GEL intern 2010

Hier könnt ihr Eure Partien vorstellen und diskutieren.

Re: GEL intern 2010

Beitragvon Stratege » Mo 14. Jun 2010, 18:10

Die Eröffnung sieht für mich ziemlich krumm aus, aber beim Londoner System kenne ich mich auch gar nicht aus.

Solche Fehler "Läufer der gar nicht mehr da ist deckt irgendetwas" passieren natürlich schon mal. Bei mir würde sich das häufen, wenn ich nur mit Taktik-PC-Programmen oder Taktik-Websiten arbeiten würde. Da zieht man schon mal, bevor man alles durchgerechnet hat. Man kann ja beim zweiten Zug noch einmal überlegen. So kann man natürlich nicht lernen, ein paar Züge tief und richtig zu rechnen.
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Re: GEL intern 2010

Beitragvon elvis » Di 15. Jun 2010, 03:06

Noch zur vorigen Partie:
Lestat hat geschrieben:planlos würde ich jetzt nicht sagen, 9...Nc6 ist ja nicht ein "abwartezug" der nichts macht, sonder er entwickelt den springer, d.h. es ist ein zug der mir in der entwicklung hilft, mit "abwartezug" meinte ich eher, dass dies kein zug ist, welcher die weisse spielweise widerlegt.

Das größere Problem beim "Abwartezug" ist die psychologische Einstellung: Du lässt deinen Gegner erst mal kommen, siehst dir an, was er machen will, und er macht dich platt. Im 9. Zug fing das an. Klar, 10...Sa5 ist ein offensichtlicherer Fehler, aber der 10. Zug ist zugleich die logische Fortsetzung des 9. Zugs.
Das kleinere Problem ist die Frage, was der Springer auf c6 soll. Die große Perspektive hat er ja nicht, wenn er nicht nach a5 gehen soll...
Na egal, neue Partie.

:geek:

Lestat hat geschrieben:4...d6 dies ist bereits eine neuerung, es kommt nicht in meiner datenbank vor und auch das buch bespricht diesen zug nicht.

Das ist das Problem, wenn dein Gegner das Buch nicht kennt, nach dem du spielst. :mrgreen:
Vielleicht ist seine "Neuerung" zweifelhaft, aber du musst das am Brett widerlegen ... Bis zu einem gewissen Punkt ist dir die Widerlegung ja gelungen, im 20. Zug stehst du gut, auch schon schon einige Züge vorher. (Wenn man die schwarze Spielweise verbessern will, muss man vermutlich schon früher ansetzen, zwischen dem 4. und dem 10. Zug.) Aber nachdem du deine Chancen auslässt, zeigt 4...d6 seine Wirkung. Dein schwarzfeldriger Läufer ist in der Ecke geparkt und spielt nicht mit; nachher fehlt er bei der Verteidigung deiner Rest-Stellung am Damenflügel.

Lestat hat geschrieben:13...bxa4 der springer deckt die dame, daher ist diese jetzt möglich. schwarz hat eine bauernschwäche auf der bauernlinie weiss aber eine auf der b-linie

Stimmt soweit. Die weiße Stellung gefällt mir hier eigentlich besser, auch wenn du meinst, du hättest vielleicht hier schon mehr erreichen können.

Lestat hat geschrieben:21.Bxb5? bis zu diesem zug habe ich wirklich gut gespielt und habe hier laut Toga sogar einen vorteil von 1.4 (was auch immer diese heissen soll), aber der nächste zug ist schlecht. Auch wenn es wie ein positioneller fehler aussieht war es in wirklichkeit ein taktischer fehler, ich habe die ganze sequenz bis zu 23...b4 durchgerechnet und "sah" danach 24.c4, das problem ist dass dieser bauer nicht mehr vom läufer gedeckt ist da dieser läufer gar nicht mehr existiert! von daher ein typischer fall von falschem rechnen, man tauscht im kopf figuren ab und benutzt 2 züge später die figur, welche nicht mehr auf dem schachbrett steht, um einen bauern zu decken.

Tja, da kann ich mich Stratege anschließen, solche Rechenfehler kommen vor. Auch auf höherem Niveau, vor ein paar Wochen habe ich so etwas gelesen, ich weiß nicht mehr, bei Ilja Schneider? Egal - der Fehler ist und bleibt ärgerlich.
Mindestens genauso ärgerlich ist aber, dass du einem Fehler gleich zwei oder drei weitere Fehler hinterherschickst. "anstelle 3x tief durchzuschnaufen und die possition neu zu evaluieren (noch stehe ich nicht schlecht!) sah ich mich bereits in einer klar schlechteren stellung und habe dann irgendwie den kopf abgestellt." Das ist das Problem. Du lässt dich von deinem eigenen Fehler aus dem Konzept bringen und spielst schlecht weiter.

