Tartakover-System

Tartakover-System

Beitragvon Cresspahl » Mi 18. Aug 2010, 14:47

Mich verblüfft ja immer, wie selten das Tartakoversystem heute in der Elite noch gespielt wird. Hängt wohl mit der Popularität der 5.Lf4-Variante zusammen.

Potential hat Schwarz jedenfalls genug; mir gefallen beispielsweise nach

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 Le7 5.Lg5 h6 6.Lh4 0-0 7.e3 b6 sowohl bei

a) 8.Tc1 Lb7 9.Lf6 Lf6 10.cd ed 11.b4 c6 12.Ld3 Dd6 als auch nach

b) 8.Le2 Lb7 9.Lf6 Lf6 10.cd ed 11.b4 c6 12.0-0 Te8 (12...a5 13.b5 c5 14.Se5!? wurde in den letzten Jahren sehr populär) 13.Db3 a5 - gerade Nigel Short hat oft so gespielt)

die schwarzen Steinchen. Und auch

c) 8.Ld3 Lb7 ist doch nicht gerade wiederlegt für Schwarz. :)
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Re: Tartakover-System

Beitragvon kladist » Mi 18. Aug 2010, 17:36

Super! Ein Anhänger der Tartakower-Variante. Finde ich gut!

Spontan fallen mir von den Top-Spielern Magnus Carlsen und Micky Adams ein, die sie jüngst (erfolgreich) gespielt haben.
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Re: Tartakover-System

Beitragvon Cresspahl » Mi 18. Aug 2010, 21:37

Hallo Kladist,

stimmt, diese beiden haben tartakover jüngst gespielt. Ich hbae ja die Hoffung, dass 5.Lf4 auch mal wieder an Popularität verliert und Tartakover auch mal wieder in den Eliteturnieren zu finden ist. Die jetzige Situation hat aber immerhin den Vortel, dass die Variante nicht zu modisch ist und nicht (mehr) jeder weiß, wie man dagegen spielen kann.
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Re: Tartakover-System

Beitragvon kladist » Do 19. Aug 2010, 15:08

Hi Cresspahl!

Wenn ich Tartakover, Lf4-System und Katalanisch vergleiche, denke ich nicht, dass man als Nachziehender bei Tartakover weniger Sorgen hat hat als bei Lf4 oder Katalanisch.

Aber: Irgendwie fühlt sich Tartakover besser an. Vielleicht liegt es am Läuferpaar und/oder den hängenden Bauern, die mir das Gefühl oder die Hoffnung auf gutes Gegenspiel geben. Bei Lf4 und Katalanisch (ich tendiere zum Geller-System mit verspätetem dxc4) spüre ich eher nur den Kampf um Ausgleich.

Ist aber erstmal nur so eine Vermutung...
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Re: Tartakover-System

Beitragvon Peloton » Sa 21. Aug 2010, 09:56

Cresspahl hat geschrieben:Ich hbae ja die Hoffung, dass 5.Lf4 auch mal wieder an Popularität verliert und Tartakover auch mal wieder in den Eliteturnieren zu finden ist.

WIe ich bereits im Chat erwähnt habe, denke ich nicht, dass das seltene Erscheinen der Tartakower-Verteidigung auf oberster Ebene darauf zurückzuführen ist, weil 5. Lf4 soooo in Mode ist, sondern eher, weil das klassische Damengambit zur Zeit außer Mode ist.
Und warum nun eine Eröffnungsvariante außer Mode, darüber kann man eine Menge Kaffeesatzlesen ohne wirklich schlauer zu werden. Z.B., so hört man es von dem einen oder anderen, mit dem klassischen abgelehnten Damengambit hat man zu wenig Chancen auf Gewinn zu spielen. Dann schaut man sich die letzte WM-Partie von Anand und Topalow an und sieht wie Anand mit einer Variante, die ich noch "ambitionsloser" einschätzte als die Tartakower-Verteidigung, den Topalow regelrecht zerlegt. Wer Partien aus der Zeit als die Tartakower-Verteidigung in Mode war, von Karpow, Kasparow, Beljawski u.a. studiert, erkennt sehr wohl, dass man damit "auf Gewinn" spielen kann. Auf unserem Level alle male.

