Lestats Partien

Hier könnt ihr Eure Partien vorstellen und diskutieren.

Lestats Partien

Beitragvon Lestat » Di 16. Nov 2010, 13:39

Ich habe gestern zum ersten mal das vergnügen, gegen einen titelträger spielen zu können. Zuvor habe ich schon mal eine rapid-partie gegen GM Raetsky verloren und kürzlich 2 fernschach-partien gegen Randspringer verloren. Mein gegner, FM Kolly, ist ein bekannter spieler in der westschweiz und nimmt an vielen turnieren mit. Was für ihn spricht ist auch sein teamgeist, so spielt er für das team seiner region ohne ein honorar zu verlangen...

In der partie hatte ich schwarz und spielte die Tarrasch-Verteidigung. Mein gegner schien sich darin entweder nicht all zu gut auszukennen oder er wollte mich mit 9.h3, was er relativ schnell gespielt hat, aus der theorie rausbekommen. Ich erhielt im Mittelspiel eine durchaus akzeptable stellung, eben weil mein gegner seine königsstellung mit h3 geschwächt hat. Leider hatte ich nicht die geduld, meinen angriff genügend vorzubereiten und spielte etwas voreilig das manöver h4-h5, was im endeffekt vor allem meinen h-bauern schwächte. Der weisse König war aber durchaus schwach, was mein gegner ein wenig unterschätze, darum hätte ich im 31ten zug durch ein qualitätsopfer einen starken königsangriff ausüben können. Da aber sowohl mein gegner wie auch ich diese option übersahen konnte mein gegner darauf das blatt drehen und konnte dank seiner offenen Königsstellung meinen König angreiffen, was zu meiner aufgabe führte...

Da variante und kommentare extrem mühsam sind mit dem pgn-viewer ist hier die partie kommentar- und variantenlos, im pgn-file ist dann alles schön kommentiert:

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Re: Lestats Partien

Beitragvon elvis » Di 16. Nov 2010, 17:43

Zur Eröffnung: Tarrasch ist, soweit ich das beobachte, nicht die häufigste Variante im Damengambit; wenn man als d4-Spieler theoretisch auf dem Laufenden sein will, gibt es derzeit wichtigere Baustellen. Denkbar, dass dein Gegner bei 9.h3 Zugfolgen verwechselt hat, oder dass ihm Theorie in dieser Situation nicht wichtig war.
Bei eurem ELO-Unterschied kann er die Partie auch angehen nach dem Motto: "Erst mal irgendwas spielen, was solide aussieht, und wenn der schwächere Spieler sich nach 30 Zügen noch nicht selbst umgebracht hat, muss man eben genauer aufs Brett sehen..."

Nach dem 15. Zug habe ich den Eindruck, dass du hastig spielst, vielleicht übereilt, mit kurzfristigen Plänen oder kurzfristig wechselnden Plänen. (16...Dc7 / 17...De7 ist so ein Knackpunkt.) Dazu häufen sich selbstkritische Kommentare wie "utopisch", "überoptimistisch", "erst bemerkt als es schon zu spät war", "wären Vorbereitungszüge notwendig gewesen", "kam überraschend, ich rechnete nicht damit", "wieder ein unerwarteter Zug", "hätte ich Vorteil haben können, hätte ich es gesehen"; und auf der anderen Seite: "mein Gegner sah weit genug um zu sehen dass alles hält".
Das sind Probleme, die ich aus meinen eigenen Partien nur zu gut kenne... :(

Möglicherweise hängt die ausgelassene Chance im 31. Zug auch damit zusammen? Vorher kommen in deinen Plänen Ideen vor wie die weiße Schwäche h3, das Läuferpaar, Eindringen auf den schwarzen Feldern. Wenn du auf Angriff spielst (und 30...f6 ist noch ein Angriffszug, wenn auch von zweifelhaftem Wert, 31.gxf6 sollte für Weiß gewinnen), ist es eigentlich logisch, den Turm für Läufer + Bauer + Läuferpaar + Öffnen der weißen Königsstellung zu geben; du musst nur von der kurzfristigen Idee "Turmlinien öffnen" abgehen zugunsten von Plänen, die schon länger in der Stellung sind.
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Re: Lestats Partien

Beitragvon Lestat » Di 16. Nov 2010, 18:13

elvis hat geschrieben:ach dem 15. Zug habe ich den Eindruck, dass du hastig spielst, vielleicht übereilt, mit kurzfristigen Plänen oder kurzfristig wechselnden Plänen.

