Cresspahl hat geschrieben:Ich hbae ja die Hoffung, dass 5.Lf4 auch mal wieder an Popularität verliert und Tartakover auch mal wieder in den Eliteturnieren zu finden ist.
WIe ich bereits im Chat erwähnt habe, denke ich nicht, dass das seltene Erscheinen der Tartakower-Verteidigung auf oberster Ebene darauf zurückzuführen ist, weil 5. Lf4 soooo in Mode ist, sondern eher, weil das klassische Damengambit zur Zeit außer Mode ist.
Und warum nun eine Eröffnungsvariante außer Mode, darüber kann man eine Menge Kaffeesatzlesen ohne wirklich schlauer zu werden. Z.B., so hört man es von dem einen oder anderen, mit dem klassischen abgelehnten Damengambit hat man zu wenig Chancen auf Gewinn zu spielen. Dann schaut man sich die letzte WM-Partie von Anand und Topalow an und sieht wie Anand mit einer Variante, die ich noch "ambitionsloser" einschätzte als die Tartakower-Verteidigung, den Topalow regelrecht zerlegt. Wer Partien aus der Zeit als die Tartakower-Verteidigung in Mode war, von Karpow, Kasparow, Beljawski u.a. studiert, erkennt sehr wohl, dass man damit "auf Gewinn" spielen kann. Auf unserem Level alle male.
Es bleibt einem also nichts anderes übrig als den abstrakten Level zu verlassen und sich auf konkrete Probleme zu beziehen. Welche Varianten sind die Sorgenkinder der Tartakower-Verteidigung und warum genau? Nehmen wir mal die große Mode-Variante der 80er, also die mit
11...c5 , also 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 h6 6.Lh4 O-O 7.e3 b6 8.Le2 Lb7 9.Lxf6 Lxf6 10.cxd5 exd5 11.b4 c5 12.bxc5 bxc5 13.Tb1 Lc6 14.O-O

Diese Variante wurde in unzähligen Partien, inklusive dem WM-Kampf zwischen Kasparow und Karpow, gespielt. Die Feinheiten, warum nun welcher Turm wohin muss, habe ich bis heute nicht verstanden, ist wahrscheinlich noch gar nicht geklärt. Auch
13...Da5 wurde mal gerne gespielt, führte m.E. am Ende der Modephase regelmäßig zu beengten, aber haltbaren Endspielen.
Zum Glück wurde mir durch den Wettkampf Short - Timman , in dem Short mit beachtlichem Erfolg stets
11...c6 zog, eine Alternative gezeigt.