Vielleicht vorweg: Ich versuche mich jetzt seit ca. 1 Jahr regelmäßig mit Schach zu beschäftigen. Natürlich wäre ich gerne schon viel besser Aber mit Arbeit/Familie/Sport bleibt natürlich auch nur eine begrenzte Zeit zum Spielen/Üben.
Gerne würde ich natürlich auch von meinen Partien und Fehlern lernen. Für die Analyse mit Engines fehlt mir m.E. noch das grundsätzliche Verständnis für Stellungen/Strategien etc. Klar, grobe taktische Patzer sind damit leicht zu finden (> 1.00 Wertungsänderung). Mich würden also vor allem auch die "Ideen/Strategien" hinter etwaigen Verbesserungen interessieren.
Ich werde in diesem Thread jetzt also immer mal wieder eine Partie von mir posten. Vielleicht mag ja der ein oder andere mal einen Blick darauf werfen und kommentieren. Da dies ja alles in unserer Freizeit geschieht, erwarte ich hier natürlich keine Romane Über den ein oder anderen Tipp würde ich mich dennoch freuen. Vielleicht knacke ich dann auch irgendwann mal die 1500 DWZ (mein aktuelles Ziel).
Zu der Eröffnung kann ich nicht viel sagen, dieses System kenne ich nicht aus eigener Erfahrung, sondern nur von einem Mannschaftskameraden, der seit vielen Jahren ähnliches spielt. Für mich sieht es aus wie ein verzögerter GrandPrix-Angriff, von Weiß eher zurückhaltend gespielt. Ein Knackpunkt scheint mir 9.Dd2, statt f3 oder h3, um dem störenden Lg4 einen Tritt zu geben. Ein zweiter Knackpunkt ist 13.Lh6 und Läufertausch auf g7. So kommt dein Angriffsspiel am Königsflügel nicht in Schwung, du hast nicht genügend Figuren im Angriff, um die schwarze Verteidigung aufzubrechen. 20. Sh4 sieht nach einem taktischen Fehler aus (Fesselung übersehen). Wenn es doch Absicht sein sollte, müsstest du danach aktiver fortsetzen, Dg5 und dann mit allem, was du in der Nähe hast, auf den schwarzen König schießen. Nach dem Damentausch zögerst du wieder einige Züge, bis du endlich mit Te6 aktiveres Gegenspiel suchst. Das Turmendspiel sollte nach dem 33. Zug eigentlich ausgeglichen sein, wenn Weiß alle schwarzen Drohungen rechtzeitig kontert. Du hast aber die Schwäche von f2 und/oder den Vormarsch des schwarzen g-Bauern unterschätzt (36.h4 hält den Bauern auf). 38.Se5 war der letzte entscheidende Fehler (einziger Zug: 38.Sg5, danach kann Schwarz sich nicht mit dem Turm auf der 2. Reihe festsetzen und die Bauern am Damenflügel abräumen). Dein Plan ist wieder zu langsam; du bekommst zwar Gegendrohungen und verlierst "nur" einen Bauern, aber Schwarz behält zwei verbundene Freibauern am Damenflügel, die sind eine Macht, während dein Mehrbauer am Königsflügel unbeweglich herumsteht.
Alles in allem: Für mein Geschmack zuviel Zögern, wenn du auf Gewinn spielen willst. Und einige Unsicherheiten, wann du angreifen oder verteidigen solltest. Da sind immer wieder mal Züge eingestreut (wie 9.Dd2, 36.Td7), die nach nichts aussehen und auf den ersten Blick nichts bewirken. Aber sie lassen deinem Gegner Zeit, seine Stellung zu verbessern und etwas gegen dich zu tun.
elvis hat geschrieben:Für mich sieht es aus wie ein verzögerter GrandPrix-Angriff, von Weiß eher zurückhaltend gespielt.
Habe mal versucht dies zu "googlen". Bin aber nicht direkt fündig geworden. Spielt man dort sehr früh f4 oder wie funktioniert dieser?
elvis hat geschrieben:Ein Knackpunkt scheint mir 9.Dd2, statt f3 oder h3, um dem störenden Lg4 einen Tritt zu geben.
