genommen ein menschlicher Eingriff, aber für mich ist das kein schachlicher Mehrgewinn.