Es bleibt einem also nichts anderes übrig als den abstrakten Level zu verlassen und sich auf konkrete Probleme zu beziehen. Welche Varianten sind die Sorgenkinder der Tartakower-Verteidigung und warum genau? Nehmen wir mal die große Mode-Variante der 80er, also die mit 11...c5 , also 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 h6 6.Lh4 O-O 7.e3 b6 8.Le2 Lb7 9.Lxf6 Lxf6 10.cxd5 exd5 11.b4 c5 12.bxc5 bxc5 13.Tb1 Lc6 14.O-O

Diese Variante wurde in unzähligen Partien, inklusive dem WM-Kampf zwischen Kasparow und Karpow, gespielt. Die Feinheiten, warum nun welcher Turm wohin muss, habe ich bis heute nicht verstanden, ist wahrscheinlich noch gar nicht geklärt. Auch 13...Da5 wurde mal gerne gespielt, führte m.E. am Ende der Modephase regelmäßig zu beengten, aber haltbaren Endspielen.

Zum Glück wurde mir durch den Wettkampf Short - Timman , in dem Short mit beachtlichem Erfolg stets 11...c6 zog, eine Alternative gezeigt.
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Tartakower-System aus der Mode!?-?!

Beitragvon stoppelhoppler » So 22. Aug 2010, 01:10

Peloton hat geschrieben:
Cresspahl hat geschrieben:...
WIe ich bereits im Chat erwähnt habe, denke ich nicht, dass das seltene Erscheinen der Tartakower-Verteidigung auf oberster Ebene darauf zurückzuführen ist, weil 5. Lf4 soooo in Mode ist, sondern eher, weil das klassische Damengambit zur Zeit außer Mode ist...
Zum Glück wurde mir durch den Wettkampf Short - Timman , in dem Short mit beachtlichem Erfolg stets 11...c6 zog, eine Alternative gezeigt.


Das angenommene Damengambit und vor allem Slawisch und Halbslawisch führten zur Entwöhnung vom althergebrachten Tartakower.
Ich denke viele (Spitzen)spieler wollten wirklich mal wieder andere Stellungsbilder und Probleme sehen und erforschen.
Das liegt weniger am Gehalt der Tartakower-Variante als an modischen Einflüssen und Entwicklungen.
Man will etwas Neues sehen und ausprobieren.

Gut, daß Du Short erwähnst. Er hat einige eindrucksvolle kombinatorische Schwarzsiege mit Tartakower erstritten.
Da gabs mal einen netten Beitrag in NewinChess 2000/1 (S. 32) mit seinen Siegen gegen Illescas und Lautier.
Das Motiv in der Illlescas-Partie hatte er auch schon bei einer Partie der britischen Meisterschaft (ca. 1998) gezeigt.

Dieser b4, c5-Aufbau von KK scheint mir mit ihren Wettkämpfen ziemlich ausgelutscht zu sein (+=).
Inhaltsreicher auch aus schwarzer Sicht ist das dann von Short bevorzugte c6.
Die Signatur, die Signatur hat nicht immer Recht.
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Re: Tartakover-System

Beitragvon Peloton » So 22. Aug 2010, 10:13

stoppelhoppler hat geschrieben:Ich denke viele (Spitzen)spieler wollten wirklich mal wieder andere Stellungsbilder und Probleme sehen und erforschen.
Das liegt weniger am Gehalt der Tartakower-Variante als an modischen Einflüssen und Entwicklungen.

Ja, ist m.E. eine der häufigsten Ursachen (neben den Varianten, die sich irgendwann tatsächlich als "schlechter" herausstellen), warum eine Variante nicht mehr auf Top-Niveau gespielt wird. Und mal ganz ehrlich: Wenn man Damenindisch zum hundertsten Mal in ein ungleichfarbiges Läuferendspiel transformiert hat, dann will man auch hin und wieder was anderes sehen ;).

stoppelhoppler hat geschrieben:Dieser b4, c5-Aufbau von KK scheint mir mit ihren Wettkämpfen ziemlich ausgelutscht zu sein (+=).

Gefühlt gebe ich Dir recht, aber in seinen Kommentaren zur letzten großen Battle mit dieser Variante spricht Kasparow in seinem aktuellen Buch über die Wettkämpfe 1986/87 von
ojectively the position is bordering on equal
.