Ich habe ehrlich gesagt über 9...Dd7 zur Sicherung des Läufers gar nicht nachgedacht (ganz allgemein denke ich noch zu wenig über die Drohungen/Ideen meines Gegners nach). Ich habe den Läufer dann ja in 10.f3 attackiert. Zugegeben gefällt 9.f3/h3 jetzt auch besser. Aber so richtig verstanden habe ich es ehrlich gesagt noch nicht: Warum ist der folgende Abtausch schlecht für mich?
elvis hat geschrieben:Ein zweiter Knackpunkt ist 13.Lh6 und Läufertausch auf g7. So kommt dein Angriffsspiel am Königsflügel nicht in Schwung
Derartige Einschätzungen sind für mich nicht leicht. Ich hatte neulich eine "ähnliche" Stellung:
Dort hat mir ein starker Spieler ein paar Ideen zur Fortsetzung gegeben. Eine davon war die schwarzen Läufer abzutauschen. Begründung: Starke a1-h8 Diagonale usw. Das habe ich dann einfach mal "blind" umgesetzt. Was Du sagst leuchtet mir jetzt jedoch auch ein. Es waren zu diesem Zeitpunkt natürlich auch schon weniger Figuren zu einem Königsflügelangriff verfügbar (s.o.?). Zudem erlaubt dies 13...Sd4. Das folgende Manöver 15.Se2 erscheint mir auch nicht optimal. Schwierig, schwierig dies in Partien richtig zu bewerten.
elvis hat geschrieben:20. Sh4 sieht nach einem taktischen Fehler aus (Fesselung übersehen). Wenn es doch Absicht sein sollte, müsstest du danach aktiver fortsetzen, Dg5 und dann mit allem, was du in der Nähe hast, auf den schwarzen König schießen.
Allgemein habe ich gefühlt davor zu oft mit dem Springer gezogen. Ich habe die Fesselung nicht übersehen - dennoch irgendwie nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Ich habe auch über Dg5 nachgedacht - dann aber doch nicht die richtige Fortsetzung gefunden oder mich schlichtweg nicht getraut und lieber einen Bauern verloren
elvis hat geschrieben:Nach dem Damentausch zögerst du wieder einige Züge, bis du endlich mit Te6 aktiveres Gegenspiel suchst.
Was hätte ich hier besser spielen können? Gleich 27.Te1?
elvis hat geschrieben:Du hast aber die Schwäche von f2 und/oder den Vormarsch des schwarzen g-Bauern unterschätzt (36.h4 hält den Bauern auf).
Korrekt. Gänzlich unterschätzt. Ich hatte nach g4 auch latente Lust aufzugeben. War 34.Ta7 schon ein Fehler? Mein Gedankengang war, dass ich den König auf der Grundreihe einsperre und den Bauern attackiere (kann dann auch nicht vorziehen). Leider habe ich gleichzeitig das Zentrum "aufgegeben".
Vielleicht bleibt ja etwas für die Zukunft hängen. Er war stets bemüht im Rahmen seiner Möglichkeiten
Für den Moment ganz kurz, nur ein paar Anmerkungen:
ghp hat geschrieben:Habe mal versucht dies (Grand-Prix-Angriff)zu "googlen". Bin aber nicht direkt fündig geworden. Spielt man dort sehr früh f4 oder wie funktioniert dieser?
Okay, ich dachte das sei bekannt, weil dein Aufbau wirklich ähnlich aussieht, und Schwarz auch einen Standard-Aufbau gegen den GPA spielt. -- Wikipedia gibt nicht viel her. Die englische Wikipedia nennt auch nicht viel mehr als die ersten Züge der Hauptvariante, 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7. In der Schachkiste gibt es einen Thread zu einer bestimmten Variante: Grand-Prix-Angriff mit 2..d6. In anderen Schachforen mehr, Typisch ist die weiße Bauernformation d3-e4-f4-g3 und kurze Rochade, Schwarz hält dagegen mit Fianchetto-Stellung (g6, Lg7, Sf6) und kurzer Rochade. Der typische weiße Plan ist dann am Königsflügel vorzumarschieren, um die schwarze Königsstellung zu zerlegen, gegebenenfalls auch mit dem einen oder anderen Opfer.
ghp hat geschrieben:Aber so richtig verstanden habe ich es ehrlich gesagt noch nicht: Warum ist der folgende Abtausch schlecht für mich?
Der Abtausch ist schlecht im Gewinnsinne. Wenn du am Königsflügel angreifen willst (Standardplan, du hast ja später auch f5 gespielt), brauchst du Figuren, um den Angriff erfolgreich auszuführen. Wenn es dir eher darum geht, schwarzes Angriffsspiel zu verhindern, ist der Abtausch okay. Er entschärft die Stellung und macht ein Remis etwas wahrscheinlicher.
ghp hat geschrieben:War 34.Ta7 schon ein Fehler? Mein Gedankengang war, dass ich den König auf der Grundreihe einsperre und den Bauern attackiere (kann dann auch nicht vorziehen). Leider habe ich gleichzeitig das Zentrum "aufgegeben".
