Wie jedes jahr nehme ich wieder beim internen turnier meines clubs teil. Leider ist das feld dieses jahr sehr schwach, der stärkste spieler hat nur gerade 1885 elo, letztes jahr hatten wir immerhin ein spieler mit 2100 und einer mit 2050.
Mein erste partie war ein "pflichtgewinn" gegen einen 1585, die partie ist nichts besonderes, ich habe mit 7.Bd3 den vermeintlich unkompliziertesten zug gewählt, 7.c4 oder 7.e6 wären aber stärker gewesen. den gegnerischen zug 8...c5 habe ich total unterschätzt, zum glück hat er es nicht gespielt. Mein gegner hat sich dann durch züge wie 8...Bb4+ gefolgt von 9...Bf8 selbst zerstört. Bemerkenswert finde ich noch den zug 11.Qxe6+!, sieht aber spektakulärere aus als es eigentlich ist. Danach habe ich meinen mehrbauern relativ einfach verwerten können.
What the hell does the ratio of the circumference of a circle to its diameter have to do with the base of the natural logarithm and the square root of -1?
Meine 2te partie spielte ich gegne eine mannschafts-kollegen. Er spielt seint 2 jahren schach und hat zwar nur 1500 elo, aber das liegt meiner meinung nach vor allem daran, dass er sehr inkonstant ist, er hat schon mehrere 1800er besiegt, aber auch schon gegen verschiedene 1400er verloren. Ihm passieren auf jeden fall noch viel zu viele taktische blackouts, so ging es mir am anfang meiner schachkariere aber auch.
Momentan hat er gambits entdeckt und ist begeistert davon, so ähnlich wie ich auch vor 4 jahren mal eine phase hatte wo ich nur noch das BDG spielte. Zuvor spielte er das schottische 4-springer-spiel, womit ich zu 50% rechnete, zu 50% erwartete ich irgend ein gambit, und so kam es dann auch.
Zu 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.d4 exd4 4.c3 habe ich kürzlich die antwort 4...Ne7 angeschaut (ähnlich wie 1.e4 e5 2.d4 exd4 3.c3 Ne7), aber ich entschied mich dann zur "klassischen" ablehnung mit 4...d5. danach blitzten wir die nächsten 12 züge runter, ich hatte in der variante verschiedene chessmail-partien gegen project-chaos und kalashnikov, er schien die theorie auch zu kennen (er hat das selbe schwarz-repertoir wie ich). Das resultierende endspiel wurde auf chesscafe von Karsten Müller unter die lupe genommen (wohl auch, weil er dazu ein buch geschrieben hat): http://www.chesscafe.com/text/mueller61.pdf
13.a3 ist wohl ungenau, schwarz will oft sowieso auf c3 nehmen und spiel auf der b-linie zu erhalten, jetzt bekomme ich das ganze mit tempo-gewinn. Danach entwickelte sich mein gegner sehr passiv, meiner meinung nach hätte er versuchen sollen, auf der e-linie zu verdoppeln (sogar wenn er dafür den a-bauern opfern muss), wenn er es schafft das feld e7 zu kontrollieren hätte ich ein echtes problem. 21.Rc2 war dann ein für meinen gegner leider typisches taktisches blackout, zum teil spielt er 5-zügige angriffs-kombinationen problemlos, aber dann übersieht er wieder solch einfache taktische finessen.
