Einschätzung von Bauernendspielen

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Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon JerryCotton » Do 1. Apr 2010, 13:13

In einer Blitzpartie entstand das folgende Bauernendspiel:


Weiß am Zug

Während der Partie war ich mir überhaupt nicht sicher wie dass Endspiel einzuschätzen ist.
Aus Interesse habe ich das Endspiel anschließend zusammen mit Forenmitglied Fabi87 analysiert.

Bevor ich hier schreibe, zu welchem Ergebniss wir gekommen sind, bitte ich euch einmal diese Stellung einzuschätzen oder zu analysieren.
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon linkinkev » Do 1. Apr 2010, 13:15

Ich würde sagen gewonnen für Weiß.

Er hat (nach dem schlagen auf f3) einen Freibauern und ist mit seinem König näher dran.

Seltsam, warum sollte das nicht gewonnen sein?
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Stratege » Do 1. Apr 2010, 13:25

Unabhängig vom Ausgang frage ich mich erst einmal, welchen Zug man in der Ausgangsstellung spielen sollte. Nach 1. g3 bleiben die Bauern zusammen und der König kassiert den gegnerischen Bauern. Aber erstens kostet das Tempi, zweitens könnte sich die Stellung mit f- und h-Bauern als stabiler gegen die Majorität erweisen.

Also 1. gxf3 Kf8 2. Kc3 und in der Folge den gegnerischen A-Bauern kassieren, den eigenen A-Bauern rennen lassen und am KF abholzen wäre eine Idee, die man mal durchrechnen müsste. Der Schwarze muss ja auch einiges an Königszügen machen, damit Weiß nicht viel eher zur Dame kommt.
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon JerryCotton » Do 1. Apr 2010, 17:24

Ich warte mal bis morgen Abend mit meiner Antwort. Vielleicht gibt es ja Analysen, die zu einem anderen Schluss führen als meine :)
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Riddler » Do 1. Apr 2010, 18:21

Zunächst sieht es relativ einfach aus mit dem Freibauern und dem aktiveren weißen König.

Die Idee, mit 1. g3 die Bauernstellung zu erhalten, scheitert an 1. ... g5, wonach Schwarz einen gedeckten Freibauern auf f3 bekommt.

Die Idee mit Nehmen auf f3 und dann Wanderung zum a-Bauern ist da schon eher interessant. Der Haken beim a-Bauern ist allerdings, dass er auf der a-Linie steht. :)
Will sagen: wenn Weiß den Bauern schlägt und Schwarz dann den wK auf der a-Linie festnagelt, dann bekommt Weiß Probleme. In etwa also:

1. gxf3 Kf8
2. Kc3 Ke7
3. Kb4 Kd6
4. Ka5 Kc5
5. Kxa6 Kc6

...und Schwarz opponiert einfach auf der c-Linie, bis Weiß die Lust verliert.

Versuchen wir´s also anders:

1. gxf3 Kf8
2. Ke3 Ke7
3. Kd4 Kd6

Schwarz hat mehr Reservetempi, so dass Weiß hier austempiert wird. Die Stellung ist meiner Meinung nach eher für Schwarz gewonnen.

So erstaunlich es ist, es scheint so, als ob die Ausgangsstellung für Weiß nicht zu gewinnen ist und dass eher Schwarz am Drücker ist.
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Jupp53 » Do 1. Apr 2010, 22:36

Ohne überhaupt gerechnet zu haben. Es gibt noch den Kandidaten 1.g4, weil f5,g5 für Schwarz ganz nett aussieht.
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Christoph84 » Do 1. Apr 2010, 22:56

Mir scheint das eine ziemlich klare Gewinnstellung zu sein, allerdings für Schwarz! Ist aber nur eine grobe Analyse, ohne Brett

a) Um gxf3 kommt man meiner Meinung nicht vorbei, denn 1.g4 Kf8 2.Ke3 Ke7 3.Kxf3 Kd6 ist definitiv Humbug
b) 1.gxf3 Kf8 2.Kc3 Ke7 3.Kb4 Kd6 4.Ka5 scheint ganz plausibel für Weiß, denn andere Pläne als das Losrennen auf den a-Bauern hat er eh nicht, Warten verschlimmert seine Stellung nur.
c) 4...Kc6!(hier stört der König am meisten) 5.Kxa6 g5! (Nimzowitsch-Der Kandidat zuerst) 6.a4 f5 7.a5 g4 8.fxg fxg 9.Ka7 Kc7 10.Ka6 h5 11.Kb5 h4 12.a6 g3 und Schwarz gewinnt. Weißes h3 bringt nichts.

Der Schlüssel zur Einschätzung ist der entfernte Freibauer - am Königsflügel!
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Randspringer » Fr 2. Apr 2010, 04:53

zuerst dachte ich Weiss stünde besser, nach Analyse am Brett, die Stellung ist remis, mit vielen Fallen für beide Seiten.

Zum einfachsten remis führt 1.g3 Schwarz darf hier nicht 1...g5 spielen, da 2.g4! folgt mit weißer Gewinnstellung!
Also1...Kf8
2.Ke3 Ke7
3.Kxf3 Kd6
4.Ke4 Kc5
5.Kd3 f5
6. h4 g6
7.Ke3 Kxc4
8.Kf4 Kd5
9. Kg5 Ke4
10.Kh6 Kf3
11.Kxh6 Kcg3
12.Kxg6 f4
13. h5
Schwarz gewinnt im Damenendspiel zwar den aBauern, aber kann dem Dauerschach wegen der Abseitsstellung der Dame nicht entkommen!
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Christoph84 » Fr 2. Apr 2010, 10:08

@ Randspringer: Sehr interessante Analyse, hätte nicht gedacht, dass man die Idee g3 so ernst nehmen muss. Allerdings glaube ich eine Haken an der Sache gefunden zu haben (diesmal mit Brett;) ): Statt 6...g6 kann Schwarz 6...a5 versuchen, da der a-Bauer jetzt näher an der Umwandlung steht und der g6-Zug eigentlich nur Weiß hilft. Dass man ihn ziehen muss ist klar, aber er läuft ja nicht weg:

7.Kc3 g6 8.Kd3 h6 und ich sehe keine Möglichkeit das zu retten.
7.h5 a4 8.Kc3 g6 9.h6 (9.hxg6 verliert sehr einfach) 9...g5 10.Kd3 a3 und Weiß hält die Bauern nicht mehr.

Daher: Weiß kann das nicht mehr halten: Die Ausgangsstellung ist für Schwarz gewonnen.
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Re: Einschätzung von Bauernendspielen

Beitragvon Randspringer » Fr 2. Apr 2010, 12:08

Stimmt, a5 habe ich unterschätzt.

Also muss Weiss 1.gxf3 spielen
1...Kf8
2.Kc3 Ke7
3.Kd4 Kd6
4.c5+ Kc6
5.h4! a5
6.f4!

Auf 6...a4 folgt einfach 7.Kb4 g6 8.Kxa4 Kxc5
auf 6... g6 kommt 7.Ke5! Und auf 6...f6 folgt
7.f5 g6
8.fxg6 hxg6
9.a4 f5
10.Kc4 =
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