34.Ta7 und die Begründung dafür sieht vernünftig aus. Das Zentrum ist hier nicht so wichtig, du musst nur darauf achten, dass Schwarz nicht einfach in deine Stellung eindringen kann. -- Generell: Welche Felder oder Linien wichtig sind, hängt im Endspiel stark von der Bauernstellung ab. Das Zentrum ist nicht automatisch wichtig. Der Fehler ist 36.Td7 und 37.Td5, nicht nur weil du den schwarzen g-Bauern vormarschieren und den Turm eindringen lässt, sondern auch, weil du damit a6 nicht mehr bedrohst.
3.f4 Nach der Diskussion bzgl. meines letzten Spiels habe ich gleich einmal den Grand-Prix-Angriff ausprobiert. Allgemeine Pläne wie Lc4 oder Lb5, d3 0-0 De1 Dh4 f5 waren mir also bekannt.
3...d6 Wie das immer so ist. Der Gegner spielt nicht mit. Dieser und dann 4...Lg4 führten dann gleich in weniger gespielte Varianten vom GPA. Zugegeben habe ich mir die Eröffnung auch nur ein paar Minuten vorher angeschaut. Ich habe aber einfach mal "standardmäßig" weitergespielt.
10.Dh4 Auch dieser Zug folgte den "typischen GPA-Strategien". Auch wenn dies vermutlich kein direkter Fehler war, kam es mir schon etwas planlos vor (was ich zugegeben ja auch schon wieder war). Es folgte auch das erwartungsgemäße 0-0-0. Vielleicht hätte ich lieber direkt so etws wie 10.e5 spielen sollen? Welche anderen Pläne gäbe es hier?
12.Ld2 Wohin mit dem Läufer war hier die Frage für mich? Wäre Ld3 besser gewesen? Ich wollte die Türme verbinden können und den Läufer entwickeln. Gäbe es hier bessere Pläne?
13.Tb1 Wie linkinkev im Watchbot richtig schreibt: Warum denkt er darüber so lange nach? Habe ich tatsächlich. Warum kann ich eigentlich auch nicht sagen. Zum Beispiel gingen mir 55, Sa4, und b3 durch den Kopf. Vermutlich alles nicht der Situation angemessen. Keine Ahnung, ob dies einfach fehlende Erfahrung ist.
16.Sxe7+ Das war für mich ein kritische und schwierige Situation. Ich habe hier über vieles nachgedacht. Zum Beispiel ging mir durch den Kopf (also nicht rückblickend verändert):
16.h3 Sh6 gut für mich, da Springer auf schlechtem Feld. Muss er aber ziehen? Könnte nach hxg4 hxg4 ja immerhin eine offene h-Linie mit zwei Türmen besetzen. Habe selber zwei Schwerfiguren in der Nähe. Sollte eigentlich nichts passieren. Unsicherheit bleibt. Nicht spielen.
16.a3 Dxa2 verhindern. Da ich e7 mit Tempo nehmen kann, könnte ich mich ja immernoch später drum kümmern. Oder sollte ich lieber mit Dxe7 nehmen. Was kann dann allerdings nach Td7 folgen? Also doch lieber mit dem Springer nehmen.
16.c4 zur Absicherung des Springers (auf gutem Feld)? Und was dann nach dxe5 gefolgt von e6 und "hängendem" e5 Bauern?
Fazit: Schwierig zu bewerten (a2, e5 schwach usw.). Erst einmal den Bauern mit Tempo rausnehmen.
So ungefähr waren meine Gedanken wohl. Richtig strukturiert und planvoll kommt es mir nicht vor (geschweige dann richtige "Berechnung"). Gibt es hier bessere Ideen/Ansätze ein solche Stellung zu behandeln/bewerten? Wie finde ich in diesen kritischen Partiesituationen den richtigen Ansatz?
17.e6 Wieder lange nachgedacht. Zum Beispiel über so etwas wie fxe6 Sxg6 usw. Oder Rückzug des Springers auf d6, aber was dann nach dxe (a2, e5 und der Springer hängen dann ja). Das nach e6 simpel drohende Lf6 hatte ich vorher schon mal gesehen. In dem Moment aber einfach vergessen (und dann direkt nach gespieltem e6 selber gesehen, super!). Keine Ahnung welche Gehirnwindung bei mir dann aussetzt. Ich wollte eigentlich hier schon aufgeben.
