Zur 1. Partie:
Sieht so aus, dass du deinen Gegner schon in der Eröffnung überrascht hast, wenn nicht mit 1...b6, dann mit 3...Lxf3. - Die Bedeutung des Felds d4 scheint dem Weißen erst im Laufe der Zeit klar geworden zu sein, als es eigentlich zu spät war. Trotzdem bleibt die Frage, wie du selbst bemerkt hast, was man mit dem Feld eigentlich anfängt. Schwarz steht gut, hat aber nichts konkretes. Und Weiß hat es nicht schwer, den einzig sinvollen Gegenstoß auf der b-Linie zu finden. - Im 23. Zug ist Weiß wieder einmal zu zögerlich, bxa5 wäre die konsequente Fortsetzung von 19.b4 gewesen. Aber das kenne ich von Spielern auf dem Niveau, dass sie nicht jedes Tempo nutzen, sondern lieber zuviel vorbereiten.
Zur 2. Partie:
Dass dein Gegner 2.Lf4 angeblich noch nie gesehen hat, kommt mir unwahrscheinlich vor, aber ohne Theoriekenntnisse neigt man dazu, das nicht als ein eigenständiges System zu erkennen. - Das ganze schwarze Spiel sieht mir dann auch so aus, dass er versucht, sich einen Aufbau zurecht zu legen, den man gegen andere weiße Systeme kennt. - Züge wie 13...Le7 und 15...Sxe5 haben vermutlich die Absicht, den weißen Angriff durch Abtausch zu entschärfen, um dann die schwarze Stellung auf der 7. Reihe zu verteidigen. In diesem Sinne war die versuchte Falle mit 19.Df6 wirklich überflüssig. Schon bei 14...Txe7 (statt Dxe7 mit der Idee Tf8, f6 oder f5, usw.) ist eigentlich klar, dass das Feld e8 für den eventuellen Rückzug des Springers geräumt wird.
Fazit: Londoner System ist für alte Opas, die Aggressivität erst dann mögen, wenn der Gegner sich unnötig grob geschwächt hat (11...g6). 