eine schrecklich grottige Turnierpartie

Hier könnt ihr Eure Partien vorstellen und diskutieren.

eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon Stratege » So 8. Mär 2009, 15:41

Hallo,
hier eine aktuelle Partie, die ich (Schwarz) durch ganz schlechtes Spiel verloren habe. Hab mir die Knackpunkte auf dem Brett angschaut und dann mit Engine durchgespielt:

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bc4 Bc5 4.d3 d6
Meine Bücher geben hier ausschließlich 4... Sf6 an, da bin ich dann wohl von der Theorie abgewichen, sollte aber noch okay sein.

5.Nc3 h6
War vielleicht noch gar nicht nötig?! Spielt man ja meistens erst nach Sf6 und vor kurzer Rochade, damit es keine Probleme mit der Fesselung durch Lg5 und weiteren Angriff mit Sd5 gibt.

6.Be3 Bb6 7.O-O Bg4
Sah gut aus, weil ist lästig für Weiß.

8.h3 Bh5 9.Bb5 Nf6 10.Nd5 O-O 11.c3 Nxd5 12.exd5 Ne7 13.Bc4 f5
Offensiv, die Bauern zeigen ja in die richtige Richtung.

14.Bxb6 axb6 15.Re1 Bf7?
Mit 15... Sg6 hätte Schwarz konsequent weiter am Königsflügel spielen sollen. Die Züge wie Lg4 und f5 wurden ja auch schon in diese Richtung gespielt. Der Angriff auf den schwachen Bauern d5 ist zu materialistisch.

16.d4 e4 17.Nd2 Nxd5 18.f3 exf3?
Damit beginnt Weiß langsam in Vorteil zu kommen. Das bessere 18... Sf4! hat der zu materialistisch eingestellte Schwarze gar nicht erst beachtet.

19.Qxf3 c6 20.Qxf5 Qf6?
Ab da geht es den Bach runter. 20... Sxc3 wäre möglich gewesen.

21.Qxf6 Nxf6 22.Bxf7+ Kxf7 23.Nc4 Rfd8 24.Nxb6 Ra6 25.Nc4 Ra4 26.Nd2 d5 27.a3 Ra6 28.b4
Rda8 29.Nb1 Nd7

Statt dessen hätte 29... Se4 noch mal gute Chancen auf Ausgleich gebracht.

30.Ra2 Nb6 31.Rae2 R6a7 32.Re7+ Kf8 33.Rc7 Nc4
Mit 33.... Tc8 hätte Schwarz sich besser verteidigt.

34.Ree7 Nxa3 35.Nxa3 Rxa3 36.Rxb7 Rxc3 37.Rxg7 Rc4 38.Rh7 Kg8 39.Rxh6 Rxd4 40.Rxc6
Rd8 41.Rcb6 Rd1+ 42.Kh2 Re1 43.Rb8 Ree8 44.Rxd8 Rxd8 45.Kg3 d4 46.Kf2 d3
47.Ke1 Re8+ 48.Kd1 Re2 49.Rd6 Rxg2

Das Turmendspiel ist natürlich klar gewonnen für Weiß. Schwarz kann nur einen Bauern gewinnen, wenn er auch den Turm tauscht, dann ist der andere Bauer aber zu weit weg und durch. Aber man kann der Gegner ja noch ein bisschen seine Technik zeigen lassen und auf einen Patzer hoffen:
50.Rxd3 Rb2 51.Rd4 Kg7 52.Kc1 Rb3 53.h4 Kf6 54.Kc2 Ra3 55.Kb2 Ra7 56.Kb3 Ke5 57.Rc4 Kd5 58.h5 Rh7 59.Rc5+ Kd6 60. Kc4 Rf7 61.Rd5+ Kc6 62.b5+ Kb6 63.Rd6+ Kb7 64.Kc5 Rc7+ 65.Rc6 Rh7 66.h6
Rf7 67.Rd6 Rc7+ 68.Kd5 Rc1 69.Ke6 Rh1 70.Kf7 Rh5 71.b6 Rh1 72.Kg7 Rg1+ 73.
Rg6 Rd1 74.h7 Rd7+ 75.Kh6

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Re: eine schreckliche Turnierpartie

Beitragvon Cresspahl » Mo 9. Mär 2009, 22:49

meine unbedeutenden Einschaetzungen:

4...Sf6 spielt jeder, aber so schlimm ist 4...d6 sicher nicht.

5...h6 finde ich unnoetig, da ich mir in derartigen Stellungen bei nicht erfolgter schwarzer Rochade gerne h6 und auf Lh4 g5 nebst 0-0-0 und Angriff offenhalte.

