Das Fajarowizc - Gambit (A51)

Das Fajarowizc - Gambit (A51)

Beitragvon FirePhoenix » Sa 24. Jul 2010, 22:23

Das Fajarowizc - Gambit ist nach Sammy Fajarowic benannt, der das Gambit 1928 erstmals in einer Turnierpartie gegen Herman Steiner. Obwohl die Stammpartie des Gambites verloren wurde, rückte es dennoch in den Augenschein der Theorethiker und es bildeten sich mehrere Spielweisen heraus.

Allerdings schaffte das Gambit das Gambit nie den großen Durchbruch, da bei genaueren weißen Spiel, wie ich später zeigen möchte, ein Vorteil rauspringt. Daher wurde das Gambit in letzterer Zeit auch nicht auf höchstem Niveau gespielt (im Gegensatz zum Budapester Gambit, das sich ab und zu mal blicken lässt)

Das Gambit beginnt mit den Zügen

1. d4 Sf6
2. c4 e5
3. dxe5 Se4?!




Die Idee, die mit 2. ...e5 eingeleitet wird, ist - ähnlich wie im Budapester Gambit - die schwarzen Felder zu schwächen und freies Figurenspiel zu erhalten, was ja nach 1.d4 sich meist nicht so einfach realisieren lässt.

Das Fajarowicz Gambit ist im Gegensatz zum Budapester Gambit, welches den Bauern mit 3. ...Sg4 zurückzuerobern trachtet, nicht auf die sofortige Eroberung des Bauerns aus. Schwarz möchte die leichte Schwäche der schwarzen Diagonalen a5-e1 und a7-g1 und die starke Position seines Springers auf e4 (Druck auf f2, c3 und d2) ausnützen.
Die weißen Trümpfe liegen in seinem Mehrbauern, denn mal relativ gut behaupten und der in andere Vorteile transformiert werden kann.

Weiß hat meines Erachtens zwei Möglichkeiten, entweder er versucht Schwarz im taktischen Sumpf zu überlisten oder er versucht eine positionelle Bekämpfung.

Mögliche weiße Fortsetzungen sind hier:

4. Sf3
Diese Fortsetzung deckt einfach den Bauer e5, überlasst dem Schwarzen allerdings eine gewisse Initiative.
Schwarz baut sich meist mit Sc6,Lb4 (+), b6, Lb7 auf. Meist wird nach weißem a3 einiges an Material auf d2 getauscht.

4. Dc2
Hier geht die weiße Dame sofort den Springer auf e4 an, allerdings ermöglicht die fehlende Kontrolle über d5 hier sofortiges d5 als Gegenstoß, evt. kann auch Lb4+ eingeschlaten werden. Auch ist durch die exponierte Stellung der Dame durch die Idee Lf5 mit Abzugsdrohungen Se4-g3xh1 für Schwarz manchmal nutzbar.

4. Sd2
Dieser Zug transponiert meist zu 4.Sf3.

4. a3! [FirePhoenix]
Ein Ausrufezeichen erhält dieser Zug von mir aus zwei Gründen, ich halte ihn für objektiv stark und er gefällt mir subjektiv, da er die schwarzen Hauptideen ala Lb4+ und solche Nerverein rausnimmt. Auch macht er genau dies, was man gegen ein Gambit normalerweise nicht tun sollte, unnötige Bauernzüge anstatt zu entwickeln.

Deshalb werde ich auf diesen Zug genauer eingehen.

Auch sind aggressive Damenausfälle wie 4.Dd4 und 4.Dd5 wohl auch spielbar, wenn auch genau die Art von Bekämpfung, die Schwarz mit Fajarowicz Gambit erreichen möchte.

Schwarz hat auf 4. a3! folgende Möglichkeiten, die ich in der nächsten Zeit behandeln will.

A) 4. ...d6
Schwarz möchte den e5 zur Erklärung zwingen, exd6 ist wohl nicht gut, da Lxd6 schon eine nette Drohung aufstellt (Sxf2 und falls Kf2 folgt Lg3+ mit Damengewinn).
Weiß entwickelt sich am besten wohl einfach mit Sf3, gefolt von Dc2, was in Kombination mit a3 den Springer relativ effizent angreift.