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So lässt sich in etwa die 3te partie zusammenfassen:
Zeitnot
fehlevaluirung des endspiel
entscheidenden taktischen schlag übersehen
ungleichfarbige läufer
Nochmals Zeitnot
remis mit 2 mehrbauern
Mein gegner spielte eine sehr merkwürdige eröffnung, nachdem ich ihn in eine pirc-verteidigung rein-tricksen wollte ( 3.Nc3 g6 4.e4!?). Danach konnte ich das läuferpaar gewinnen, und da mein gegner unverständniserweise mit dem f-bauern zurück nahm hatte er nicht mal ne offene h-linie zum spielen. Danach hatte ich eigentlich nonstopp eine sehr angenehme stellung, da ich aber nie einen killer-blow fand verbrauchte ich unmengen an zeit. Das ganze turnier ist ja sowieso eher schnell, 90 minuten für 40 züge und 30 minuten für den rest, für meine ersten 10 züge brauchte ich 30minuten, bei zug 20 hatte ich nur noch 35 minuten, bei zug 24 waren wir beide unter 15 minuten, bei zug 30 hatte ich noch 5 minuten. dies ist natürlich fatal. Das endspiel nach 27.Qxe5 habe ich als sehr gut für weiss angeschaut, doch das ist wohl nicht wirklich der fall. 28.Rd2 gibt auf jeden fall den gesamten weissen vorteil ab und es ist bereits schwarz der eher besser steht, besser wäre wohl 28.Bf2 gewesen, die diagonale g1-a7 wurde mir auch fast zum verhängnis danach. Bei zug 30 merkte ich auf einmal, dass Bb6+ tödlich ist, logische aussehende züge verlieren sofort (30.Bf2?? Nd3 31.Re2 Nxf2 32.Rxf2 Bb6 0-1, 30.Rf1?? Ne2+), von daher entschied ich mich, den springer auf f4 zu nehmen. erst nach Rxf4 merkte ich, dass Bb6+ immer noch extrem stark ist. glücklicherweise hat mein gegner dies nicht eingesehen und hat anstelle des starken 33...Rf2 mit sehr guter schwarzer position den fehler 33...Rxg4 gespielt. mit noch ca 2min auf der uhr spielte ich à tempo 34.g3 und 35.Be2, da 35...Rxe4 an 36.Bxh5 scheitert. Nach 35...Bf2 sah ich dann aber überhaupt nix mehr ausser meiner uhr und spielte ohne zu überlegen 37.Bxg4 anstelle des viel stärkeren 37.Rf1 mit figurengewinn. Tja, nach überleben der zeitnot hatte ich anstelle einer figur mehr einen bauern mehr und das dazu noch in einem endspiel mit ungleichen läufern. 30 minuten guillotine sind auch nicht gerade viel wenn man absolut keinen plan hat wie man sowas gewinnen sollte. Irgendwie konnte ich dann noch einen bauern gewinnen was mir aber auch nicht viel brachte, und in der endstellung hatte ich noch 3 minuten und absolut keinen plan, von daher remis. Kaum war das remis ausgemacht meinten 2 kibitzer, der eine 2050, der andere 2150, dass der gewinn in der endstellung trivial sei, man müsse nur den läufer nach e6 stellen, danach spielt man a4 bxa3 e.p. und der b-bauer geht durch, der weisse läufer stoppt de schwarzen bauern und läufer und könig sind eingesperrt und können nicht raus. Ganz so einfach ists dann doch nicht, wie sich eine nach-analyse zeigte, da wir aber alle sehr müde waren sind wir nach ca. 10minuten analysieren ohne sicher zu sein obs jetzt remis sei oder nicht nach hause gegangen. auf jeden fall wäre das manöver der richtige gewinnversuch gewesen, aber ich kam nicht auf die idee, hatte nur noch 3 minuten und war tot-müde.
Grossartig analysiert habe ich die partie noch nicht, irgendwie fehlt mir die motivation, ich habe mal ein pgn mit toga-analysen angehängt, evtl. mach ich in ein paar tagen mal eine richtige analyse.
Wie verwertet man eine bessere position ohne klarem gewinnplan? Das passiert mir immer öfters, dass ich eine position erreiche, wo ich eindeutig besser stehe, aber dann sehe ich nichts konkretes, und irgendwann in den nächsten 10-15 züge schafft es mein gegner auszugleichen und die partie wird remis. Ich habe im letzten halben jahr nie verloren (abgesehen von den 2 FM-partien), aber auch jede menge remis abgegeben. Wie kann man das ändern?