Ich habe übrigens zufällig noch eine Partie gefunden, die zeigt, dass es selbst mit ...c5 möglich ist, wenn man nur will, auf Gewinn zu spielen:
(hoffentlich kommt der PGN-Viewer bald aus dem Urlaub zurück)


Die Partie ist eine Schnellschachpartie und wurde von beiden Seiten unsauber geführt, aber ob wir Amateure exakter spielen, ist noch zu klären.
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Re: Tartakover-System

Beitragvon Lestat » So 22. Aug 2010, 10:35

Ich habe immer gedacht, das grosse problem am tartakover-system ist die abtausch-variante? es gibt doch noch einige GMs, welche tartakover im repertoir haben neben nimzo-indisch,

1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nc3 Bb4 --> nimzo
1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 d5 --> tartakover

sogar topalov hat diese zugfolge gegen anand bei der "WM" (oder was das genau war) benutzt, da war vielleicht auch ein tartakover-QGD (was sonst? lasker kann ich mir nicht wirklich vorstellen, alternativ evtl. cambridge springs oder semi-slavisch) im programm hätte anand nicht katalanisch gespielt.

Die "tricky" variante mit 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Be7 ist sicherlich möglich, aber das hat halt andere nachteile, die abtausch-variante mit g4 ist auch nicht ungefährlich und in den Bf4 und Nf3-systemen ist man gezwungen die Be7-variante zu spielen, was man evtl auch nicht immer will...
e^(i*pi) + 1 = 0

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Re: Tartakover-System

Beitragvon elvis » So 22. Aug 2010, 15:39

Topalov - Anand, Weltmeisterschaft, Sofia 2010

[Event "WCh"]
[Site "Sofia BUL"]
[Date "2010.05.11"]
[Round "12"]
[White "Topalov,V"]
[Black "Anand,V"]
[Result "0-1"]
[ECO "D56"]

1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 Be7 5. Bg5 h6 6. Bh4 O-O 7. e3 Ne4 8.
Bxe7 Qxe7 9. Rc1 c6 10. Be2 Nxc3 11. Rxc3 dxc4 12. Bxc4 Nd7 13. O-O b6 14.
Bd3 c5 15. Be4 Rb8 16. Qc2 Nf6 17. dxc5 Nxe4 18. Qxe4 bxc5 19. Qc2 Bb7 20.
Nd2 Rfd8 21. f3 Ba6 22. Rf2 Rd7 23. g3 Rbd8 24. Kg2 Bd3 25. Qc1 Ba6 26. Ra3
Bb7 27. Nb3 Rc7 28. Na5 Ba8 29. Nc4 e5 30. e4 f5 31. exf5 e4 32. fxe4 Qxe4+
33. Kh3 Rd4 34. Ne3 Qe8 35. g4 h5 36. Kh4 g5+ 37. fxg6 Qxg6 38. Qf1 Rxg4+
39. Kh3 Re7 40. Rf8+ Kg7 41. Nf5+ Kh7 42. Rg3 Rxg3+ 43. hxg3 Qg4+ 44. Kh2
Re2+ 45. Kg1 Rg2+ 46. Qxg2 Bxg2 47. Kxg2 Qe2+ 48. Kh3 c4 49. a4 a5 50. Rf6
Kg8 51. Nh6+ Kg7 52. Rb6 Qe4 53. Kh2 Kh7 54. Rd6 Qe5 55. Nf7 Qxb2+ 56. Kh3
Qg7 0-1

Wobei die Rahmenbedingungen erwähnenswert sind:
- letzte reguläre Turnierpartie im WM-Match
- Stand im Match: 5,5 : 5,5. Bei Remis wird ein Stichkampf mit Schnellschach-Partien gespielt, und alle, einschließlich Topalov und Anand, gehen davon aus, dass Anand im Schnellschach höchstwahrscheinlich gewinnen würde
- Anands Ziel Nr. 1: eine solide Stellung, aus der heraus er problemlos auf Remis spielen kann
- Anands Ziel Nr. 2: den Gegner mit der Eröffnungswahl überraschen und aus der Vorbereitung werfen (Anand hatte die Variante seit x Jahren in keiner Turnierpartie mehr gespielt)
- Topalov hat seine Stellung rückhaltlos überzogen, um das Remis zu vermeiden, und damit Schiffbruch erlitten.
Ob man das gegen eine weniger aggressive weiße Spielweise mit Schwarz auf Gewinn spielen kann, ist eine andere Frage.
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Re: Tartakover-System

Beitragvon Lestat » So 22. Aug 2010, 20:22

nene, ich spreche von topalov mit schwarz!

anand-topalov:

1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf6 d5 4.g3

was hätte topy gespielt auf 4.Nc3 ??
e^(i*pi) + 1 = 0

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