B) 4. ...Sc6
Dies geht meist in die Variante A) über, allerdings hat Schwarz die kleine Falle nicht, da Sf3 hier super natürlich ist, allerdings ist, Dc2 wohl nicht optimal, da hier wohl d5 in einem Zug kommen kann.

C) 4. ...b6
Schwarz entwickelt erst mal seinen Läufer und versucht den Bauern später mit Sc6+De7 zurückzuholen, auch a7-a5-a4 ist ein Plan, um die Damenflügelstruktur von Weiß günstig für Schwarz festzulegen.
Weiß entwickelt sich hier am besten ganz natürlich.


D) 4. ...a5
Dieser Zug sieht für mich am Anfang etwas komisch aus. Mit Läufern auf b4 und d2 ist das eine Standardidee, aber hier soll wohl b4 verhindert werden, was dem Se4 in den Varianten Sf3+Dc2 das Feld c5 verwehrt. Das verlorene Tempo versucht Schwarz reinzuholen, indem er d5 in einem Zug spielen will.
Weiß kann hier dann aber auch en-passant nehmen.


E) 4. ...Dh4
Eine tiefgründe schwarze Falle :D
Nein, die Idee ist nicht mattzusetzen, sondern nach g3 Dh5 den Bauern zurückzuholen. Aber wie jeder Anfänger weiß sollte man die Dame nicht zu früher rausbringen und auch die Selbstverteidigung der Dame nach Steinitz ist hier wohl keine Ausrede.


F) 4. ...Lc5
Dieser Zug greift f2 an und muss daher mit e3 gekontert werden, allerdings fühlt sich der Läufer auf c5 einfach nicht richtig platziert, der Aufroller b4 ist immer präsent und der Läufer kann dann meist nicht nach b6 wegen nachfolgendem c5 und Auschluss vom Spiel.


Ich hoffe, ich konnte hier einen kleinen Überblick geben. Fortsetzung folgt!

EDIT: Rechtschreibfehler beseitigt
Zuletzt geändert von FirePhoenix am So 25. Jul 2010, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Fajarowizc - Gambit (A51)

Beitragvon FirePhoenix » So 25. Jul 2010, 12:16

Variante A)

4.a3! d6

Die beste weiße Antwort ist meines Erachtens das natürliche Sf3, es deckt e5 und das Schlagen dxe5 ist wegen des Damentausches wenig attraktiv.
Das gierige Verschlingen des Gambitbauerns ist wohl nicht so gut, wie die folgenden Varianten wohl zeigen:
V1) 5.cxd6? Lxd6
Schwarz droht Sxf2 Kxf2 Lg3+ gefolgt von Dxd1 -+, natürliche Züge wie Sf3 oder g3 scheitern bereits
V1.1) 6.Dc2 Lf5 =+
hier steht Schwarz wohl schon ein bisschen besser, hat am auf jeden Fall volle Kompensation für den Bauern, die schwarze Idee ist Se4-g3xh1 oder auch Se4xf2xh1
V1.2)6.Sd2 Lf5 7.Sxe4 Lxe4 mit Kompensation für den Bauern
Der schwarze Entwicklungsvorsprung und die gut platzierten Bauern sollten ausreichendes Spiel geben

5.Sf3
Nach diesem Zug kann Schwarz neben der Hauptantwort
A)5. ...Sc6
auch die beiden Züge
A2)5. ...dxe5
A3)5. ...Lf5
probieren.

Variante A.2)
A2) Nach 6.Dxd8+ Kxd8 7.Sxe5 Le6 hat Weiß auf jeden Fall eine angenehme Stellung mit Mehrbauer, am präzisten ist meines Erachtens 9.g3! Ld6 10.Lg2 Lxe5 11.Lxe4 +/-, und wenn Weiß nichts einstellt, ist das ein klares Spiel auf zwei Ergebnisse.