Zeitnot: Früher war es das gegenteil, ich spielte sehr schnell, hatte oft noch mindestens 30minuten überflüssige zeit, etc. Aber seit ca. 1/2 jahr bin ich ständig in zeitnot, ich kann nicht mehr lockerlassen, bis jede position ausanalysiert ist. das führt dazu, dass ich, solange ich noch zeit habe taktische möglichkeiten eigentlich nie auslasse, danach aber dafür in der zeitnot gar nix mehr sehe.
Endspiele: Wie evaluiert man korrekt ein endspiel? Wie sieht man die strategischen pläne eines endspiel? Sobalds taktisch wird habe ich keine probleme mehr, in zug 47 sah ich bereits die stellung von zug 56 vor mir und wusste, dass schwarz da nach d8 gehen muss um die bauern zu halten, aber als ich den bauern dann gewonnen hatte sah ich auf einmal keinen weg, dies auch auszunutzen.
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Als Ergänzung eine Variante, die ich mit GeckO im Chat analysiert habe. Meine Gewinnversuche wurden stark gekontert, das Endspiel scheint Remis zu sein.
Eigentlich sollte das Läuferendspiel Remis sein. Wenn ich gegen Toga rumprobiert habe, dann gab es zwar immer Stellungen mit Gewinnchancen. Hält sich Schwarz aber an die Regel mit Läufer und König den Königsflügel dicht zu machen, dann passiert nicht mehr viel. Gefährlich wird es nur, wenn Schwarz "Gewinnversuche" mit Kd6-c5-d4 macht. Das ist Spiel auf Verlust.
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Lestat hat geschrieben:Hier ganz schnell schon mal runde 4
Taktik, Taktik, Taktik. Das Mattmotiv ist aus unzähligen Aufgaben auf ca. 1500er-Niveau bekannt. Aber ich dachte, im wirklichen Leben bzw. in echten Turnierpartien kommen keine Taktikaufgaben aufs Brett? Fernsimultanbullet-Partien gegen Kiffing ausgenommen.
Tja, dachte ich auch, aber auf meinem niveau werden die meisten partien halt durch taktik entschieden, siehe partie 1 und 2 und partie 3 hätte ich durch eine taktik für mich entscheiden können. wobei ich doch immer ein wenig erstaunt bin, z.bsp. hat mein 1860elo-mannschaftsmitglied in unserem letzten mannschaftskampf mit schwarz 1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.c3 Nf6 4.Be2 Nxe4?? gespielt...
ein paar kommentare + ein paar varianten im anhang:
4.c3 hatte ich noch nie auf dem brett, bis jetzt immer 4.Nc3, entweder direkt so oder durch zugumstellung (läuferspiel, wiener partie), irgendwie war mir dann die theorie auch nicht ganz klar, aber mein gegner hat dann vor mir etwas anderes gespielt
5.fxe5 kann nicht der beste zug sein, durch 5.d4 kann weiss schwarz zwingen, das zuentrum aufzugeben, was ja der witz der ganzen variante ist
7...Bb6 im autopilot-modus gespielt, und der zug ist auch nicht falsch, aber 7...Nxe4 wäre besser, wenn auch etwas unübersichtlicher. wenn ich zumindest sagen könnte dass ich es angeschaut habe aber verworfen habe weil unklar würde es ja noch gehen, aber ich habs gar nicht erst angeschaut...
10...Nxc3 dies oder 10...c6, toga will 10...Ne7 aber das kanns ja nicht sein. nach 10...c6 gibts je nachem ne französisch-struktur mit besserem weissfeldrigen läufer dafür bauernschwäche auf d5, die frage ist ob d4 oder d5 schwächer ist danach. ich habe mich für 10...Nxc3 entschieden wegen den vielen taktischen möglichkeiten auf der g1-a7-diagonale
13...Nxe5 ein etwas spekulatives quallen-opfer, welches aber wohl besser nicht angenommen werden sollte. auf der anderen seite könnte weiss hier aber stark die dame mit 14.Nxe5! opfern
18...Rh6 spielte ich mit der idee, dass Bxd4 auch noch ein zug später geht falls er seinen königsflügel deckt und dass ich ansonsten einen recht starken angriff erhalte.
19.dxe5 das hat dann natürlich die partie ein wenig verkürzt
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