nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.e5 Nfd7 5.f4 c5 6.Nf3 Nc6 7.Be3
hier ist der klassische hauptzug
7...cxd4 8.Nxd4 Bc5
man schlägt zuerst auf d4, damit man danach den läufer entwickeln kann ohne dass weiss ein tempo gewinnen kann durch dxc5. aber ist das wirklich ein tempogewinn?
eine variante in dieser stelle, welche immer beliebter ist, ist der zug 7...Be7!?. wenn weiss die gleiche strategie verfolgt kommt:
7...Be7 8.dxc5 Bxc5 9.Nd4
aber hier hat weiss gar kein tempo gewonnen sondern verloren, im gegenteil! schwarz hat ein tempo gewonnen, gegenüber der 7...cxd4-variante! natürlich spielt in der Be7-variante weiss nicht 8.dxc5 sondern hält die spannung im zentrum mit 8.Qd2
in der tarrasch-verteidigung kommt es sehr oft zu ähnlichen situationen:
nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c5 4.cxd5 exd5 5.Nf3 Nc6 6.g3 Nf6 7.Bg2
ist 7...cxd4 bekanntlich ein schlechter zug und der hauptzug geht 8.Be7 nach 9.0-0 0-0 ist 10.Bg5 der hauptzug, welcher schwarz zwingt auf d4 zu nehmen (oder c4 zu spielen aber das sieht, auch wenn es anscheinend nicht schlecht ist, irgendwie nach käse aus). 10.dxc5, die "tempo-gewinn-variante" wird zwar auch gespielt, aber wenn dies der beste zug wäre würden wohl viel mehr GMs tarrasch spielen. es geht weiter mit 10...Bxc5 11.Bg5 d4 und der läufer unterstützt den bauern auf d4.
jetzt wirds aber komisch, in vielen nebenvariante ist nämlich cxd4 vor Be7 der hauptzug!
z.bsp: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c5 4.cxd5 exd5 5.Nf3 Nc6 6.Bf4 Nf6 7.e3
dies ist die variante, die jeder weiss-spieler "automatisch" spielt, solange er nicht von der rubinstein-variante gehört hat. schwarz hat 2 hauptzüge, den IQP-zug 7...cxd4 und 7...c4, nach 7...Be7 gibt keilhack
7...Be2 8.dxc5 Bxc5 9.Be2 0-0 "führt zu einer Variante des orthodoxen Damengambits, in der weiss leichten vorteil behält". ok, klingt logisch, der läufer auf f4 ist etwas nervig und der d-bauer bereits unter recht starkem feuer, der plan Be6-Qb6-Rd8-Nh4 ist wohl langsam und kann vor allem sehr leicht verhindert werden. ausserdem ist die die variante 7.cxd4 Nxd4 8.Bb4 taktisch sehr interessant für schwarz.
eine weitere variante, welche eher schwächere weiss-spieler (oder wiederum sehr starke) spielen ist 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 c5 4.cxd5 exd5 5.e3 Nf6 6.Nf3 Nc6 7.Be2
dies ist eigentlich ein panov-angriff mit einem tempo weniger. hier ist wiederum cxd4 der hauptzug in keilhacks buch und auch der meistgespielte zug in meiner datenbank. aber hier verstehe ich jetzt wirklich nicht wieso!
ich persönlich würde hier sogar den zug 7...a6 spielen, damit ich danach den zug 8...Bd6 spielen kann ohne Sb5 "fürchten zu müssen", 7...Bd6 8.Nb5 Be7 9.dxc5 Bxc5 10.Nbd4 würde ich gerne verhindern, 8...Be7 ist mir hingegen etwas zu passiv (der läufer gehört in IPQ-positionen nach d6 oder c5.
aber nach 7...a6 8.0-0 Bd6 9.dxc5 Bxc5 habe ich gegenüber 7...cxd4 8.Nxd4 Bc5 (Bd6 ist wahrscheinlich besser) ein tempo gewonnen, wo also ist der hacken?