Variante A.3)
A3) Hier hat Weiß wohl zwei Bekämpfungsmöglichkeiten, einerseits die Quälvariante A3.1)6.Sbd2 mit der folgenden Zügen 6. ...dxe5 (what else?) 7.Sxe4 Dxd1+ 8. Kxd1 Lxe4 9.Sxe5 Ld6 10.Sd3 +/-, was Weiß die Möglichkeit gibt, Schwarz sehr lange und wahrscheinlich auch oft erfolgreich zu quälen.
Anderseits kann auch eine Position mit Damen auf dem Brett angestrebt werden, die ich allerdings als nicht so gut für Weiß einschätze.
A3.2)6.g3 Sc6 7.Sh4 Le6 8.Lg2 Sc5 9.exd6 (9.b4!?) mit wohl leichtem weißen Vorteil, allerdings hat hier Schwarz schon ordentlich Spiel, da er einfach besser entwickelt ist.

Nun weiter in der Hauptvariante
6.Dc2, worauf Schwarz mehrere Antworten hat



A) 6. ...d5, was ich im nächsten Post bearbeiten werde
A4) 6. ...Sc5
A5) 6. ...Lf5?!, eine scharfe Idee, die wohl nicht ganz korrekt ist
A6) 6. ...f5?!, ein Zug, der meines Erachtens nicht ins schwarze Entwicklungsschema passt


Variante A4)
Das Problem an 6. ...Sc5 ist, das der Springer gegenüber dem Bauernvorstoß exponiert ist, der Weiß eine gute Entwicklung des Lf1 nach e2 ermöglicht, ohne den Lc1 einzuschränken.
A4) 7.b4 Se6 8.exd6 Lxd6 9.Lb2 0-0 10.e3 +/-

Schwarz hat hier schon Entwicklungsvorsprung, aber Weiß konsolidiert sich ratzfatz mit Sbd2, Le2, 0-0. Schwarz hat hier auch keine wirklichen Angriffsmarken.
Eine andere Möglichkeit ist 7.b4 Sd7?!, nach 8.exd6 Lxd6 9.Lb2 0-0 10.e3 +/- steht der Springer hier noch etwas ungünstiger, allerdings erhält Schwarz die Möglichkeit f7-f5-f4.

Variante A5)
Ein sehr scharfer Versuch ist 6. ...Lf5?! mit der Idee Se4-g3(xf2)xh1 und Materialgewinn, allerdings kann dies Weiß bei konrektem Spiel abfedern.

7.Sc3!
A5) 7. ...Sg3
A5.1) 7. ...Sxf2

In der Variante A5) tritt die typische Idee gegen die Dc2-Se4-Lf5 Idee auf,
8. e4 Sxh1 9.exf5 dxe5 10.Le3 und da der schwarze Springer auf h1 lebendig begraben ist und die schwarzen Figuren keine guten Felder haben, proklamiere ich hier einfach mal +/-


Eine andere Variante in diesem Abspiel ist 8.e4 Lxe4 9.Sxe4 Sxh1 10.exd6, wonach Weiß den Springer mit g3, Lg2 auch abholen kann, was wieder auf klaren weißen Vorteil herausläuft.

Die Variante A5.1) bekämpft Weiß am besten mit 8.Dxf5 Sxh1 9.g3! (Einziger), wonach der schwarze Springer wieder verhaftet, aber noch nicht festgenommen ist. Es könnte weitergehen mit 9. ...Dc8 10.Dxc8+ Txc8 11.Lg2 Sxg3 12.hxg3 und Weiß sollte mehr vom Spiel haben.

Variante A6)
6. ...f5 wird wohl am besten mit 7.exf6 ep. Sxf6 8.Lg5 mit sehr angenehmen weißen Spiel beantwortet.

Fortsetzung folgt!
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Re: Das Fajarowizc - Gambit (A51)

Beitragvon FirePhoenix » Mi 28. Jul 2010, 13:11

So jetzt geht es weiter mit Variante A)

1.d4 Sf6 2.c4 e5 3.dxe5 Ne4?! 4.a3! d6 5.Sf3 Sc6 6.Dc2 d5



Weiß zieht hier am häufigsten 7.e3 mit guten Ergebnissen, eine andere Idee ist 7.Nc3, was sofort den lästigen Springer beseitigt.Auch kann Weiß hier wohl 7.Lf4 ziehen, wonach 7. ... Lf5 sicher der kritische Test ist.