Ja, das überhastige spielen ist mir auch schon früher aufgefallen. Ich arbeite momentan Chernev's buch durch, übernehme immer die seite des gewinners und versuche die züge zu erraten. Solange es um direkten königsangriff und ausnützung von schwächungen am königsflügel geht bin ich sehr "treffsicher", was die züge angeht. sobald es aber nicht ganz so klar ist bemerke ich, dass mein zug zwar oft die richtige idee ist, aber zuerst noch vorbereitet werden muss. noch krasser ist es in endspiel-positionen. da gabs z.bsp. eine partie von Capablanca, wo er während 5 zügen einen bauern nehmen konnte, dies aber nicht tat, sondern zuerst jedes auch nur denkbare gegnerische gegenspiel verhinderte. Da der gegner den bauern eh nicht decken konnte wartete er mit dem schlagen bis zum idealen zeitpunkt. Ich hingegen wollte 5 züge lang immer nur diesen bauern schlagen...

wahrscheinlich liegt mein hastiges spiel auch daran, dass es gegen meine "normalen gegner", also so im feld von 1700 bis 2000 elo (von meinen fernschachgegner sprechen wir jetzt gar nicht) halt einfach funktioniert. wenn man meine weissen gewinnpartien des letzten internen turniers anschaut dann habe ich eigentlich jede partie dadurch gewonnen, dass ich durch gefährlich aussehende angrisszüge meinen gegner dazu brachte, seinen königsflügel zu schwächen anstelle einfach "cool" nichts anzurühren und gegenspiel im zentrum oder am damenflügel zu suchen.
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Re: Lestats Partien

Beitragvon Geck0tierchen » Di 16. Nov 2010, 18:41

Lestat hat geschrieben:
elvis hat geschrieben:ach dem 15. Zug habe ich den Eindruck, dass du hastig spielst, vielleicht übereilt, mit kurzfristigen Plänen oder kurzfristig wechselnden Plänen.

Ja, das überhastige spielen ist mir auch schon früher aufgefallen. Ich arbeite momentan Chernev's buch durch, übernehme immer die seite des gewinners und versuche die züge zu erraten. Solange es um direkten königsangriff und ausnützung von schwächungen am königsflügel geht bin ich sehr "treffsicher", was die züge angeht. sobald es aber nicht ganz so klar ist bemerke ich, dass mein zug zwar oft die richtige idee ist, aber zuerst noch vorbereitet werden muss. noch krasser ist es in endspiel-positionen. da gabs z.bsp. eine partie von Capablanca, wo er während 5 zügen einen bauern nehmen konnte, dies aber nicht tat, sondern zuerst jedes auch nur denkbare gegnerische gegenspiel verhinderte. Da der gegner den bauern eh nicht decken konnte wartete er mit dem schlagen bis zum idealen zeitpunkt. Ich hingegen wollte 5 züge lang immer nur diesen bauern schlagen...


Das kann man aber auch umformulieren: Solange es nur um Motive geht, siehst du diese, kannst aber keinerlei Varianten berechnen.

"Richtige Idee, falsche Zugfolge" ist eine Ausrede, die ich jetzt schon viel zu oft gehört habe und die sich in mindestens 95% der Fälle auf Amateurniveau (ich zähl mich einfach mal dazu) entweder auf Faulheit oder Unvermögen zurückzuführen lässt. "Ich hab nicht alle Varianten berechnet" kann man eigentlich immer in "Ich wollte nicht" oder "Ich konnte nicht" umdeuten. Das Schach ein konkretes Spiel ist, in dem es mitunter doch auf Feinheiten ankommt, muss man ja keinem sagen.