22.Sb3? ist auch nicht unbedingt der Verlustzug. 22.Sb3 Txa1 23.Sxa1 räumt das Feld b3 wieder für die Dame, mit ähnlichen Motiven wie nach 22.Db3. Schwarz kann mit 23...b4 24.cxb4 die weiße Bauernstellung auseinanderreißen, aber Weiß behält vorerst den b2 und hat wenigstens Kompensation.
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Re: GEL intern 2010

Beitragvon Lestat » Mo 21. Jun 2010, 08:56

Die Eröffnung sieht für mich ziemlich krumm aus, aber beim Londoner System kenne ich mich auch gar nicht aus.

es gibt nicht 1 londoner, sondern mindestens 4:
schwarz spielt d5 und e6
schwarz spielt d5 und g6
schwarz spielt g6, d6 und e5
schwarz spielt g6, d6 und c5
schwarz spielt e6, d6 und c5

gegen jeden dieser aufbauten sieht der weisse plan anders aus. das einzige was alle gleich haben ist Läufer f4, bauer e3 und springer f3, der rest der figuren wird der situation angepasst.

Tja, da kann ich mich Stratege anschließen, solche Rechenfehler kommen vor. Auch auf höherem Niveau, vor ein paar Wochen habe ich so etwas gelesen, ich weiß nicht mehr, bei Ilja Schneider? Egal - der Fehler ist und bleibt ärgerlich.
Mindestens genauso ärgerlich ist aber, dass du einem Fehler gleich zwei oder drei weitere Fehler hinterherschickst. "anstelle 3x tief durchzuschnaufen und die possition neu zu evaluieren (noch stehe ich nicht schlecht!) sah ich mich bereits in einer klar schlechteren stellung und habe dann irgendwie den kopf abgestellt." Das ist das Problem. Du lässt dich von deinem eigenen Fehler aus dem Konzept bringen und spielst schlecht weiter.

ja, taktik-fehler passierem jedem, ansonsten könnten wir ja auch gleich mit laufender schach-engine spielen. das problem dieser partie ist eindeutig der zweite punkt, dass ich nach dem übersehen der taktik den kopf verlohren habe.
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Re: GEL intern 2010

Beitragvon Lestat » Mo 21. Jun 2010, 09:47

letzte partie, gegen einen 200 punkte schlechteren gegner. ich habe immer noch kein schwarz repertoir, habe mich dann für 1.e4 b6 entschieden und war irgendwie sowieso unmotiviert zu spielen (4te partie in 3 tagen und am 4ten tag hatte ich ruderwettkampf). ich habe die stellung nicht richtig verstanden, hatte trotzdem einmal kurz möglichkeit auf vorteil diese aber nicht genutzt. im zug 19 bot mein gegner mir remis. ich hatte noch 10 minuten auf der uhr (zeitkontrolle ist bei zug 36), ich fand aber keinen einzigen aktiven plan und hatte auch einfach keine lust mehr die stellung zu spielen und akzeptiere daher das remis.

Kommentare
  • 1...b6 naja, wenn man kein repertoir hat ist das so gut wie alles andere. siehe fazit
  • 2.Bc4 das widerlegt die eröffnung nicht wirklich, 2.d4 Bb7 3.Bd3! ist der beste versuch auf ein vorteil
  • 6...Qe7 dies "entrochiert" weiss, ist aber wohl nicht weiter wild
  • 7.Qe2 7.Kd2 ist eine idee, die schwarze dame muss wieder wg (es droht Re1), aber der weisse könig ist in der mitte unsicherer wenn es noch damen auf dem brett hat
  • 8...Bd6?! verkennt die position. auf diesen zug kann (und wird) Bf4 folgen und weiss hat keine probleme. besser wäre es, Ne7-g6 zu spielen um Bf4 zu verhindern.
  • 9.d4? soll die aktivität des läufers auf b7 enschränken, macht aber genau das gegenteil
  • 9...Ne7? das weisse spiel hätte mit Ba6+! bestraft werden müssen, wonach schwarz vorteil hätte. dieser zug will auf 10.Re1? warten, worauf Ba6 stark ist, aber schwarz spielt dies natürlich nicht.
  • der rest: von beiden seiten nicht perfekt gespielt, aber nachdem beide seiten voll entwickelt sind ist die sache in etwa ausgeglichen.
  • 19... remis akzeptiert: die stellung ist ausgeglichen, aber natürlich hat es noch viel spiel und bei spieler unserer spielstärke ist dies position alles andere als remis. das remis-angebot kam als ich noch 20 minuten hatte. ich überlegt über 10 minuten und kam zum entschluss, dass ich einfach viel lieber mit weiss weiterspielen würde, als mit schwarz. ich fand mit schwarz einfach gar nichts schlaues. als ich dann auch noch unter 10 minuten war für immerhin 18 züge habe ich das remis akzeptiert. ich habe die position danach mit einem kollegen analysiert (mein gegner wollte sofort nach hause) und der meinte, g6 + h5 wäre eine schwarze idee gewesen...