19.exf7 war vielleicht übereilt. Ggf. hätte ich zum Beispiel über h3 und Lc3 noch etwas mehr Gegenspiel erhalten. Nach Lf6 hatte ich das Gefühl die Läufer abtauschen zu müssen. Da habe ich in der Partie aber gar nicht mehr drüber nachgedacht.
Danach habe ich noch ein wenig gespielt. War aber wohl schon aus und vorbei (28.Da5 war dann schon pure Verzweiflung bzw. Hoffnung auf Fehler meines Gegners).
ghp hat geschrieben: 3.f4 Nach der Diskussion bzgl. meines letzten Spiels habe ich gleich einmal den Grand-Prix-Angriff ausprobiert. Allgemeine Pläne wie Lc4 oder Lb5, d3 0-0 De1 Dh4 f5 waren mir also bekannt. Würdest du denn nach der Partie (und eventuell anderen Blitzpartien sagen, dass dir die Eröffnung und die Stellungstypen gefallen?
3...d6 Wie das immer so ist. Der Gegner spielt nicht mit. Dieser und dann 4...Lg4 führten dann gleich in weniger gespielte Varianten vom GPA. Zugegeben habe ich mir die Eröffnung auch nur ein paar Minuten vorher angeschaut. Ich habe aber einfach mal "standardmäßig" weitergespielt. Schablone funktioniert nicht gegen jeden Aufbau. Hier ist jetzt nichts Schlimmes passiert, pass aber auf, dass du mit "Standardzügen" nicht ins Hintertreffen gerätst.
10.Dh4 Auch dieser Zug folgte den "typischen GPA-Strategien". Auch wenn dies vermutlich kein direkter Fehler war, kam es mir schon etwas planlos vor (was ich zugegeben ja auch schon wieder war). Es folgte auch das erwartungsgemäße 0-0-0. Vielleicht hätte ich lieber direkt so etws wie 10.e5 spielen sollen? Welche anderen Pläne gäbe es hier? Ich habe ja schon gestern meinen Zweifel an diesem Zug geäußert. Auch wenn es vielleicht ein Standard-GPA-Zug ist, finde ich, dass man noch warten sollte, wohin Schwarz rochiert. So ist es denke ich ein Schritt in die falsche Richtung
12.Ld2 Wohin mit dem Läufer war hier die Frage für mich? Wäre Ld3 besser gewesen? Ich wollte die Türme verbinden können und den Läufer entwickeln. Gäbe es hier bessere Pläne? Ich denke, du kannst den Läufer dort erstmal stehen lassen. Es ist jetzt noch nicht klar wo er besser stehen wird. Türme verbinden auf der f-Linie sehe ich nicht übertrieben stark an. 12. a4 könnte erstmal Raum am Damenflügel gewinnen
13.Tb1 Wie linkinkev im Watchbot richtig schreibt: Warum denkt er darüber so lange nach? Habe ich tatsächlich. Warum kann ich eigentlich auch nicht sagen. Zum Beispiel gingen mir 55, Sa4, und b3 durch den Kopf. Vermutlich alles nicht der Situation angemessen. Keine Ahnung, ob dies einfach fehlende Erfahrung ist. Nicht missverstehen, ich finde es toll, dass du so viel Zeit investierst (gerade wenn ich mir anschaue, dass ich allenfalls das Increment in der Team-League verbrauche). Aber du solltest dir die richtigen Stellungen aussuchen. In Stellungen wo es offensichtlich nur einen Zug gibt, würde ich nie länger als 30 Sekunden nachdenken. Du hast hier glaub ich etliche Minuten verbraucht. Da gab es andere kritische Stellungen.
16.Sxe7+ Das war für mich ein kritische und schwierige Situation. Ich habe hier über vieles nachgedacht. Zum Beispiel ging mir durch den Kopf (also nicht rückblickend verändert):
Schwierig zu bewerten ist das Zauberwort. Hier wurde in einer aus meiner Sicht ruhigen Stellung ganz schnell ganz viel Schärfe entwickelt.
17.e6 Wieder lange nachgedacht. Zum Beispiel über so etwas wie fxe6 Sxg6 usw. Oder Rückzug des Springers auf d6, aber was dann nach dxe (a2, e5 und der Springer hängen dann ja). Das nach e6 simpel drohende Lf6 hatte ich vorher schon mal gesehen. In dem Moment aber einfach vergessen (und dann direkt nach gespieltem e6 selber gesehen, super!). Keine Ahnung welche Gehirnwindung bei mir dann aussetzt. Ich wollte eigentlich hier schon aufgeben.