9..:Sge7 statt Sf6 haette ich gespielt. Nach 0-0 kann schwarz ja mal Sd4 drohen.

15...Lf7 - warum? der L steht doch gut auf h5?

Die ganze Aktion Gewinnung des d5 fuehrt dann wohl zu diesem Endspiel, das verloren ging.
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Re: eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon JerryCotton » Do 12. Mär 2009, 18:16

Ich finde du lässt dich vom Computer zu leicht demotivieren. Die meisten Schnitzer kann ich nicht als grob oder grottenschlecht einordnen.
Was spricht gegen ein wenig Materialismus mit z.B. 15.Lf7, wenn dadurch die Stellung ok bleibt. Ist einfach eine Frage des Mutes und des Stils.
Einzig das vergeigte Endspiel scheint nicht ganz zu diesem Stil zu passen :o .
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Re: eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon Stratege » Fr 13. Mär 2009, 18:50

Mit dem Abtausch auf d5 war geplant, f7-f5 zu spielen und den Springer dann über g6 auch nach vorn zu bringen. Nach Te1 habe ich Gespenster gesehen, dass Se7-g6-h4(oder ggf. auch Sf4) nichts bringt, also eine völlige Fehleinschätzung der Lage. Danach gab es auch noch zwei Chancen im 18. und 20. Zug, die ich nicht einmal als Kandidaten hatte. Ich habe im taktischen Bereich schon genug gearbeitet, um die Züge sehen zu können, wobei eine Partie natürlich immer etwas anderes als eine Aufgabe der Kategorie "Weiß zieht und gewinnt" ist. Der Fehler liegt wohl in der Stellungsanalyse, da habe ich auch in den Partien vorher immer wieder was übersehen, öfters nur nicht kritsch, weil der Gegner noch weniger gesehen hat.
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Re: eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon JerryCotton » Fr 13. Mär 2009, 19:36

Naja Sg6 wäre laut Computer und wahrscheinlich auch in der Partie noch besser gewesen. Wenn du Sg6 spielst ist es wahrscheinlich eine Gefühlssache. Du hast das Gefühl, dass deine aktive Stellung anschließend zum Gewinn reicht. Nach Lf7 bist du hingegen ziemlich sicher einen Bauern zu gewinnen. Ich finde das ist eine Abwiegungsfrage. Dein Zug ist deshalb nicht wirklich schlecht. Du hast dich für die sichere Variante entschieden.
Passiert mir selbst auch: Während der Partie bin ich vom Stellungsgefühl z.B. fast sicher, dass ich eine Figur opfern kann. Da ich die Variante nicht zuende rechnen kann entscheide ich mich dann des öfteren für den Zug dessen Folgen ich besser abschätzen kann.
Der Einschlag im 20.Zug ist ein Fehler, wobei man sich in der Computeranalyse vor den Kopf schlägt. In der Partie ist sowas aber leicht einmal zu übersehen.
Wirklich schlecht ist denke ich das Endspiel von dir behandelt worden. Das du dem Gegner im 29. Zug sämmtliche Aktivität überlässt, wird dir und vielleicht auch mir als nachspielendem eine Lehre für die Zukunft sein ;).
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Re: eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon Stratege » Sa 14. Mär 2009, 02:53

In der Partie hatte ich Gespenster gesehen, dass sich Weiß ohne irgendwelchen Nachteil entfesseln könnte. Ist mir im Nachhinein völlig schleierhaft. Aber okay, habs mir schon ein paar mal selber angeschaut und auch den Rechner zu Rate gezogen.

Nur aus dieser guten Stellung auf vermeintlichen Bauerngewinn spielen und in ein schlechtes Endspiel abtauschen? Ab da wird es doch 1. von der Aktivität der Züge und 2. auch von der Stellungsbewertung des Rechners tendentiell bergab. Also ist das doch der Knackpunkt in der Partie.

29... Sd7? statt 29... Se4 : Genauso irgendwelche Phantome gesehen. Dachte in der Partie, dass der Gegner mit 30. c4 was reissen könnte. Daher schien Sd7 der sicherere Weg nach vorn. Genauso bescheuert gedacht wie vorher bei Lf7.
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Re: eine schrecklich grottige Turnierpartie

Beitragvon Jupp53 » Sa 14. Mär 2009, 12:23

Hauptkritik: Zuviel Asche auf Dein Haupt. Man erreicht mit grottenschlechtem Spiel nur gegen grottenschlechte Gegner den 70. Zug.

Analysiere sowohl, was schlecht als auch, was gut war. Dann kommst Du weiter!
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