So etwas kann man mit "Taktik"training beheben. Hierbei ist es aber ganz wichtig, dass ich damit nicht die Art von Taktik meine, die in jeder Neuauflage von Taktikbüchern gepredigt wird (dreizügige Kombinationen bringen nichts anderes bei als Motivlehre) sondern wirklich das trainieren der Berechnung von Varianten. Gerade in der heutigen Zeit ist das mit Sicherheit das wesentlichste Element welche der schachlichen Spielstärkesteigerung dient.

wahrscheinlich liegt mein hastiges spiel auch daran, dass es gegen meine "normalen gegner", also so im feld von 1700 bis 2000 elo (von meinen fernschachgegner sprechen wir jetzt gar nicht) halt einfach funktioniert. wenn man meine weissen gewinnpartien des letzten internen turniers anschaut dann habe ich eigentlich jede partie dadurch gewonnen, dass ich durch gefährlich aussehende angrisszüge meinen gegner dazu brachte, seinen königsflügel zu schwächen anstelle einfach "cool" nichts anzurühren und gegenspiel im zentrum oder am damenflügel zu suchen.


Da greift einer der anderen wesentlichen Wege zur Verbesserung im Schach: Immer die stärksten Gegner suchen! Wenn man die normale Gegnerschaft mit Hütchentricks besiegen kann, lernt man damit ja offensichtlich nichts über Schach.

Zur Eröffnung: Das sah für mich relativ klar danach aus, dich früh raus zu bringen und dann mit der gegen schwächere gegner gern angewandten "plain and simple" strategie zu gewinnen. Er hat ja nicht gerade versucht, das Spiel kompliziert zu halten sondern sich an wenige, positionelle Prinzipien gehalten. Im allgemeinen reicht das bei einem derartigen Spielstärkeunterschied aber auch.
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Re: Lestats Partien

Beitragvon Peloton » Di 16. Nov 2010, 20:15

Insgesamt, also nicht nur auf diese Partie bezogen spielst du mir Tarrasch etwas zu lasch. Das ist mir auch schon bei anderen Tarraschpartien von dir aufgefallen. Meine das nicht so sehr als Vorwurf, sondern mehr als Hinweis, woran du noch arbeiten musst. 9. h3 verdient m.E. ein ?!. In deiner Analyse vermisse ich etwas die Suche nach den Nachteilen dieses Zuges. Ein Nachteil könnte folgendes sein. Stell den Turm auf e8, den L auf d6. Dann könnte bei Gelegenheit Lxg3 fxg3 und Txe3 gehen. mit einem Bauern auf h2 ist das keine Drohung. Nun die Frage: Gelingt es Schwarz dieses Motiv anzuwenden? Ich weiß es nicht! Aber wenn du Zeit hast, kannst du 11...Ld6 12. Sxd5 Sxd5 13. Lxd5 Txe3 14. fxe3 Dg5 analysieren. Das ist bestimmt nicht forciert, aber zeigt dir die aktiven Möglichkeiten, die so ein überflüssiger Zug dem Schwarzen bietet.

16. Sc5 verdient eigentlich auch ein ?!. Weiß möchte ja gerade, dass sich ein Springer auf dem Feld c5 dauerhaft festsetzt. Daher ist für mich, rein postionell betrachtet 16. Lc5 besser. Aber rein positionell bringt einen im Schach selten weiter. Denn auch dann gibt in diesem Falle ein Lf5 gefolgt von Se4 gutes Spiel. Besser gefällt mir persönlich aber 16. Ld4!?. Schwarz muss dann erstmal entscheiden was mit seinem S auf f6 zu geschehen hat. Nach ...De7 17. a3 Lf5 18. e3 und b4 hat für mich Weiß einen kleinen Vorteil. Dass statt Dc7 auch 16...Bxc5 17.Lxc5 (Txc5!? könntest du auch mal analysieren) Lf5 18.b4 Se4 = wie von dir richtig bemerkt geht, deutet auch darauf hin, dass 16. Sc5 vielleicht nicht der beste war. 16...De7 ist natürlich auch interessant, evtl. sogar die beste Antwort.
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Re: Lestats Partien

