Die Kritik an den kurzen Remisen ist nicht grundsätzlich, sondern mehr auf dieses Turnier, dich als Spieler und die Partien bezogen.
Du fährst zu einem Turnier irgendwo weit auswärts, um dort Turnierpartien zu spielen, und dann verbringst du einen größeren Teil deiner Zeit mit anderen Dingen, weil deine Partien so schnell enden. Aber okay, wenn du eine angenehme Zeit hattest ...
In deiner spielerischen Entwicklung (und vom Alter her) sehe ich dich an einem Punkt, wo du noch einige Fortschritte machen kannst, und vermutlich auch willst. Und da halte ich es für durchaus sinnvoll, Stellungen weiterzuspielen, solange sie noch nicht ganz tot sind, schon allein zu Übungszwecken. Nenne es meinetwegen einen festen Bestandteil deines Endspieltrainings.
Manche Trainer erteilen striktes Remisverbot (außer in trivial remisen Stellungen, z.B. K+T vs. K+T - solange noch Bauern auf dem Brett sind, wird weitergespielt, bis die Bauern abgetauscht sind). Das bringt erst einmal keine besseren Ergebnisse, aber es geht um den Lerneffekt.
Das muss man nicht so strikt sehen, aber vier kurze Remispartien in einem 7-rundigen Turnier ist schon auffällig viel. Die Partien enden in Stellungen, in denen dir offenbar noch die Sicherheit und die Erfahrung fehlt und wo du deine Chancen für aktives und vorteilhaftes Spiel am Brett nicht erkannt hast. Das ist ein Punkt, wo du dich noch verbessern kannst - und dazu hilft es, wenn du solche Stellungen hin und wieder weiterspielst.
zur 1. Partie:
linkinkev hat geschrieben:Aber langfristig ist Weiß eher der, der sich verteidigen muss...
1. ist es die Frage, ob es soweit kommt. Erst einmal ist Weiß am Drücker, und da wäre zu sehen, ob du eindeutigen Vorteil bekommen kannst, oder wenigstens die schwarzen Figuren so mit Verteidigungsaufgaben beschäftigen, dass Schwarz überhaupt nicht mehr zum Angreifen kommt.
2. Wenn das nicht gelingt, kommt Plan B: Kannst du dich so verteidigen, dass der schwarze Angriff keinen Erfolg bringt (außer wenn du unnötig patzt)? Wenn ja, kannst du gefahrlos weiterspielen.
Turnierstrategisch und vom bisherigen Partieverlauf her (war ja nicht unspannend) halte ich das Remis hier für akzeptabel. Muss man nicht annehmen, aber kann man. Was mich mehr stört, ist deine pessimistische Bewertung der Schlussstellung.
zur 3. Partie:
linkinkev hat geschrieben:Wir hatten beide kurzfristig d5 mit Isolanitausch gerechnet und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Stellung Remis war.
Heißt das, d5 als nächsten weißen Zug nach dem Turmtausch? 24.Tad1 Txd2 25. Txd2 Kf8 26.d5
Nach dem Abtausch kann Weiß zunächst einen Bauern gewinnen, den Mehrbauern aber nicht halten.
26...exd5 27.Txd5 Tc1+ 28.Kh2 Tc2 29.b4 Txf2 30.Td8+ Ke7 31.Tb8 - das sollte remis werden.
Etwas besser sieht es aus, wenn Schwarz im 29. Zug nicht direkt den Bauern nimmt:
29...Ke7 30. Tf5 (30.f3? Tc3 31.a4 Tc4 -/+) 30... Tc3 31. Tg5 (31.Tf3? Txf3 32.gxf3 Ke6 - der schwarze König ist schneller am Damenflügel, schlägt a3 und gewinnt) 31...g6 - jetzt muss Weiß den einzigen Verteidigungszug 32.Ta5 finden. Der weiße Turm steht auf a5 ziemlich doof eingeklemmt, aber so kann Weiß das Remis wahrscheinlich noch verteidigen.
Allerdings ist (wie in der 6. Partie) der Abtausch auf d5 ja nicht zwingend.
25.Txd2 Kf8 26.d5 e5! nebst Königswanderung zur Mitte, f6 deckt e5, der Isolani geht nicht durch und wird früher oder später abgeholt, Vorteil für Schwarz.
linkinkev hat geschrieben:elvis hat geschrieben:22...Db3 würde einen Bauern gewinnen, oder?
Problem ist die Grundreihe. z.B. 22. ... Db3 23. Txc2 Txc2 24. De5 h6 25. Db8+ Kh7 26. Df4 Dxb2 27. Te1
26... Dxb2 (26... f5 ist stärker, b2 läuft ja nicht weg)
27. Te1 (stärker für Weiß ist 27.Td1 f5 28.d5 Db3, das muss Schwarz sehr präzise spielen)
27...Dc3 28.Tb1 Dc7 behält den Mehrbauern.