Zuerst werde ich mich mit 7.e3 auseinandersetzen:
Die Idee hinter dieser Variante ist eine kleine taktische Drohung 8.cxd5 Dxd5 9.Lc4 Da5+ (einziger um den Springer zu retten) und hier kann Weiß zwischen Sbd2 mit der Idee Sxd2 zu erwzingen und dann mit Lxd2-c3 zwei sehr starke Läufer zu haben oder b4 mit taktischen Gemetzeln auf b4, die allerdings letztlich auch vorteilhaft für Weiß sein sollten wählen.

Für Schwarz sehe ich folgende Optionen:
A7) 7. ...Lg4
A8) 7. ...Lf5
A9) 7. ...Le6


Variante A7)
Hier kann weiß die taktische Idee anwenden:
8.cxd5 Dxd5 9.Lc4 Da5+ und jetzt verfügt Weiß über zwei Möglichkeiten:



A7.1) 10.b4
A7.2) 10.Sbd2

Variante A7.1)
Nach der mehr oder minder erzwungenden Folge
10. ...Lxb4 11.axb4 Dxa1 12.Dxe4 Lxf3 13.gxf3 Dxe5 14.Lb2 Dxe4 15.fxe4 Sxb4 16.Lxg7 Tg8 17.Lc3
lieben zwar alle Engines die weiße Seite, doch ich zweifele, ob die drei verbundenen Freibauern Schwarz nicht gute Chancen geben.

Variante A7.2)
Nach 10.Sbd2 hängt ja der Springer auf e4 und Lf5 verbietet sich wegen 11.0-0 Sxd2 12.Lxf7+! +-. Daher sollte Schwarz wohl am besten Se4 tauschen, da sonst eine Figur verloren geht.
10. ...Lxf3 11.gxf3 Sxd2 12. Lxd2 Dxe5
und hier kann man jetzt die Schachzoo - Taktik 13.La6! anwenden und den Schwarzen wegschießen!
Möchte der Schwarze sich mit 10. ...Sxd2 11.Lxd2 Dc5 12.b4 De7 mit einer Stellungsruine aus der Äffäre ziehen, so kommt es zur Echovariante 13.La6 allerdings hier nicht so stark.
Insgesamt würde ich sagen, dass Lg4 einfach schlecht ist und die Variante A7.2) klar zu bevorzugen ist.

Variante A8)
7. ...Lf5 wird gut mit 8.Ld3 Lg6 9.Sc3 Sxc3 10.Lxg6 hxg6 11.Dxc3 beanwortet, was recht angenehm sein sollte, da Weiß seinen Läufer über b4 aktivieren kann. Allerdings kann Schwarz wohl die h-Linie zum rumnerven nutzen!


Variante A9)
7. ...Le6 verhindert die Hauptidee des Weißen, aber nach 8.Sbd2 Sxd2 9.Lxd2 Le7 10.Td1 sollte Weiß einfach sehr gemütlich stehen, da er einen Bauern mehr hat und die weißen Figuren tendenziell recht gut aktiviert werden können (Lxc4, Lc3).

Die andere Idee ist 7.Lf4!?, wenn Schwarz nicht energisch reagiert, baut sich Weiß ganz langsam mit Sbd2 oder Sc3, e3, Le2,0-0 auf, sichert damit die Beute und hat wohl langfristig einfach einen Bauern mehr.
Daher sollte Schwarz wohl energisch spielen, indem er 7. ...Lf5 zieht.
Weiß muss natürlich mit 8.Sc3 antworten und jetzt kann Schwarz zwischen 8. ... Sxf2 und 8. ...Sg3 wählen,
evt. sind auch 8. ...Lg6 und 8. ...Lc5 interessant, die werde ich hier nicht untersuchen.




Variante A9.1)
Hier antwortet Weiß wohl 9.Dxf5 Sxh1 aber nach 10.Sg5 hat Weiß sehr starken Angriff und Schwarz nen toten Springer.

Variante A9.2)
Hier kommt wieder thematisch 9.e4! (dxe4 Lxg3 und da der e4 gefesselt ist +-) Lxe4 10.Sxe4 Sxh1 11.0-0-0! und Schwarz kann getrost aufgeben, da d5 wegfällt oder er die Dame geben muss.

Hier muss man noch einige Varianten genauer anschauen, so ist auch 7. ...g5?! mit ähnlichen Ideen wie im Budapester Gambit sicher interessant.
FirePhoenix
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