Beitragvon Lestat » Sa 4. Dez 2010, 12:58

Ich hatte gestern meinen zweiten titelträger in folge als gegner. Diesmal handelt es sich um FM Burnier, spielstärkemässig etwa gleich wie FM Kolly, wobei Burnier eine IM-Norm besitzt, das ist aber auch schon ne zeitlang her. Mein gegner eröffnete mit 1.e4, was bald zur modernen variante des zweispringerspiels führte. Diese variante wurde gegen mich noch nie gespielt, auch nicht im internet und von demher hatte ich ein wenig gedächnisprobleme mich noch an die richtige zugfolge zu errinnern. Was ich dann promt auch falsch machte, was dazu führte dass ich in einer variante landete, welche ich nicht wollte. Trotzdem schaffte ich es irgendwie, ein ganz spielbares mittelspiel zu erreichen.

Ich führte danach einen plan aus, welchen ich wiedermal mit auslassung der wichtigen vorbereitungszüge machte (kommt das bekannt vor?). Auch hier hätte mein gegner grossen vorteil erreichen können, und auch hier hat er gepatzt! Leider habe ich, wie auch schon in der partie gegen FM Kolly, den remis-zug nicht gefunden, und auch hier war der zug eigentlich wirklich nicht schwer zu finden.

Moral der geschichte:
  • Auch FMs machen fehler
  • Aus der theorie fallen ist noch kein weltuntergang
  • Taktik, taktik, taktik, und wie geck0 richtig bemerkt hat, nicht das suchen von motiven sondern das rechnen von konkreten varianten

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Re: Lestats Partien

Beitragvon Lestat » Mi 2. Mär 2011, 15:45

Anbei meine erste partie der schweizerischen mannschaftsmeisterschaft. Ich hatte weiss gegen einen leicht elo-schwächeren gegner. Ich kam recht gut aus der eröffnung und konnte meinen gegner im mittelspiel recht gut überspielen, dafür habe ich das endspiel so miess behandelt dass mein gegner mehrmals hätte remis haben können. am schluss nach mehr als 5h spielzeit wurde die partie durch eine folge von schwachen zügen beiderseits entschieden, rein nachdem motto, der gewinner macht den vorletzten fehler.

Im pgn die partie mit kommentaren und varianten, hier nur die partie:
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Re: Lestats Partien

Beitragvon Lestat » So 6. Mär 2011, 11:45

Noch eine partie der schweizer gruppen meisterschaft. Mein gegner spielte ein sehr komisches königsgambit (4.f5?!), wonach ich schnell vorteil hatte. ich habe es dann sowohl im 7ten wie auch im 8ten zug verpasst, einen bauern zu gewinnen, wonach mein gegner langsam wieder ausgleichen konnte. als es endlich soweit war (nach meinem 18ten zug sieht das ganze ziemlich ausgeglichen aus) spielte er 19.Nd5? und bot remis. ich lehnte dankend ab und gewann forciert eine figur und kurz darauf die partie.

Diese partie zeigt gut wieso schwache spieler wie ich 1.e4 e5 spielen sollte, solang man einfache taktiken wie im 7ten und 8ten zug überseht und danach partien durch einfache einsteller des gegner gewinnt macht es echt keinen sinn, irgend was hoch sophistisches zu spielen. trotz gewinn bin ich nicht wirklich glücklich über meine partie...

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Re: Lestats Partien

Beitragvon Lestat » Di 27. Sep 2011, 15:56

Mein bis jetzt höchstes remis! durch zugumstellung wurde es ein e3-dameinder, wo auch mein gegner zum ersten mal bis zu zug 12 theorie spielte (ich wich zuerst ab!). in dieser isolani-stellung, welche ich liebe (und wohl all zu gerne überschätze) bekam ich einen angriff, welcher immer irgendwie schöner aussah als er es eigentlich war. ich denke die partie war für mein level relativ gut gespielt, es hat keine grossen taktischen schnitzer drin.

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