Fazit:
ich brauche ein schwarz repertoir. ich habe früher QGA (und später lasker-QGD) + rubinstein-franzose gespielt, aber das gefällt mir schon länger nicht mehr, seit dem habe ich gegen 1.e4 verschiedene andere franzosen und owen versucht und gegen 1.d4 so in etwa alles weissfeldrige ausser nimzo-indisch.
ich habe nach dieser partie lange überlegt was ich genau mit schwarz spielen will und kam zu folgender überlegung:
  • mit weiss spiele ich eine eröffnung, bei welcher ich ein solides zentrum habe und aktive figuren. ob dies jetzt london, ein anderes damenbauernspiel oder gar 1.e4 ist ist eigentlich egal, aber diese art von eröffnung gefällt mir
  • mit schwarz kann man nicht alles haben. eine schwarze eröffnung mit aktiven figuren und solidem zentrum existiert einfach nicht. entweder man gibt sein zentrum auf für aktive figuren (slavisch, QGA, caro-kann, rubinstein) oder man hält das zentrum und nimmt dafür "inaktive figuren" in den kauf (QGD, französisch, stonewall). eine zweite möglichkeit für aktive figuren anstelle des aufgeben des zentrums ist das inkauf nehmen eines nachteils, z.bsp. ein baueropfer (budapest, albin, skandinavisch mit Nf6) oder eine bauernschwäche (sveshnikov, tarrasch, berliner). natürlich gibts noch andere strategien für schwarz, z.bsp. bessere bauernstruktur dafür raumnachteil (sizilianisch), angriff eines "riesenzentrum" (KID, englische verteidigung, aljechin, z.teil franz) und ähnliches aber das gefällt mir irgendwie gar nicht.
  • zentrum aufgeben für "aktive figuren" hatte ich im bisherigen repertoir was mir einfach nicht mehr gefällt (zu passiv, weiss hat den ganzen spass, schwächere spieler sind schwer zu schlagen).
  • zentrumkontrolle mit akzeptieren inaktiver figuren habe ich in der zwischenzeit versucht und bin nicht so wirklich überzeugt davon
  • mein onkel tarrasch sagte mal zu mir, das wichtigste im schachspiel sind aktive figuren und zentrumskontrolle, und da er viel besser schachspielte als ich glaube ich ihm das einfach mal
all diese überlegung führen mich zu folgenden entschedung:
  • gegen 1.e4 spiele ich e5. ich weiss noch nicht genau welche varianten, höchstwahrscheinlich die Nf6-varianten gegen schottisch und italienisch, gegen spanisch bin ich mir noch nicht ganz sicher, die klassische variante würde mich reizen, evtl. auch das berliner endspiel, von den a6-varianten finde ich offen und archangel interessant
  • gegen 1.d4 ist es ein wenig komplizierter. aktive figuren und zentrumskontrolle ist schwer zu haben. ich werde mir mal die tarrasch-verteidigung näher anschauen, für einen "tiefen preis" (d4-isolani) würde ich beides erhalten, und wenn kasparov dies mit erfolg gegen alle ausser karpov spiele konnte sollte ich dies auch spielen können, ich habe in nächster zeit nicht vor, gegen karpov zu spielen. andere eröffnungen welche ich anschauen werde sind die tartakover-variante und die tchigorin-variante.
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Re: GEL intern 2010

Beitragvon Peloton » Mo 21. Jun 2010, 10:19

Lestat hat geschrieben:all diese überlegung führen mich zu folgenden entschedung:
  • gegen 1.e4 spiele ich e5. ich weiss noch nicht genau welche varianten, höchstwahrscheinlich die Nf6-varianten gegen schottisch und italienisch, gegen spanisch bin ich mir noch nicht ganz sicher, die klassische variante würde mich reizen, evtl. auch das berliner endspiel, von den a6-varianten finde ich offen und archangel interessant
  • gegen 1.d4 ist es ein wenig komplizierter. aktive figuren und zentrumskontrolle ist schwer zu haben. ich werde mir mal die tarrasch-verteidigung näher anschauen, ...

Beides habe ich auch schon gespielt und es gibt an Deiner Entscheidung nichts zu kritisieren. Aber für beides solltest Du Dir am Anfang ein "Frustpolster" anfressen. Nun bei 1...e5 liegt es daran, dass Weiß darauf alles Mögliche antworten kann und Du eine Weile brauchen wirst, bis Du mit allen ernstzunehmenden Abspielen vertraut bist.

Die Tarraschverteidigung hat mir immer Spaß gemacht und ich habe sie aus Gründen, die ich heute nicht mehr so sehe, zu den Akten gelegt. Hier waren es für mich überraschenderweise eher die "unkritischen" Nebensysteme, die mich am Anfang genervt haben. Der Grund ist mir heute klar: es gibt keine richtige Theorie, daher ist man auf sich allein gestellt und muss sich auf seine Fähigkeiten bzgl. dem Spiel mit oder gegen den Isolani verlassen. Wenn Du die irgendwo Möglichkeit hast, besorge DIr die "Tarrasch-Bibel" von Keilhack (Titel: Die Tarrasch-Verteidigung).
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Die Schachkiste ist eine spartanisch aufgemachte Lästerhölle...

"Chess is not a game for fun!", Anna Sharevich, während sie die Finals des Weltcups kommentierte.
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