Einsteller passieren. Schwamm drüber.
Fettgedrucktes: meine Kommentare
Noch eine andere Anmerkungen:
De1 will nicht nur Dh4 spielen. Nach 8. ... Db6 kannst du 9. e5 drücken. Dadurch bekommst du guten Angriff mit einem Springer auf d5. Entsprechend seltsam finde ich den Tausch Lxc6... Auch der Plan 9. a4 mit direktem a5 sieht interessant aus.
Zuletzt geändert von linkinkev am So 5. Jun 2011, 09:21, insgesamt 1-mal geändert.
„Du Lauch, aus dir wird nie etwas werden!“
Die Burg wird das Feld in Sachen Output in einem Jahr überholen! 5.9.2011 (Auch wenns nur in der Spielhalle ist, accomplished) Falls Svidler jemals WM wird, hör ich mit Turnierschach auf! 7.9.2011
e5 wäre im 9. Zug gut gewesen, solange du die Fesselung des Sc6 ausnutzen kannst. Mit 9.Lxc6 nimmst du Spannung aus der Stellung. Das nützt normalerweise dem mehr, der in der Defensive ist - in diesem Fall deinem Gegner. Der Zug ist nicht direkt falsch, aber mit solchen Zügen bekommst du allenfalls Ausgleich und keinen Vorteil.
10.Dh4 ist unverständlich, wenn du schon erwartetest, dass dein Gegner lang rochiert. Nachdem der schwarze König sich auf den Damenflügel verkrümelt hat, steht deine Dame da im Abseits.
12.Ld2: Hier steht der Läufer passiv. Er überdeckt c3 und hat ansonsten keine Möglichkeit, ins Spiel einzugreifen. Andererseits wäre Le3 auch nicht viel besser - wenigstens hat er da den Vorteil, dass er mögliche Schachs auf der Diagonalen b6-g1 verhindert. Es wäre eine Überlegung wert, ob du erst mit Bauernzügen (e5 oder f5) deinem Läufer bessere Felder öffnest.
In dieser Phase fällt auf, dass du immer nur einzelne Züge machst, mal am Königsflügel, mal am Damenflügel, mal im Zentrum. Das wirkt unkoordiniert, ich sehe keinen zusammenhängenden Plan dahinter. Entsprechend unkoordiniert stehen dann auch deine Figuren.
Dein Bauerngewinn auf e7 bringt nichts ein. Schwarz kann sich den Bauern jederzeit zurückholen (z.B. auf a2) und bekommt dabei Angriff.
Spätestend ab dem 17. Zug (vielleicht schon vorher) scheint mir, dass du nicht mehr vernünftig darauf achtest, was dein Gegner ziehen kann, welche Felder du mit deinen Zügen für ihn freigibst, bzw. wie du ihn daran hindern könntest, sich besser aufzustellen - bis hin zu der ausgelassenen Möglichkeit 27.b3. Du machst dein Ding und lässt ihn sein Ding machen. Das ist meistens keine gute Strategie.
linkinkev hat geschrieben:Würdest du denn nach der Partie (und eventuell anderen Blitzpartien sagen, dass dir die Eröffnung und die Stellungstypen gefallen?
Schwer zu sagen. Bislang habe ich mich noch nicht wirklich strukturiert mit mehreren Eröffnungen beschäftigt. Ob mir also andere Stellungstypen besser gefallen? Keine Ahnung. Bislang habe ich mir nur für wenige Eröffnungen Ideen/Varianten angeschaut (oder immer sehr kurzfristig vor einer Partie und dann quasi wieder vergessen). Wie kommt man denn möglichst schnell zu einer solchen Einschätzung (gefallen / nicht gefallen)? Datenbank-Partien durchklicken? Grundideen ansehen und dann alle mal blitzen?
elvis hat geschrieben:Spätestend ab dem 17. Zug (vielleicht schon vorher) scheint mir, dass du nicht mehr vernünftig darauf achtest, was dein Gegner ziehen kann [...]
Das ist vollkommen richtig erkannt. Persönlich würde ich soweit gehen, dass ich darüber eigentlich nur bei akuten taktischen Drohungen nachdenke. Überlegungen in der Art "strategische Felder" oder "Positionsverbesserung" mache ich quasi nie. Ich habe mir dazu schon einmal "Heisman" (Thinking Process) durchgelesen. Die Umsetzung fällt mir leider sehr schwer.